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Nach Blutbad in Kanada: Behörden befürchten weitere Opfer | BR24

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Bei dem Amoklauf in der kanadischen Provinz Nova Scotia gibt es mindestens 19 Todesopfer. Weil der Täter mit in einer Polizei-Uniform und einem polizei-ähnlichen Fahrzeug unterwegs war, konnte er erst nach mehreren Stunden gestoppt werden.

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Nach Blutbad in Kanada: Behörden befürchten weitere Opfer

Nach der schlimmsten Gewalttat in der Geschichte Kanadas mit 19 Toten geht die Spurensuche in der Provinz Nova Scotia weiter. Dabei könne sich die offizielle Opferzahl noch erhöhen.

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Am Tag nach dem blutigsten Amoklauf in der Geschichte seines Landes, hatte auch Premierminister Justin Trudeau mehr Fragen als Antworten:

"Die Menschen fragen sich zu Recht: Was ist passiert und wie konnte das geschehen? Die Ermittlungen laufen und ich kann Ihnen versichern, dass unsere Polizei in den kommenden Tagen Einzelheiten in bekanntgeben wird, sobald sie das kann." Justin Trudeau, kanadischer Premier

Bis jetzt steht noch nicht einmal fest, wie viele Menschen bei dem 14-stündigen Blutbad in der kanadischen Provinz Nova Scotia getötet worden sind.

Noch immer seien nicht alle 16 Tatorte abschließend untersucht worden, sagt Chris Leather von der örtlichen Polizei: "Das hat den Grund, dass es an fünf Tatorten gebrannt hat - meistens Häuser. Und wir befürchten, dass unter den Trümmern noch Leichen begraben sind. Die Untersuchungen laufen noch. Das ist der Grund, warum wir bislang keine endgültige Zahl haben. Wir erwarten, dass sie in den kommenden Tagen noch steigen wird."

Beziehung zu Opfern

Inzwischen sind sich die Ermittler sicher, dass der Täter keine Komplizen und den Amoklauf geplant hatte. Berichte, wonach zu den ersten Opfern die Partnerin des Mannes gehörte, will Leather nicht bestätigen. Aber:

"Es gab eine Beziehung zu manchen der Opfer - oder ich sollte besser sagen, der Mann kannte einige seiner Opfer. Einige aber auch nicht." Chris Leather, Superintendent

Die Beamten waren in der Nacht zum Sonntag wegen Schüssen in einer Kleinstadt 130 Kilometer nördlich der Provinzhauptstadt Halifax alarmiert worden. Dort fanden sie die ersten Leichen - aber keine Spur von dem Täter, der bei seiner mehr als 100 Kilometer langen Flucht eine blutige Spur durch das nördliche Nova Scotia hinterließ.

Täter in Uniform

Polizist Leather sagte dazu: "Dass er sich so lange unentdeckt in der Provinz bewegen konnte, hat vor allem damit zu tun, dass er mit einem Wagen unterwegs war, der einem Polizeiauto täuschend ähnlich sah. Hinzu kommt, dass er eine Polizeiuniform trug, die entweder eine gute Kopie war oder tatsächlich eine Polizeiuniform."

Erst Sonntagmittag gelang es der Polizei, den Flüchtigen an der Tankstelle nördlich von Halifax zu stellen. Bei dem Zugriff wurde der Mann getötet.

Es handelt sich um einen 51 Jahre alten Zahntechniker, der Polizeidevotionalien gesammelt hat, aber entgegen erster Berichte bei den Behörden nicht aktenkundig war, sagte Kanadas Oberste Polizeichefin Brenda Lucki:

"Soweit wir wissen, war der Mann nicht auf unserem Radar. Wir untersuchen jetzt, warum er all diese Sachen hatte. Das meiste waren Nachahmungen, wie das Auto. Aber das sah täuschend echt aus. Wir versuchen jetzt herauszufinden, wie das passieren konnte. Das gleiche gilt für die Uniformen." Brenda Lucki, Commissioner

Schärferes Waffenrecht

Unklar ist auch, mit welchen Waffen der Mann auf seine Opfer geschossen hat - und ob er im Besitz eines Waffenscheins war.

Der zuständige Minister im Kabinett, Trudeau Blair, kündigte aber bereits eine weitere Verschärfung des - im Vergleich zu den USA - ohnehin strengen Waffenrechts an.

"Unser Ziel ist es, militärische Sturmgewehre zu verbieten. Außerdem wollen die die Gesetze zur Aufbewahrung von Waffen verschärfen, um zu verhindern, dass sie in falsche Hände geraten. Und wir wollen den Waffenschmuggel über die Grenzen stärker bekämpfen." Trudeau Blair, Minister