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Nach Brexit: Der komplizierte Frachtverkehr zwischen GB und EU | BR24

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Wartender LKW an der Grenze zu Großbritannien

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    Nach Brexit: Der komplizierte Frachtverkehr zwischen GB und EU

    Der Brexit ist eingeleitet und befindet sich in der Umsetzung. Ganz praktisch gibt es aber im Alltäglichen massive Probleme : Auch drei Wochen nach dem Jahreswechsel stehen vor allem Logistiker und Fährunternehmen vor großen Schwierigkeiten

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    Von
    • Thomas Spickhofen

    Boris Johnson war ganz in Brexit-Hochform, damals im November 2019 bei einem Treffen mit nordirischen Unternehmern. Einer von ihnen fragte den Regierungschef: "Was mache ich, wenn es trotz aller Versprechen Zollformalitäten geben wird?" Ganz einfach, antwortet Johnson. "Wenn jemand das von Ihnen verlangt, dann sagen Sie ihm, er soll den Premierminister anrufen. Und ich werfe das dann in den Papierkorb."

    Harte Realität fühlt sich an wie eine Rückversetzung in die 80er Jahre

    "Leider machen wir jetzt, in Woche drei nach dem Brexit-Tag, ganz andere Erfahrungen", sagt Nick Allen vom Verband der fleischverarbeitenden Industrie. "Es ist, als wären wir wieder in den 80er Jahren. Unsere Fahrer sind mit ganzen Koffern voller Formulare unterwegs. Das ist alles nicht anständig digitalisiert. Und dann stimmt da hier mal eine Größe nicht, da ein Gewicht nicht, oder Worte sind nicht richtig angekreuzt oder durchgestrichen."

    Im Moment ist der Güterverkehr zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich vergleichsweise gering. Vor dem Brexit-Tag haben viele Unternehmen Lagerbestände aufgebaut und warten erstmal ab, wie sich die Dinge entwickeln. Die, die es probieren, sagen: Es ist kompliziert. Zum Beispiel mit dem Papierkram rund um die Gesundheitszertifikate für unser Fleisch, erklärt Nick Allen.

    Jedes einzelne Produkt ist zu prüfen

    "Ein offizieller Veterinär muss jedes einzelne Produkt im Frachtraum durchgehen, ob das jeweilige Zertifikat vorliegt. Das muss er alles per Hand eintragen. Dann muss er das stempeln, für verschiedene Zertifikate in verschiedenen Farben. Und wenn ich das von England nach Frankreich und nach Deutschland transportiere, muss das in allen drei Sprachen vorliegen und gestempelt werden. Ich habe letztens ein Beispiel in die Hand bekommen, da waren mehr als fünfzig verschiedene Stempel drauf."

    200 Pfund für Dokumente für Schokoladenkugeln

    Howard Wong stellt sehr populäre Schokoladenkugeln her, vor allem für Kunden in Frankreich und Deutschland. Diese Zertifikate, die nun nötig sind, sagt Wong, kosten uns pro Ausfuhr 200 Pfund. "Für jeden einzelnen Export brauchen wir jetzt eine Bestätigung, dass die Milch, die wir verwenden, ok ist. Das kostet im Jahr 50.000 Pfund extra."

    Auf den großen Frachtrouten findet im Moment höchstens halb so viel Verkehr statt wie früher, sowohl in Dover wie auch im zweitgrößten Hafen Holyhead an der walisischen Küste Richtung Irland. Simon Palmer vom Fähren-Betreiber Stena Line befürchtet, dass das auch so bleibt. "Leider müssen wir diese Fähre jetzt von der Route Dublin-Holyhead runternehmen und auf Dublin-Cherbourg setzen. Das ist das erste Mal, dass wir das machen. Wir müssen dahin, wo der Frachtverkehr stattfindet."

    Schokoladenkugel-Hersteller Howard Wong hat extra zwei Leute eingestellt, die sich jetzt nur um den neuen Papierkram kümmern. Wir werden damit zurecht kommen, sagt Wong. Aber: "Ich warte immer noch auf die positiven Effekte des Brexits", sagt Wong, und fügt hinzu "ich befürchte: So bald werden wir die nicht sehen."

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