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Nach dem Urlaub: Der Kampf um Entschädigung beginnt | BR24

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Der Urlaub ist vorbei, und der Flieger kommt verspätet - oder gar nicht. Dann steht Passagieren eine Entschädigung zu. An die zu kommen, ist nicht immer einfach. Die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr, SÖP, kann helfen.

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Nach dem Urlaub: Der Kampf um Entschädigung beginnt

Der Urlaub ist vorbei, und der Flieger kommt verspätet - oder gar nicht: Dann steht Passagieren eine Entschädigung zu. An diese zu kommen, ist nicht immer einfach. Die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) kann helfen.

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Bei einer Flugverspätung steht Passagieren unter Umständen eine Entschädigung zu. Der Geschäftsführer der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP), Heinz Klewe, erläutert im Interview mit der Bayern 2-radioWelt, wie Passagiere an ihr Geld kommen.

Bayern 2-radioWelt: Im vergangenen Jahr hat die Schlichtungsstelle in 32.000 Fällen geschlichtet. Das ist ein neuer Rekord. Wie schaut es denn in diesem Jahr aus?

Heinz Klewe: Ich denke, dass es dieses Jahr etwas weniger wird im Vergleich zum sogenannten Chaos-Jahr 2018. Hintergrund ist, dass die Luftfahrt und die Bundesregierung einige Maßnahmen durchgeführt haben, die zur Entspannung geführt haben.

Welche Maßnahmen waren das?

Klewe: Nach der AirBerlin-Pleite gab es ja doch einige Unstimmigkeiten im Flugplan. Der ist mittlerweile verbessert worden. Die Airlines haben mehr Ersatzmaschinen, mehr Personal und auch bei den Sicherheitskontrollen sind Maßnahmen vorgenommen worden, die dazu führen, dass es weniger Verspätungen und Annullierungen gibt.

Trotzdem häufen sich die Meldungen, dass Gerichte regelrecht über Überlastung klagen, weil die Airlines nicht bezahlen. Wie passt das zusammen?

Klewe: Ich denke, dass die Fälle, die jetzt vor Gericht landen, Fälle von 2018 sind. Weil es immer eine Zeit lang dauert, bis so ein Fall vor Gericht kommt. Und wie gesagt: 2018 hatte wir eine Verdoppelung auf 32.000 Fälle.

Jetzt haben ja speziell Billig-Airlines den Ruf, bei Verspätungen nur ungern zu bezahlen und auch alle Tricks zu nutzen, um vielleicht nicht zahlen zu müssen. Stimmt das?

Klewe: Wir können nur sagen, dass wir auch mit den Low-Cost-Airlines gut zusammenarbeiten. Von Seite der Schlichtungsstelle haben wir hier keine Probleme. Aus unserer Sicht steht da keine spezielle Fluglinie am Pranger.

Wenn Passagieren eine Entschädigung zusteht, in welcher Größenordnung bewegen wir uns da?

Klewe: Das ist im Flugbereich im Gegensatz zu anderen Verkehrsträgern schon ganz gewaltig. Das sind Beträge zwischen 250 und 600 Euro, je nach Entfernung und je nach Verspätung. Und da lohnt es sich, sich zu beschweren.

Bei uns in Bayern gehen heute die Ferien zu Ende. Wer jetzt im Sommer Probleme mit einer Airline hatte, was würden Sie der Person raten?

Klewe: Als erstes sollte die betreffende Person sich an die Fluglinie wenden und ihre Beschwerde vorbringen. Das heißt also, die Verspätung melden und dann die Antwort der Airline abwarten. Die Airline hat gesetzlich dazu zwei Monate Zeit. Wobei viele Airlines viel früher antworten. Und wenn die Antwort kommt und den Reisenden nicht zufriedenstellt, also ablehnt oder vielleicht auch gar nicht antwortet, dann kann er sich an uns, an die SÖP, wenden. Wir haben auf unserer Internetseite ein Formular, das man rasch und bequem ausfüllen kann. Dann schauen wir uns den Fall an, prüfen ihn sachlich und rechtlich und erstellen dann eine Schlichtungsempfehlung.

Akzeptieren die Airlines und die Kundinnen und Kunden das?

Klewe: Ja. Die Verkehrsunternehmen erkennen unsere Schlichtungsempfehlungen wirklich in großem Maße an. Um ein Beispiel zu nennen: Im ersten Halbjahr 2019 haben die Airlines 90 Prozent aller Schlichtungsempfehlungen anerkannt. Sowohl die Verkehrsunternehmen, als auch die Reisenden erkennen ja auch an, dass wir da eine Expertise haben, die wir über zehn Jahre gesammelt haben. Wenn wir eine Schlichtungsempfehlung schreiben, dann hat die also Hand und Fuß.

Sie sind Geschäftsführer der Schlichtungsstelle. Ich könnte mir vorstellen, dass Sie gerade jetzt nach den Ferien oft auch im privaten Umfeld angesprochen werden. Trauen Sie sich nach den Ferien überhaupt noch unter Leute?

Klewe: Ganz so schlimm ist es nicht!