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Nach Anschlägen 2019: Sri Lankas Kirchen wollen Aufklärung | BR24

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Eine Frau trauert um ihre Angehörigen.

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    Nach Anschlägen 2019: Sri Lankas Kirchen wollen Aufklärung

    Zwei Jahre nach den Osteranschlägen machen Sri Lankas Kirchengemeinden Druck: Sie werfen der Regierung vor, Warnhinweisen nicht nachgegangen zu sein - und drohen mit Protestaufrufen.

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    Von
    • Sibylle Licht
    • tagesschau.de

    Auch zwei Jahre nach dem Selbstmordanschlag auf die Zionskirche in Batticaloa an der Ostküste Sri Lankas sind die Wunden der freikirchlichen Gemeinde nicht verheilt: 31 Mitglieder der Gemeinde starben am Ostersonntag 2019, darunter viele Kinder. 86 Gemeindemitglieder wurden schwer verletzt. Einige konnten bis heute nicht in ihr gewohntes Leben zurückkehren.

    Eine Gruppe von Terroristen verübte damals Selbstmordanschläge auf Kirchen und Luxushotels in Sri Lanka. Insgesamt 269 Menschen wurden getötet, mehr als 300 weitere verletzt. Die meisten Opfer gab es an der Westküste in der Hauptstadt Colombo und in Negombo, 20 Minuten entfernt. Die Ermittlungen durch Sri Lankas Behörden zogen sich fast zwei Jahre hin. Erst im Februar 2021 wurden die Ermittlungen abgeschlossen. Der Untersuchungsbericht ist noch immer nicht veröffentlicht.

    Kirche droht mit Streikaufrufen

    Das Komitee für Gerechtigkeit der Erzdiözese von Colombo verlangt jetzt in einem offenen Brief, den damaligen Präsidenten Maithripala Sirisena und weitere Regierungsmitglieder vor Gericht zu stellen. Sirisena selbst hatte die Untersuchung der Anschläge in Auftrag gegeben. Der Bericht zeige klar, so heißt es in dem Brief, dass Sirisena und Sri Lankas Geheimdienstverantwortliche präzise Informationen 17 Tage vor den Attentaten erhalten hätten. Die kamen aus Indien. Doch Sirisena habe nichts getan, um die Selbstmordanschläge zu verhindern.

    "Die Verantwortlichen müssen ohne Ansehen der Person unverzüglich zur Verantwortung gezogen werden", sagt Erzbischof Malcolm Kardinal Ranjith dazu. Falls weiterhin nichts geschehe, werde die katholische Kirche noch im April zu landesweiten Protesten aufrufen. Zwölf Kirchenführer des Landes haben den Brief unterzeichnet.

    Hinweise an die Regierung - ohne Folgen

    Nur 15 Minuten von der Zionskirche in Batticaloa lag das Hauptquartier des Anführers der Selbstmordattentäter, Zahran Hashim. In dem von ihm neu erbauten Gemeindezentrum mit Moschee in Kattankudy traf Hashim Vertraute und Gefolgsleute. Von hier aus organisierte und leitete er offenbar sein islamistisches Netzwerk. Als Finanzier gilt ein reicher und mit der Regierung bestens vernetzter Gewürzhändler aus Colombo. Seine beiden Söhne sollen sich mit Hashim getroffen und ihn logistisch bei den Vorbereitungen der Attentate unterstützt haben.

    Im Bekenner-Video posierte die Gruppe um Hashim vor der Fahne des sogenannten Islamischen Staates. Eindeutige Belege für die Verbindung mit dem internationalen Terrornetzwerk liegen bisher nicht öffentlich vor. Hashim selbst kam nach Regierungsangaben bei den Anschlägen ums Leben, als er sich in Colombos Shangri-La-Hotel in die Luft sprengte.

    Die muslimische Sufi-Gemeinde Kattankudys hatte immer wieder vor Hashim und seinen Gefolgsleuten gewarnt. Die Hinweise gingen sowohl an den Provinzgouverneur als auch an die Regierung in Colombo. Doch es passierte nichts. Hashim organisierte Überfälle auf die Sufi-Gemeinde. Er beschuldigte sie, den Koran falsch auszulegen.

    Anschlags-Netzwerk war noch lange aktiv

    Bis heute ist unklar, wie groß Hashims Netzwerk war. Allein die Zahl der insgesamt 200 Verdächtigen lässt aber auf die Dimension Rückschlüsse zu. Ein Jahr nach den Anschlägen war das Netzwerk immer noch aktiv. Roshan Mahesan, der Pfarrer der Zionskirche in Batticaloa, musste für seine Gottesdienste Polizeischutz anfordern. Er wurde von den Sicherheitsbehörden gewarnt, auch persönlich wachsam zu sein. Die Justizbehörden der USA handelten schneller: Sie haben jetzt drei Männer aus Sri Lanka wegen Terrorismus-Verdachts und der Vorbereitung von Selbstmordattentaten angeklagt, bei denen fünf Landsleute starben. Die drei Angeklagten sitzen im Gefängnis in Sri Lanka. Die einheimischen Behörden haben bisher kein einziges Verfahren eröffnet.

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