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Nach Merkels Rückzug: Druck auf Seehofer wächst | BR24

© picture alliance/Michael Kappeler/dpa

CSU-Chef und Bundesinnenminister Horst Seehofer.

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Nach Merkels Rückzug: Druck auf Seehofer wächst

Bundeskanzlerin Merkel hat nach den Wahlschlappen der Union in Bayern und Hessen persönliche Konsequenzen gezogen, sie gibt den CDU-Vorsitz ab. Nun mehren sich die Stimmen, die von CSU-Chef Seehofer einen ähnlichen Schritt fordern.

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Schon nach der Wahl in Bayern haben viele an der CSU-Basis Seehofers Ablösung als Parteichef gefordert, die bevorzugte Plattform dafür ist ein Sonderparteitag im Dezember. Seehofer selbst zeigt sich für einen solchen Parteitag offen - und auch für eine Personaldiskussion.

Im BR Fernsehen hat er gestern nun selbst eine schnellere Entscheidung angekündigt. Zwar müsse erst Markus Söder zum bayerischen Ministerpräsidenten gewählt und Manfred Weber in Helsinki hoffentlich zum Spitzenkandidaten der EVP gekürt werden, erklärte Seehofer. Dann aber solle schnell geklärt werden, wie es inhaltlich, strategisch und personell in der CSU weitergehe. Er rechne damit, dass das Ende nächste oder spätestens Anfang übernächster Woche geschehe.

Immer mehr CDU-Politiker fordern offen Rücktritt Seehofers

In der Schwesterpartei CDU dürften das einige gerne hören. Denn auch dort legen mittlerweile viele Seehofer einen Rückzug als CSU-Chef nahe. Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans etwa sagte der Zeitung "Die Welt", Merkel habe ein Beispiel gegeben, wie man nach einem schlechten Wahlergebnis Verantwortung übernimmt.

"Angela Merkel hat es geschafft, einen selbstbestimmten Abgang als Parteivorsitzende zu gehen, das wünsche ich auch dem Kollegen Horst Seehofer." Tobias Hans, CDU, Ministerpräsident des Saarlands

Hessenwahl: Schwere Vorwürfe gegen Seehofer

Der Chef der hessischen Landesgruppe in der CDU-Bundestagsfraktion, Michael Brand, macht vor allem Seehofer für die schlechten Wahlergebnisse der CSU in Bayern und der CDU in Hessen verantwortlich. Deshalb fordert auch er personelle Konsequenzen. Er sagte der "Fuldaer Zeitung", Ämter seien kein Privatbesitz.

"Wer sein Ego über die Verantwortung stellt und mehr nach pathologischen als nach politischen Maßstäben agiert, darf sich nicht wundern, wenn Leute sich mit Wut und Entsetzen abwenden." Michael Brand, der hessische CDU-Landesgruppenchef im Bundestag

Experte Oberreuter: Seehofer könnte Abgang "in Würde" verpassen

Der Politikwissenschafter Heinrich Oberreuter sagte im Gespräch mit der radioWelt auf Bayern 2, Merkel habe durch ihren Rückzug als Parteichefin auch den Druck auf Seehofer verstärkt, zumal sie gezielt auf das "Debakel der gesamten Regierung aufmerksam gemacht" habe. Seehofers Taktik, immer wieder "Personalfragen und Terminfragen" vorzuschieben, werde nicht mehr lange aufgehen. Er müsse bald Konsequenzen ziehen. Sonst, so Oberreuter, werde der CSU-Chef irgendwann "weggeputscht". Den Zeitpunkt, um noch einen selbstbestimmten Abgang "in Würde" schaffen zu können, habe Seehofer aber schon fast verpasst, die Selbstbestimmung sei bereits "nicht mehr gegeben".

"Seiner Partei und ihm selbst würde er sehr, sehr viel ersparen, wenn er einen Rückzug in der noch möglichen Form der Würde anträte." Heinrich Oberreuter in der radioWelt

Was die Nachfolge an der CSU-Spitze angehe, laufe "es wohl auf Söder hinaus", so Oberreuter.

© pa / dpa / Eventpress Stauffenberg

Heinrich Oberreuter

Spahn, Merz, Kramp-Karrenbauer: Nachfolge Merkels ist noch offen

Bundeskanzlerin Merkel hatte gestern als Konsequenz aus den Wahlschlappen bei den beiden jüngsten Landtagswahlen angekündigt, im Dezember nicht mehr als CDU-Chefin anzutreten. Sie sagte, es sei Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Wenn die Wähler so deutlich machten, was sie von der Arbeit der Bundesregierung halten, dann sei das ein deutliches Signal, dass es so nicht weitergehen könne.

Wer den Posten übernimmt, ist noch offen. Bisher erklärten mit Bundesgesundheitsminister Spahn und dem ehemaligen Unions-Fraktionsvorsitzenden Merz zwei Politiker aus dem konservativen CDU-Lager sowie Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer ihr Interesse an der Kandidatur. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet hält sich eine Bewerbung noch offen, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat eine Kandidatur bereits ausgeschlossen.

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