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Münchnerin in Australien: "Wir haben Glück gehabt" | BR24

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Tausende Menschen mussten bereits vor den verheerenden Feuern fliehen - auch eine Münchnerin, die schon seit 40 Jahren in Australien lebt. Doch sie hatte Glück, ihr Haus steht noch. ARD-Korrespondent Holger Senzel berichtet.

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Münchnerin in Australien: "Wir haben Glück gehabt"

Tausende mussten bereits vor den verheerenden Feuern fliehen. Eine Münchnerin, die seit 40 Jahren in Australien lebt, schildert dem ARD-Korrespondenten Holger Senzel, wie sie einfach nur gerannt ist, Glück gehabt hat und weiterhin in Anspannung lebt.

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Es klingt nach einem friedlichen Morgen auf dem Land, doch es herrscht eher Grabesstille. Verkohlte Baumstümpfe ragen in den Himmel, umwabert von Rauch wie von dichtem Nebel. Die Hauptstraße von Balmoral, einer Gemeinde 100 Kilometer südwestlich von Sydney, hat das Feuer offenbar gestoppt - intakte Siedlungen auf der einen Seite, ausgebrannte Ruinen auf der anderen Seite.

Und dann, plötzlich, zwischen all den geschwärzten Mauerresten, verrußten Balken und von der Hitze verbogenen Trägern, steht da ein kleines Holzhaus wie ein Hexenhaus mit buntbemalten Fensterläden. Inga Schwaiger wohnt hier. Vor fast 40 Jahren ist sie von München nach Australien ausgewandert.

Für den Notfall vorbereitet

Wie die meisten ihrer Nachbarn war sie vor den herannahenden Feuern geflohen. Sie kann es immer noch nicht fassen, dass ihr Haus von den Flammen verschont wurde. "Seek shelter", einen sicheren Unterschlupf aufsuchen, habe die Feuerapp auf ihrem Smartphone gemeldet, erinnert sich Schwaiger.

Dann hätten die Sirenen geheult und sie sei nur noch mit den anderen gerannt. Sie war vorbereitet auf diesen Moment, hatte eine Tasche gepackt für den Notfall. Aber was nimmt man mit aus einem ganzen Leben? Fotoalbum, Papiere, Ausweis, sagt Schwaiger. "Und sonst? Ich hab' mich dann noch mal umgeschaut im Haus und gedacht: 'Das lassen wir jetzt alles hier, das ist alles nichts wert. Solange wir überleben.' Darum geht es."

Viele Häuser sind nicht versichert

Zwei Wochen war Schwaiger bei Freunden untergekommen. In Australien rücken die Menschen zusammen, helfen einander in der Not. Denn es kann jederzeit jeden treffen, dass er alles verliert. Viele Häuser sind nicht versichert, entweder weil die Gesellschaften inzwischen Brandversicherungen verweigern oder die Policen so teuer sind, dass sie sich kaum jemand leisten kann.

Der Tag der Evakuierung, erzählt Schwaiger unter Tränen, der habe sich für immer in ihr Gedächtnis eingebrannt. Sie stehe noch immer unter Schock, sagt sie. "Dabei haben wir Glück gehabt. Es sind 300 Leute in unserem Dorf, viele Häuser sind abgebrannt. Und wenn ich umherfahre, dann muss ich manchmal einfach weinen - so wie jetzt auch. Weil, wenn man sieht, wie es jetzt ausschaut. Das wird Jahre dauern.“

Unberechenbare Naturgewalt

Wirklich erleichtert ist die Wahl-Australierin nicht, dass ihr Haus noch steht. Die Anspannung und die Angst bleiben, denn die Feuer können jederzeit wiederkommen. Durch manche Orte seien sie zwei oder drei mal gerast, weil der Wind sich gedreht hatte. Die Natur in ihrer ganzen furiosen Zerstörungskraft ist für die Bewohner unberechenbar.

"Es ist alles so trocken, es kann jederzeit wieder brennen", stellt sie fest. "Wir sind immer auf Feuer-Watch, jeder schaut, bissel Rauch, und dann sehen wir selbst, ob wir die Feuerwehr anrufen. Es wird nie aufhören, es wird immer wärmer.“ Die Angst teilt Inga Schwaiger mit Tausenden Australiern, die heute nicht wissen, ob es ihr Haus, ihr Dorf, morgen noch gibt.