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Freiwillige sammeln am Strand der niederländischen Insel Ameland angespülte Waren ein
© picture alliance/Jan Spoelstra/dpa
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Freiwillige sammeln am Strand der niederländischen Insel Ameland angespülte Waren ein

Auf Schiermonnigkoog, einer der niederländischen Nordsee-Inseln, ist inzwischen ein 25-Kilo-Sack mit giftigem Peroxid angespült worden. Er stammt wahrscheinlich aus einem der über Bord gegangenen 270 Container. Das Pulver, aus dem Kunststoff hergestellt wird, wurde zur weiteren Untersuchung in ein Labor gebracht.

Größere Mengen Gefahrgut in der Nordsee

Mindestens drei Container mit Gefahrgut waren von dem Riesenfrachter "MSC Zoe" ins Meer gestürzt. Dies sei eine große Gefahr, und zwar nicht nur für die Nordsee und ihre Küsten, warnt Marijke Boonstra, Projektleiterin "Sauberes Meer" bei der Stichting De Noordzee.

"Da treibt jetzt jede Menge Plastik durchs Meer, auch Verpackungsmaterial. Das alles wird durch die starke Strömung bis hoch zum Nordpol mitgenommen. Falls sie nicht bald gefunden werden, platzen die Container mit giftiger, chemischer Fracht auf. Dies ist ein Riesenschaden für die Meeresökologie." Marijke Boonstra

Niederländische Behörden haben die Registernummern der drei mit Gefahrgut beladenen Container inzwischen veröffentlicht. Wer sie entdeckt, soll die Notrufnummer 112 anrufen. Durch Sturm und hohen Wellengang waren die teils zu acht übereinander gestapelten Container am Donnerstag vom Riesenfrachter "MSC Zoe", eines der größten Containerschiffe der Welt, über Bord gegangen.

Vorwürfe an Schiffsbesatzung

Umweltexpertin Boonstra sieht auch eine Mitverantwortung von Reederei und Schiffsbesatzung: "Dieses Schiff ist gefahren, obwohl ein starker Sturm tobte – und hat trotzdem das Risiko der Weiterfahrt auf sich genommen."

Es komme schon mal vor, dass bei heftigem Wellengang bis zu fünf Container ins Meer stürzten. Weltweit dürften es insgesamt bis zu 1.500 Container pro Jahr sein, die ins Meer fallen. Dieser Vorfall, bei dem 270 Container auf einmal über Bord gingen, sei aber außergewöhnlich und besorgniserregend, sagte Boonstra.

Umweltminister bringt Sender für Container ins Spiel

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) forderte Konsequenzen aus der Havarie. Es stelle sich die Frage, wie Dutzende Container von dem Schiff über Bord gehen konnten und ob menschliches Versagen vorliege, sagte Lies dem Sender Radio ffn.

Angesichts der Schwierigkeit, die verlorenen Container im Meer zu orten, stelle sich die Frage nach einer Vorsorge. Denkbar sei es beispielsweise, zumindest Gefahrgut-Behälter mit Sendern auszustatten, um ein möglichst schnelles Auffinden zu ermöglichen, sagte der Minister. Zudem müsse künftig dafür gesorgt werden, dass Gefahrgut-Container auf Frachtern an Stellen gelagert werden, wo sie einem möglichst geringen Risiko ausgesetzt seien.

Run auf Strandgut: Stühle, Fernseher, Kinderkleidung, Glühbirnen

Einige Container mit Gebrauchsgütern sind schon aufgeplatzt, Stühle, Fernseher, Kinderkleidung und Glühbirnen wurden angespült. Auf den Inseln von Texel über Ameland bis Terschelling hat unter Bewohnern und Touristen eine regelrechte Jagd auf Treibgut eingesetzt.

Auch Verpackungsmüll wird immer wieder bis in die Dünen geweht. Jetzt haben sich auch niederländische Soldaten zu den Inseln aufgemacht, um beim Aufräumen zu helfen.

Darf man angespültes Strandgut behalten?

Ob man Strandgut behalten darf, ist übrigens weltweit unterschiedlich geregelt. In den Niederlanden ist es nicht strafbar. Nur geschlossene Container dürfen nicht geöffnet werden.

Wer in Deutschland angespülte Gegenstände mitnimmt, riskiert eine Anzeige wegen Fundunterschlagung. Denn nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch müssen Fundsachen im Wert von mehr als zehn Euro dem Eigentümer oder der zuständigen Behörde gemeldet werden.