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Müll in der Ägäis: Sisyphus am Plastikberg | BR24

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Tonnenweise Kunststoffmüll hat sich vor der Insel Andros im Mittelmeer angesammelt. Aktivisten versuchen, den Dreck aus dem Wasser zu holen - angesichts der Menge ein fast aussichtsloses Unterfangen.

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Müll in der Ägäis: Sisyphus am Plastikberg

Tonnenweise Kunststoffmüll hat sich vor der Insel Andros im Mittelmeer angesammelt. Aktivisten versuchen, den Dreck aus dem Wasser zu holen - angesichts der Menge ein fast aussichtsloses Unterfangen.

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Aus der Ferne sieht es für Taucher wie eine bunte, sanft in der Meeresströmung schwingende Unterwasserwelt aus. Aber es sind keine Pflanzen die am Meeresgrund vor der griechischen Insel Andros entdeckt wurden - sondern zig Tonnen Plastikmüll, der sich hier zu einer Art Riff aufgetürmt hat.

"Aegean Rebreath" heißt die Organisation, die mit ihren Tauchern tagelang einen Teil der Tüten und andere Fundstücke ans Tageslicht gezogen haben. Die Unterwasser-Aufnahmen davon sollen wachrütteln. Es ist eine von vielen Aktionen in diesen Sommermonaten, die zeigen welche Unmengen von Plastikmüll auch im meist kristallklaren Wasser der Ägäis schlummern.

Müllkippe im Meer

Mit dabei: die Taucherin Annabella Ross. "Sie müssen sich das unter Wasser wirklich fast so wie eine paradiesische Unterwasserwelt in der Karibik vorstellen. Dort finden sie Korallenriffe in allen möglichen Farben. Hier unten vor Andros sieht es im Prinzip ähnlich aus. Nur, dass es statt Korallen Plastiktüten in ganz unterschiedlichen Farben waren, die wir gefunden haben. Unheimlich war das, es hat mich echt geschockt, als ich das gesehen habe".

Vor der Insel Andros liegt deshalb ganz besonders viel Plastikmüll auf dem Meeresgrund, weil dort im Jahr 2011 eine Müllkippe bei Starkregen nahezu komplett ins Meer gespült wurde. Nur mühsam konnten Meeresschützer von "Aegean Rebreath" den Plastikschrott auftauchen lassen, viele Tüten hatten sich teilweise bereits zersetzt und waren brüchig. "Auch wenn wir 60 Leute gewesen wären und - sagen wir - fünf Tage Zeit gehabt hätten, hätten wir nicht den ganzen Plastikmüll nach oben bringen können", sagt Arabella Ross.

Kaum Unterstützung

Für die Lokalpolitiker oder den Bürgermeister von Andros war die Aktion offenbar eher peinlich - von ihnen gab es keinerlei Rückmeldung, sagt George Sarelakos, der Gründer der griechischen Umweltorganisation. "In Andros haben sich die lokalen Verantwortlichen überhaupt nicht blicken lassen. Sie haben uns auch nicht erklärt, warum acht Jahre nach dem Absacken der Müllkippe ins Meer das Zeug immer noch nicht geborgen wurde. Leider haben wir uns intensiv aber vergeblich bemüht, mit den lokalen Verantwortlichen zu kooperieren. Aber - was gut war - am Ende haben wir genug lokale ehrenamtliche Helfer gehabt."

Dass in Griechenland seit letztem Jahr Plastiktüten in Supermärkten auch nur gegen eine kleine Gebühr zu haben sind, sei ein Schritt in die richtige Richtung, finden die Meeresschützer von "Aegean Rebreath". Von der neuen konservativen Regierung erwarten sie allerdings keinen Rückenwind für ihre Mahn-Aktionen im Meer.

Gefährlich auch für Menschen

Aber, so Sarelakos, auch Griechenland müsse sich an die EU-Vorgaben halten, und bis 2021 bestimmte Einweg-Artikel aus Plastik und anderen Kunststoffen aus dem Verkehr ziehen. "Durch unsere Aktion sollen die Leute lernen, wie wichtig das Leben im Meer ist. Für die Gesellschaft - aber auch für die Wirtschaft. Sie müssen verstehen, dass die Meeres-Umwelt Teil unseres tägliches Lebens ist - und direkt verknüpft ist mit unserer Gesundheit", sagt er

Auch wenn es beim Baden im türkisblauen-Ägäis-Wasser niemand gerne hören will, sagt die Taucherin Annabell Ross, Plastikmüll im Meer sei am Ende auch gefährlich für die Gesundheit des Menschen: "Wir glauben immer gerne, dass das Meer riesig ist und wir einfach was hineinwerfen können, ohne dass sich das irgendwie negativ auswirkt. Aber mit Mikro-Plastik ist es eben leider so, das zieht wie ein Magnet chemische Stoffe an oder Hormone, die im Wasser treiben. Und das geht in den Blutkreislauf der Fische, und ist auch in Fischen, die wir essen, und das ist dann schlicht toxisch für uns".