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Nach Auftritt in Den Haag: Rohingya empört über Suu Kyi | BR24

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Es habe in Myanmar keine gezielte Gewalt an Rohingya gegeben, beteuerte De-facto-Regierungschefin Suu Kyi in Den Haag. Tausende Kilometer entfernt, in Bangladesch, entrüsten solche Aussagen die Rohingya-Flüchtlinge.

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Nach Auftritt in Den Haag: Rohingya empört über Suu Kyi

Es habe in Myanmar keine gezielte Gewalt an Rohingya gegeben, beteuerte De-facto-Regierungschefin Suu Kyi in Den Haag. Tausende Kilometer entfernt, in Bangladesch, entrüsten solche Aussagen die Rohingya-Flüchtlinge.

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Mit Empörung verfolgten die Rohingya im Flüchtlingslager von Coxs Bazar, im Süden von Bangladesch, im Fernsehen das Verfahren vor dem Den Haager Internationalen Gerichtshof. Als Myanmars faktische Regierungschefin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi behauptete, in dem Land habe es keine gezielte Gewalt gegen die Rohingya gegeben, brach Tumult in der Wellblech-Hütte mit dem Fernseher aus, wie auf Filmmaterial der Nachrichtenagentur Reuters zu sehen war.

"Alles Lüge!", schimpfte Nurul Haque, ein alter bärtiger Rohingya, der wie Hunderttausende andere im Jahr 2017 vor der Gewalt der Soldaten von Myanmar aus seiner Heimat geflohen war. "Die lügt doch. Die Soldaten haben unsere Leute getötet und gefoltert haben sie uns."

Suu Kyi: Muslime nicht Teil des Konflikts

Suu Kyi habe nur Angst, wieder ins Gefängnis zu kommen, wo sie früher jahrelang war, sagte ein anderer politischer Flüchtling, Shamsul Alam. "Wir haben so viel gelitten. Wir flehen die Vereinten Nationen an, helft uns, damit wir endlich Gerechtigkeit bekommen."

Suu Kyi hatte in ihrer Rede vor dem Internationalen Gerichtshof alle Vorwürfe gegen Myanmar zurückgewiesen. "Im Rakhine-Staat gibt es einen regionalen Konflikt zwischen den Arakan-Rebellen und den Streitkräften von Myanmar." Muslime seien nicht Teil dieses Konflikts, "aber es kann sein, dass sie, wie andere Zivilisten auch, von den Kämpfe und Sicherheitsmaßnahmen betroffen sind".

"Das Recht wird sich auf Beweise stützen"

Mohammed Mohibullah, der Vorsitzende des Friedensrates der Rohingya im Flüchtlingslager Coxs Bazar warf der Friedensnobelpreisträgerin vor, mit abgedroschenen Phrasen die Wahrheit zu verdrehen. "Die Beweise für einen Völkermord liegen der ganzen Welt vor, auch dem Internationalen Gerichtshof." Ein Verbrecher werde immer behaupten, er habe kein Verbrechen begangen. "Aber das Recht wird sich auf Beweise stützen."

Im August 2017 waren innerhalb kurzer Zeit Hunderttausende Rohingya vor der brutalen Gewalt der Armee in Myanmar geflohen. Mindestens 10.000 Menschen sollen dabei ums Leben gekommen sein. Mehr als 700.000 Angehörige der muslimischen Minderheit leben seitdem in Flüchtlingslagern in Bangladesch. Die Regierungen der beiden Länder haben bereits mehrfach eine Rückkehr der Flüchtlinge vereinbart, auf freiwilliger Basis. Doch die Rohingya lehnen dies ab.