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Verletzte bei Ausschreitungen in Beirut

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    Nach Explosion in Beirut: Wut auf Libanons Elite

    In Beirut ist es in der vergangenen Nacht zu Protesten gekommen. Bei den Zusammenstößen zwischen regierungskritischen Demonstranten und Sicherheitskräften wurden mehrere Menschen verletzt.

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    • tagesschau.de

    Nach der Explosionskatastrophe im Hafen von Beirut sind aufgebrachte Demonstranten in der Nacht auf die Straßen gegangen, um gegen die Regierung unter Ministerpräsident Hassan Diab zu protestieren. Bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften wurden mehrere Menschen verletzt, berichtet die staatliche Nachrichtenagentur NNA.

    Zahlreiche Demonstranten hätten versucht, die Absperrung zum Parlamentsgebäude in der libanesischen Hauptstadt zu durchbrechen. Die Demonstranten bewarfen die Sicherheitskräfte mit Steinen und setzten Werbetafeln, Bretter und Müllhaufen in Brand. Die Polizei setzte Tränengas ein. Die Proteste hatten das öffentliche Leben in der Hauptstadt teilweise lahmgelegt.

    Libanesen geben politischer Elite Schuld

    Die Demonstranten richten sich gegen die politischen Eliten des Landes, denen viele Libanesen Schuld an der Katastrophe geben und ihnen Korruption und Misswirtschaft vorwerfen. Das kleine Mittelmeerland ist hoch verschuldet und steckt in seiner schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Die Explosion hat die Lage deutlich verschärft, und viele Libanesen trauen der Regierung nicht zu, den Fall transparent und vollständig aufzuarbeiten. Im Libanon war es bereits seit Oktober zu Massenprotesten gekommen, die auch zum Rücktritt von Ministerpräsident Saad Hariri führten.

    Gestern hatte die Polizei 16 Hafenmitarbeiter der libanesischen Küstenstadt festgenommen. Das teilte der amtierende Militärrichter Fadi Akiki mit. 18 Personen seien befragt worden, darunter Mitglieder des Hafenvorstands und der Zollverwaltung. Letztere war auch für die Wartung des Hangars verantwortlich, in dem das Ammoniumnitrat gelagert wurde, das die Explosion auslöste.

    Maas warnt vor Destabilisierung Libanons

    Außenminister Heiko Maas warnte angesichts der Explosionskatastrophe von Beirut vor einer weiteren Destabilisierung des Libanon. "Wir wollen den Libanon stärken, denn diese Krise darf nicht genutzt werden, um ausländischem Einfluss in Libanon Tür und Tor zu öffnen", sagte Maas der "Saarbrücker Zeitung". Es gebe in dem Land bereits nichtstaatliche, aus dem Ausland finanzierte Akteure wie Hisbollah, die ein entstehendes Vakuum nutzen könnten. "Die Katastrophe birgt das hohe Risiko, Libanon weiter zu destabilisieren", so Maas, der zudem eine zeitnahe internationale Geberkonferenz ins Gespräch brachte.

    Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte bei einem Besuch in Beirut eine baldige internationale Hilfskonferenz an. Dabei solle es um eine internationale Finanzierung für Medikamente, medizinische Behandlung oder Nahrungsmittel unter Verteilung durch UN und Weltbank gehen, sagte Macron.

    Finanzhilfen nur gegen Reformen

    Zudem will der Internationale Währungsfonds (IWF) dem Libanon helfen, vorausgesetzt das Land unternimmt die dringend nötigen Wirtschaftsreformen. Alle Möglichkeiten der Hilfe würden geprüft, erklärte IWF-Chefin Kristalina Georgiewa. Der Libanon war bereits vor der Explosion im Gespräch mit dem IWF für ein Rettungspaket, das vermutlich mehrere Milliarden Dollar umfassen würde. Die Verhandlungen liefen zuletzt allerdings schleppend.

    In Beirut hatte eine verheerende Detonation große Teile des Hafens zerstört und ganze Straßen im Zentrum in Scherben und Trümmer gelegt. Mindestens 149 Menschen wurden getötet und weitere 5000 verletzt. Rund 300.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren. Davon sind dem UN-Kinderhilfswerk UNICEF zufolge schätzungsweise 80.000 Kinder.

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