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Nach Angriff auf Sohn von Weizsäcker: Polizist erneut operiert | BR24

© dpa-Bildfunk/Paul Zinken

Ein Toter nach Messerstichen in Berliner Privatklinik

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    Nach Angriff auf Sohn von Weizsäcker: Polizist erneut operiert

    Ein Polizist, der beim tödlichen Angriff auf Fritz von Weizsäcker verletzt wurde, ist nach Polizeiangaben erneut operiert worden. Der 33-Jährige, der privat bei dem Vortrag war, hatte versucht, den Arzt zu retten. Er wurde dabei schwer verletzt.

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    In den ersten Meldungen zu der Tat hieß es noch: "Ein Mann habe noch dazwischen gehen wollen und sei dabei schwer verletzt worden." Später stellte sich heraus: Der "Mann", der versuchte den Angreifer zu überwältigen, war selbst Polizist. Er war offenbar privat und zufällig auf dem Vortrag zu Lebererkrankungen gewesen, den Fritz von Weizsäcker, Chefarzt der Inneren Medizin der Berliner Schlossparkklinik, am Dienstagabend ebendort hielt.

    Als ein Unbekannter aus dem Publikum heraus mit einem Messer auf den Vortragenden losging, ging der Polizist dazwischen, doch für den 59 Jahre alten von Weizsäcker kam jede Hilfe zu spät. Und auch für den Polizisten, den einige Medien inzwischen als Helden bezeichnen, hatte der Vorfall gravierende Folgen: Er kam nach der Tat ins Krankenhaus. Nun musste er offenbar ein zweites Mal nachoperiert werden. Das teilte ein Polizeisprecher am Donnerstag mit. Der Beamte sei aber nicht in Lebensgefahr. Es gehe ihm "den Umständen entsprechend", so der Polizeisprecher.

    Eingreifen verdient den "allergrößten Respekt"

    Sein Eingreifen verdiene "allergrößten Respekt", betonte die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Berlin. Man hoffe, dass sowohl seine schweren körperlichen als auch die seelischen Wunden "schnellstmöglich und vor allem vollständig verheilen".

    Der Angreifer, ein 57-Jähriger aus Rheinland-Pfalz, wurde unmittelbar nach der Tat festgenommen. Er habe angegeben, die Tat geplant zu haben, hieß es. Im Internet sei er auf den Vortrag des Chefarztes in der Schlosspark-Klinik gestoßen. Der Mann sei am Dienstag mit der Bahn zu der Veranstaltung gefahren. Zuvor habe er noch in Rheinland-Pfalz ein Messer gekauft, um damit die Tat zu begehen.

    Wegen einer akuten psychischen Erkrankung erließ ein Richter am Mittwoch einen sogenannten Unterbringungsbefehl, der Angreifer wurde in eine Psychiatrie gebracht. Welche, sagte die Staatsanwaltschaft nicht. Das Motiv liege in einer "wohl wahnbedingten allgemeinen Abneigung des Beschuldigten gegen die Familie des Getöteten", hieß es von Seiten der Ermittler. Der Angreifer war zuvor nicht mit Straftaten in Erscheinung getreten.

    Debatte über Zugang zu Kliniken

    Zwei Tage nach der Tat stellt sich nun die Frage, welche Konsequenzen aus der Tat zu ziehen sind. Müssen Krankenhäuser künftig andere Sicherheitsvorkehrungen treffen? Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) hat in einem Interview mit der Rheinischen Post eine zunehmende Gewalt an deutschen Kliniken beklagt. "Der tödliche Anschlag auf Herrn von Weizsäcker ist eine Extremsituation, die sich in einer offenen Gesellschaft niemals gänzlich ausschließen lässt", sagte Gerald Gaß der in Düsseldorf erscheinenden Zeitung.

    Davon zu unterscheiden seien Fälle von Gewalt in den Kliniken im Bereich Pflege und Medizin, die "leider in den letzten Jahren zugenommen" hätten. Körperliche und verbale Angriffe stellten ein Problem dar, für das es keine einfachen Lösungen gebe. "Es ist heutzutage keine Seltenheit mehr, dass beispielsweise Notaufnahmen Sicherheitsdienste beschäftigen", erläuterte Gaß.

    Gewalttätige oder randalierende Patienten und Besucher könnten ein Hausverbot erhalten, das gegebenenfalls mit Unterstützung der Polizei durchgesetzt werde. Für psychiatrische Abteilungen gebe es zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen.

    "Ein hochintellektueller, dem Zeitgeist kritisch gegenüberstehender, unterhaltsamer und bodenständiger Mensch "

    Das Verbrechen löste auch in der Fachwelt Bestürzung aus. "Es ist ein großer Schock und erfüllt mich mit großer Trauer, dass ein hochintellektueller, dem Zeitgeist kritisch gegenüberstehender, unterhaltsamer und bodenständiger Mensch und Arzt wie Fritz von Weizsäcker nicht mehr unter uns weilt", schrieb sein Medizinerkollege Michael Geißler, Sohn von CDU-Politiker Heiner Geißler, in einem Nachruf in der Welt. Viele erfolgreiche Wissenschaftler und Ärzte seien von ihm klinisch und akademisch geprägt worden.