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Nach Brand in Moria: Neues Lager an Kapazitätsgrenze | BR24

© dpa-Bildfunk/Panagiotis Balaskas

Nach Brand in Moria: Neues Lager an Kapazitätsgrenze

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Nach Brand in Moria: Neues Lager an Kapazitätsgrenze

Knapp 13.000 Menschen waren durch den Brand im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos obdachlos geworden - 9.000 von ihnen sind inzwischen im neu errichteten Übergangslager untergekommen. Das ist jetzt fast voll: Platz für alle gibt es nicht.

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Das nach dem Brand im Flüchtlingslager Moria errichtete Übergangslager auf der griechischen Insel Lesbos ist nahezu voll belegt. 9.000 Flüchtlinge seien mittlerweile in der für maximal 10.000 Menschen ausgelegten Zeltstadt untergebracht, erklärte das griechische Migrationsministerium. Durch den Brand in der Nacht vom 8. auf den 9. September waren nach offiziellen Angaben allerdings 12.700 Menschen obdachlos geworden.

Alle im neuen Lager untergekommenen Migranten seien registriert und auf das Coronavirus getestet worden, berichtete die griechische Nachrichten-Agentur ANA-MPA. Bisher seien die Tests bei 213 Menschen positiv ausgefallen. Die Infizierten würden in einem abgetrennten Teil des Lagers isoliert.

Unter Druck ins neue Camp

Unmittelbar nach dem Großbrand in Moria hatten Tausende Menschen am Straßenrand, auf Parkplätzen und sogar auf einem Friedhof unter notdürftig errichteten Schutzdächern oder in Zelten campiert - ohne jegliche Infrastruktur wie Toiletten oder fließendes Wasser. Vor einer Woche begannen die griechischen Behörden dann mit UN-Unterstützung mit der Errichtung eines neuen Lagers auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz in der Nähe des Hafens der Inselhauptstadt Mytilene.

Viele der Migranten weigerten sich aber zunächst, in das neue Camp zu gehen, weil sie fürchten, dort erneut monatelang unter katastrophalen Umständen festzusitzen. Im vor dem Brand bereits weitgehend abgeriegelten und völlig überfüllten Lager Moria hatten viele Migranten bereits seit Monaten oder sogar über einem Jahr auf ihren Asylentscheid gewartet. Die Polizei erhöhte schließlich den Druck, um die Menschen zum Wechsel in das neue Zeltlager zu bewegen. Die Behörden drohten, die Asylanträge derjenigen, die nicht in das neue Lager ziehen wollten, nicht zu bearbeiten.

Inzwischen seien die Straßen, auf denen die Migranten seit dem Großbrand gelebt hatten, wieder frei für den Verkehr, berichtete das Insel-Onlineportal "Sto Nis". Ab Montag würden auch die umliegenden Geschäfte wieder öffnen, die in den vergangenen Tagen geschlossen waren.

UNHCR: Lager ist "Übergangslösung"

Das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) unterstützt das neue Lager "als Übergangslösung". Für eine langfristige Unterbringung der Flüchtlinge sei es aber nicht geeignet. Die griechischen Behörden müssten die Zukunft des Standortes klären, so das Flüchtlingswerk.

Die Migranten fordern, die Insel verlassen zu dürfen. Dies unterstützen auch humanitäre Organisationen. Athen hält sich aber an das Abkommen der EU mit der Türkei vom Jahr 2016. Demnach müssen alle Migranten auf den Inseln bleiben, bis ihr Asylverfahren abgeschlossen ist. Wer kein Asyl bekommt, muss in die Türkei zurück. Mit Verweis auf Corona nimmt die Türkei aber seit Monaten keine Migranten mit abgelehnten Asylanträgen mehr zurück.

Die griechische Regierung hatte alle Flüchtlingslager im Land Mitte März wegen der Corona-Pandemie weitgehend abgeriegelt. Das UNHCR und Menschenrechtsaktivisten kritisierten wiederholt, dass die Corona-Maßnahmen im Rest des Landes sukzessive zurückgenommen wurden, die strikten Regeln für Flüchtlingslager jedoch bestehen blieben. Wegen der desolaten Situation gab es in Moria in den vergangenen Jahren immer wieder Unruhen, Aufstände und Brandstiftungen. Auch am vergangenen Mittwoch wurde das Feuer mutmaßlich von Migranten verursacht. Sechs Männer wurden deshalb festgenommen.

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Nach dem verheerenden Brand im Flüchtlingslager Moria hat sich die Situation der Flüchtlinge nicht verbessert. Und das darf sie auch nicht, meinen viele! Warum? Na weil das Feuer erpresserischen Charakter hatte. Natürlich.