BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Deutsche Diplomatin bei Explosion in Beirut getötet | BR24

© BR

Nach der verheerenden Explosion in Beirut ist die Zahl der Todesopfer auf 135 gestiegen. Etwa 5.000 Menschen wurden verletzt. Die Ursache liegt vermutlich in einer Schlamperei der Behörden.

8
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Deutsche Diplomatin bei Explosion in Beirut getötet

Bei der verheerenden Explosion in der libanesischen Hauptstadt Beirut ist auch eine Mitarbeiterin der deutschen Botschaft getötet worden. Das teilte Außenminister Heiko Maas mit. Unterdessen läuft die internationale Hilfe an.

8
Per Mail sharen
Von
  • BR24 Redaktion

"Unsere schlimmste Befürchtung hat sich bestätigt. Eine Angehörige unserer Botschaft in Beirut ist durch die Folgen der Explosion in ihrer Wohnung ums Leben gekommen", erklärte Außenminister Maas. "Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Auswärtigen Amts sind in tiefer Trauer um die Kollegin." Er habe den Angehörigen und der Belegschaft der Botschaft Beirut sein Beileid ausgesprochen, auch im Namen der Kolleginnen und Kollegen und der Bundesregierung.

"Allen, die wie unsere verstorbene Kollegin jeden Tag auf der ganzen Welt im Dienst für unser Land große persönliche Risiken eingehen, gilt mein Dank." Außenminister Heiko Maas

Hilfe für Libanon läuft an

Die Katastrophe von Beirut hat eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst - so schickten mehrere Länder Rettungsmannschaften mit Spürhunden und Experten für die Bergung von Verschütteten. Hilfsorganisationen wie das Internationale Rote Kreuz, der Rote Halbmond, Caritas International und kleinere Hilfsorganisationen wie Help - Hilfe zur Selbsthilfe e.V oder Humedica engagieren sich für Nothilfe im Libanon.

Inzwischen geht man von mehr als 135 Toten und mindestens 5.000 Verletzten in Beirut aus. Die Explosion im Hafen der libanesischen Hauptstadt hat ein ganzes Viertel in Trümmer gelegt.

Hoffnung, noch Verschüttete zu retten

Rettungshelfer suchen zwei Tage nach der verheerenden Explosion im Hafen Beiruts weiter nach Überlebenden. Noch immer werden nach Angaben des libanesischen Roten Kreuzes rund 100 Menschen vermisst. Soldaten der Armee, Mitarbeiter des Roten Kreuzes und Freiwillige waren am Donnerstag am Ort des Katastrophe im Einsatz. Mitarbeiter des Zivilschutzes kontrollierten zudem Gebäude, die einsturzgefährdet sein könnten.

Bundeswehr und THW starten Hilfseinsätze

Unter den Staaten und Hilfsorganisationen, die jetzt im Libanon Katastrophenhilfe leisten, ist auch Deutschland. Bundeswehr und THW bereiten Einsätze vor. Ihre Erkundungsteams und die privater Hilfsorganisationen sind unterwegs. Mitarbeiter des THW waren bereits in der Nacht aufgebrochen, um mit Spürhunden und Ortungs-Geräten die Suche nach Verschütteten zu unterstützen.

Außerdem wird die Luftwaffe heute ein medizinisches Erkundungsteam der Streitkräfte nach Beirut fliegen, wie das Verteidigungsministerium in Berlin mitteilte. Eine deutsche Korvette nimmt von Zypern aus Kurs auf Beirut, um inklusive ihres Schiffsarztes in Beirut zu helfen.

Die sogenannte "fliegende Intensivstation" der Bundeswehr - ein Airbus A310 MedEvac für den Transport Schwerverletzter - wurde in erhöhte Einsatzbereitschaft versetzt. Darüber hinaus wurde ein schnell verlegbares Luftrettungszentrum des Sanitätsdienstes der Bundeswehr alarmiert. Geprüft wird, ob es im Libanon aufgebaut werden kann.

Maas kündigt eine Million Soforthilfe an

Außenminister Maas hat eine Million Euro Soforthilfe angekündigt. Auf Twitter schrieb Maas, das Geld solle dem Roten Kreuz vor Ort zur Verfügung gestellt werden.

Untersuchungskommission ermittelt Ursache der Explosion

Die genaue Ursache der Detonation ist noch unklar. Sie steht nach unterschiedlichen Berichten in Verbindung mit großen Mengen Ammoniumnitrat, die jahrelang im Hafen ohne Sicherheitsvorkehrungen gelagert worden sein sollen. Eine Untersuchungskommission soll bis zur kommenden Woche einen ersten Bericht vorlegen.

Angehörige von Überlebenden hofften auf Lebenszeichen von Vermissten. "Ich warte hier, ich bewege mich nicht weg", rief eine Frau in der Nähe des abgesperrten Hafens. "Mein Bruder arbeitete im Hafen und ich habe von ihm nichts gehört, seitdem es die Explosion gab."

Große Teile des Hafens wurden durch die Detonation zerstört; der Hafen ist für die Versorgung des Landes von zentraler Bedeutung.

Sorge vor Eskalation und Gewalt im Libanon

In dieser Katastrophe wird auch die Sorge vor weiterer Eskalation laut. Die Menschen im Libanon hätten schon vor der Corona-Krise "am Abgrund" gelebt, erklärte die Präsidentin der SOS-Kinderdörfer im Libanon, Afifa Arsanios Dirani. Die Explosion am Dienstag habe die ohnehin dramatische Lage eskalieren lassen. Der Schock sitze bei vielen Menschen tief, und sie wüssten nicht, was als nächstes kommt: "Unruhen, weitere Explosionen oder sogar Krieg?" Von einer humanitäen Notlage spricht auch der Leiter der Adenauerstiftung in Beirut. Örtliche Medien sprechen von 300.000 Menschen, die obdachlos geworden sind, weil ihre Häuser unbewohnbar wurden.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!