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Nach Papst-Schreiben: Katholiken in Deutschland enttäuscht | BR24

© Andreas Arnold/dpa

30.01.2020, Hessen, Frankfurt/Main: Eine Demonstrantin fordert vor dem Frankfurter Dom „Kein Pflicht Zölibat“ mit ihrem Plakat.

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    Nach Papst-Schreiben: Katholiken in Deutschland enttäuscht

    Mit seinem Schreiben zur Amazonas-Synode hat Papst Franziskus viele Katholiken in Deutschland enttäuscht. Sie hatten auf eine Lockerung des Zölibats gehofft und fürchten nun, dass das Folgen für den kirchlichen Reformprozess beim "Synodalen Weg" hat.

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    Edgar Büttner ist enttäuscht. Der heute 68-Jährige war fünf Jahre lang katholischer Priester im Bistum Würzburg, bis er sich verliebte – und seinen Priesterberuf aufgeben musste, um seine Frau Elisabeth heiraten zu können.

    Große Hoffnung auf Lockerung beim Zölibat

    Büttner hatte auf das heute vorgestellte Schreiben von Papst Franziskus gehofft. Das 88-seitige Papier bezog sich auf die so genannte Amazonas-Synode, zu der Franziskus im Oktober geladen hatte. Damals stimmten zwei Drittel der anwesenden Bischöfe und Kardinäle für eine Lockerung des Pflichtzölibats für verheiratete Priester, im festen Glauben, damit etwas gegen den eklatanten Priestermangel in der Region tun zu können. Doch der Papst klammert den Vorschlag in seinem heute veröffentlichten Schreiben aus, allen Erwartungen zum Trotz.

    Marx: Diskussion um Zölibat damit nicht beendet

    Wie hoch der Erwartungsdruck war, weiß auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Er stellte den Text an diesem Mittwoch in Bonn vor. Die Diskussion um das Zölibat sieht er durch das Papier nicht beendet. Zwar habe der Papst die Empfehlung der Synodalen nicht aufgegriffen, aber eben auch nicht beendet. "Ich sehe das nicht als eine Beendigung der Diskussion an, die Texte geben das nicht her."

    Damit spielt Marx auch auf den so genannten "Synodalen Weg" der deutschen Katholiken an, den er maßgeblich vorangebracht hat. Auch da geht es um kirchliche Reformen – beim Zölibat, aber auch bei der Frage nach Frauen in kirchlichen Ämtern.

    Kirchenrechtler: Rückfall in ein überkommenes Frauenbild

    Vor allem wie sich der Papst nun zur Frauenfrage äußert, stieß beim Katholischen Frauenverband Deutschlands auf Kritik. Es sei "herber Schlag für alle Frauen, die auf ein starkes Signal zur Gleichberechtigung in der katholischen Kirche gehofft haben".

    Dem schließt sich auch der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller an. Für ihn sei die größte Enttäuschung nicht die Zölibatsfrage, "sondern der Rückfall in ein Frauenbild, das man für überwunden glaubte, nämlich die dienende Frau, der Macht nicht gut tut." Das sei ein überkommenes Frauenbild. Für den synodalen Weg bedeute das, dass drei Themen von der Tagesordnung genommen werden können: Macht, Partizipation, das Thema Frauen, und die Frage nach der veränderten priesterlichen Lebensform, also die Frage nach dem Pflichtzölibat. "Der Prozess ist damit faktisch zu Tode gekommen."

    "Damit ist die Tür nicht zu"

    Auch Wolfgang Klose, Vize-Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, ist enttäuscht. Er organisiert den Synodalen Weg mit – und will sich von den Zeilen aus Rom dabei nicht entmutigen lassen. Er sei nicht resigniert. Im Gegenteil: "Jetzt erst recht. Ich bin nicht optimistisch, weil ich glaube, dass viele Kräfte, die diesen Weg nicht wollen, sich jetzt bestätigt fühlen. Umso mehr müssen wir mit Argumenten, mit Inhalten überzeugen."

    Das will auch Edgar Büttner tun. Er nimmt in der Arbeitsgruppe "Priesterliche Lebensform" am Synodalen Weg teil und glaubt: "Damit ist die Tür nicht zu." Es könne weiter diskutiert werden.