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RKI-Präsident fordert schärferen Lockdown | BR24

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Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, hat sich besorgt über eine mögliche Ausbreitung der neuen Coronavirus-Varianten in Deutschland geäußert.

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RKI-Präsident fordert schärferen Lockdown

Neuer Höchststand an Corona-Toten innerhalb eines Tages, weiter viele Neuinfektionen und Vormarsch der Virus-Mutationen. Der Präsident des RKI, Lothar Wieler, warnt vor der Ausbreitung der Mutanten und fordert schärferen Lockdown.

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Von
  • Ulrich Trebbin
  • Barbara Kostolnik

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, fordert mit Blick auf die mutierten Coronaviren, auf nicht erforderliche Reisen zu verzichten. Alle bisher aufgetretenen Fälle der neuen Formen seien durch Reisende nach Deutschland gebracht worden, sagt Wieler in Berlin. Bislang gebe es in Deutschland 16 Fälle der in Großbritannien aufgetretenen Form und vier Fälle jener aus Südafrika.

Die Ausbreitung dieser Viren müsse verhindert werden, denn: "Es besteht (...) die Möglichkeit, dass sich die Lage noch verschlimmert." Wieler sprach sich für die "Nachschärfung" der Corona-Maßnahmen aus.

Britisches Virus offenbar ansteckender

Die neue Corona-Variante aus Großbritannien etwa scheint derzeit deutlich ansteckender zu sein als das ursprüngliche Virus. Wissenschaftler gehen zwar bisher davon aus, dass die Mutanten die Wirksamkeit der Impfung nicht wesentlich beeinflussen, aber falls das britische Virus tatsächlich ansteckender sei und sich in Deutschland ausbreite, könne das innerhalb von wenigen Wochen deutlich höhere Fallzahlen zur Folge haben, so der Virologe Christian Drosten in seinem letzten Podcast beim NDR.

Schutzmaßnahmen "wichtiger denn je"

Darum ist die Einhaltung der Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland derzeit "wichtiger denn je", so RKI-Präsident Wieler. Es sei noch nicht abschätzbar, wie sich die auch in Deutschland aufgetretenen Mutationen des Coronavirus verbreiten, sagte Wieler am Donnerstag in Berlin.

Wieler äußerte sich zwar zuversichtlich, dass die Pandemie "am Ende dieses Jahres kontrolliert" sei. Zum jetzigen Zeitpunkt sei es aber wichtig, dass sich alle an die Hygienevorschriften halten. Das Niveau der Zahlen von Neuinfektionen und Toten sei nach wie vor "deutlich zu hoch, jede Infektion ist eine zu viel". Die Menschen sollten also - wann immer möglich - zu Hause bleiben. Dies betreffe auch die Arbeit. Wieler forderte die Arbeitgeber auf, ihre Mitarbeiter noch mehr im Home-Office arbeiten zu lassen.

Bewegungsradius von 15 km um Wohnort bringt wenig

Mobilitätsforscher Dirk Brockmann vom RKI stellt fest, dass ein Radius von 15 km um den Wohnort, wie er in Regionen gilt, die eine Inzidenz von 200 oder höher aufweisen, nicht besonders viel bringt. Bewegungen über 15 km rund um den Wohnort machten nur fünf Prozent der gesamten Mobilität aus. Würde man den Radius verringern, sei der Effekt ungleich stärker. Dadurch gebe es auch weniger Kontakte.

Insgesamt sei die Mobilität der Deutschen im zweiten Lockdown weit höher als im ersten, so Brockmann

Kein 100-Prozent-Schutz in Alten- und Pflegeheimen

Zu Überlegungen, wie man Menschen in Alten- und Pflegeheimen besser schützen könnte, erklärte der Präsident des Robert-Koch-Instituts, einen 100-Prozent-Schutz gebe es nur, wenn Pflegeheime komplett abgeriegelt würden. Und dazu gehöre auch, dass die Angestellten, die in den Heimen arbeiteten, ebenfalls abgeriegelt würden. Die Gesellschaft habe sich aber entschlossen, einen anderen Weg zu gehen.

Weiter hohe Todes- und Fallzahlen

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) sind in Deutschland 1.244 weitere Menschen gestorben, die positiv auf Corona getestet wurden. Das ist ein neuer Rekordwert. Die Zahl der Todesfälle erhöht sich damit auf 43.881. Zudem gibt das RKI 25.164 neue Positiv-Tests innerhalb von 24 Stunden bekannt. Die Gesamtzahl steigt damit auf rund 1.978.590.

Die sogennante Sieben-Tage-Inzidenz gibt das RKI mit 151,2 an. Die Kenngröße liegt deutlich über der Zielmarke von Bund und Ländern, die 50 beträgt. Der Wert gibt an, wie viele Menschen je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen positiv getestet wurden.

Der RKI-Chef betonte, dass das Virus weiter in der gesamten Bevölkerung unterwegs sei, es verbreite sich in allen Altersgruppen, auch bei jungen Menschen. Besonders betroffen: die Altersgruppe der über 80jährigen. Von den rund 5.200 Patientinnen und Patienten, die auf den Intensivstationen wegen Covid-19 behandelt werden, müssten 90 Prozent bei der Atmung unterstützt werden. In zehn Bundesländern seien mehr als 85 Prozent der Intensivbetten belegt, der Mindestpuffer: aufgebraucht.

Leichte Entspannung auf Intensivstationen

Der neue Präsident der Vereinigung der Intensiv- und Notfallmediziner (DIVI), Gernot Marx, äußert sich unterdessen vorsichtig optimistisch über die Entwicklung auf den Intensivstationen in der Corona-Krise. Es sehe so aus, als sei der Höhepunkt bei den intensivpflichtigen Patienten überschritten, sagte er der "Rheinischen Post". Außerdem ist er vorsichtig optimistisch, dass die Feierlichkeiten zwischen Weihnachten und Neujahr nicht wie befürchtet zu einem zusätzlichen Ansteigen der Fallzahlen geführt habe.

Er hoffe, dass sich auch bis zum nächsten Bund-Länder-Treffen am 25. Januar bewahrheite, dass der Lockdown Effizienz zeigt, so Marx. Allerdings könnten die Mutationen des Virus "uns einen Strich durch die Rechnung" machen.

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In Großbritannien breitet sich die Mutation des Coronavirus weiter aus. Der medizinische Chefberater der Regierung warnt, die Versorgung im Krankenhaus könne schon in wenigen Wochen unter der Last an Patienten zusammenbrechen.

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