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Mutmaßliche Epstein-Opfer äußern sich | BR24

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In New York sprachen mutmaßliche Epstein-Opfer vor Gericht.

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Mutmaßliche Epstein-Opfer äußern sich

Es war eigentlich nur ein routinemäßiger Termin, um im Fall Epstein, der vor zwei Wochen Selbstmord begangen hatte, die Akten zu schließen. Doch der Richter gab den mutmaßlichen Opfern das Wort.

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Die meisten Frauen gingen wortlos an den wartenden Journalisten vorbei. Eine der wenigen, die sich vor laufender Kamera äußern wollte, war Jennifer Araoz. Sie sei als 15-jährige von Jeffrey Epstein vergewaltigt worden. Ein harter Weg liege noch vor ihr: "Ich will mich bei allen bedanken, die in dieser schwierigen Zeit für mich da sind. Es hat gut getan, im Gerichtssaal auch andere Opfer zu hören. Viele ähnliche Geschichten, wie ich sie auch erlebt habe. Vor allem möchte ich aber dem Richter danken, dass er uns die Möglichkeit gegeben hat, auf diese Weise mit dem Fall abzuschließen."

Bundesrichter Richard Berman hatte sich Ende vergangener Woche entschieden, zu dem Routinetermin heute auch alle mutmaßlichen Opfer Epsteins einzuladen. Eigentlich sollte es nur darum gehen, nach dem Tod des Millionärs die Akten offiziell zu schließen - denn gegen Tote kann nicht ermittelt werden. Und so wurde der Tag unverhofft zu einem Tag der mutmaßlichen Opfer.

Außergewöhnliche Entscheidung des Richters

"Ich will nur eins sagen: Dieser Tag gibt uns Kraft und Stärke." Das sagt eine junge Frau, die zusammen mit der Anwältin Gloria Allred vor die Mikrofone getreten ist. Mehr als ein Dutzend Frauen nutzen heute die Gelegenheit, sich selbst vor Gericht zu äußern. Andere ließen von Allred ihre Aussagen verlesen: "Sie waren alle sehr glücklich, dass das Gericht ihnen diese einmalige Möglichkeit gegeben hat, angehört zu werden. Ich selbst war völlig überrascht, als der Richter anrief. Das ist mir in meiner gesamten 43-jährigen Laufbahn noch nicht passiert. Wir sind alle sehr glücklich, dass wir diese Möglichkeit hatten."

Einige der mutmaßlichen Opfer brachten vor Gericht aber auch ihre Wut zum Ausbruck, dass es nun nicht mehr zu einem Prozess kommen wird. Epstein sei ein Feigling, sagte eine Frau, die nach eigenen Angaben 14 war, als sie von dem New Yorker Millionär vergewaltigt wurde.

Weiter Fragen nach Epsteins Tod

Epstein soll Dutzende junge Mädchen missbraucht und einen Missbrauchsring für Minderjährige aufgebaut haben. Am 10. August war er tot in seiner Gefängniszelle aufgefunden worden. Die Behörden gehen von Selbstmord aus, aber Anwältin Allred fordert weitere Untersuchungen: "Offenbar war eine Überwachungskamera ausgefallen. Und das wirft natürlich Fragen auf: Wie lange war die schon kaputt? Warum ist das nicht repariert worden? Ist alles nur Inkompetenz oder steckte vielleicht Absicht dahinter? Wir warten jetzt auf Untersuchungsergebnisse."

Epsteins Anwälte stellen das Obduktionsergebnis offen in Frage. Die Verletzungen ihres Mandanten ließen eher auf Totschlag als auf Selbstmord schließen.

Ermittlungen sollen weitergehen

Opfer-Anwältin Allred ist es jetzt jedoch vor allem wichtig, dass die Ermittlungen gegen Mitwisser und Helfer Epsteins weitergehen: "Diejenigen, die diese minderjährigen Mädchen im Auftrag von Epstein rekrutiert haben. Die diese Mädchen dann zu ihm gebracht haben, um seine sexuellen Bedürfnisse und seine Machtbedürfnisse an ihnen zu befriedigen, indem er sie missbraucht hat. Wer wusste davon? Wer gehörte zu dem Sexring? Da muss es viele Mittäter gegeben haben."

Im Visier der Ermittler ist jetzt vor allem die langjährige Partnerin von Epstein, Ghislaine Maxwell.