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Moped-Kuriere in Istanbul: Der tägliche Slalom-Wahnsinn | BR24

© BR/Karin Senz

Während in Deutschland die Paketfahrer die Straßen verstopfen, wird in Istanbul alles mit dem Moped ausgeliefert. Die Folgen sind Massen an Mopeds, die sich durch die Straßen von Istanbul schlängeln - ungeachtet der Verkehrsregeln.

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Moped-Kuriere in Istanbul: Der tägliche Slalom-Wahnsinn

Während in Deutschland die Paketfahrer die Straßen verstopfen, wird in Istanbul alles mit dem Moped ausgeliefert. Die Folgen sind Massen an Mopeds, die sich durch die Straßen von Istanbul schlängeln - ungeachtet der Verkehrsregeln.

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In Istanbul wird fast alles mit dem Moped geliefert, was irgendwie auf ein Moped passt: vom Nagellack über die Tüte Milch oder eine Flasche Putzmittel bis hin zu teurem Schmuck. Dieser unökonomische Lieferservice läuft oft rund um die Uhr, was das Verkehrsproblem der Stadt verschärft. Denn es sind zehntausende Moped-Kuriere im Slalom zwischen den Autos in Istanbul unterwegs, arbeiten sich an den roten Ampeln immer bis zur Poleposition durch und schimpfen auf die Autofahrer.

"Die Autofahrer schauen nur selten in ihre Rückspiegel. Sie kontrollieren nie, ob von hinten jemand kommt. Bei Motorrädern denken die Autofahrer auch: 'Es wird schon da durchfahren können.'" Moped-Kurier in Istanbul

Autofahrer achten nicht auf Mopeds

Der Moped-Kurier sitzt in einer pink-farbenen Jacke auf seinem Moped - die Farben seines Arbeitgebers. Hinten auf dem Gepäckträger hat er die obligatorische Transportbox - ebenfalls in pink. Seit acht Jahren liefert er Essen der verschiedensten Restaurants in Istanbul. Sein Kollege hat noch mehr Erfahrung: Er sitzt seit 25 Jahren auf dem Moped.

"Die Autofahrer sehen uns gar nicht. Da fährt man nah an ihnen vorbei, aber anders geht es eben nicht, man muss die Lieferung rechtzeitig an die Adresse bringen." Moped-Kurier

Tödliche Unfälle mit Mopeds

Andere Verkehrsteilnehmer kritisieren wiederum die Kuriere. Sie hielten sich nicht an Verkehrsregeln und tauchten dann plötzlich hinter den Autos auf, was natürlich gefährlich sei. Schließlich haben die Mopeds keine Knautschzone.

"Ich habe zum Glück nur einige kleine Unfälle erlebt. Aber ich habe Kollegen, die bei Unfällen ums Leben gekommen sind." Moped-Kurier

Diese beiden Kuriere tragen einen Helm. Allerdings hat man den Eindruck, dass die meisten Fahrer ihre Bremsen kaum benutzen: Wenn sie in den engen Gassen mal partout nicht zwischen den Autos durchkommen, weichen sie auch mal auf den Gehsteig aus - und das selten in Schrittgeschwindigkeit. Vielen Fußgängern macht das Angst.

"Letztens wäre ich fast angefahren worden. Es gab Stau, und da ist einer von denen an mir vorbeigedüst." Fußgängerin

Einzelhändler und Kioske haben Einbußen

Neben dem Verkehr ist die Kälte ihr zweiter Feind. Im Winter haben sich viele Fahrer übergroße Handschuhe an den Lenker fest montiert, auf den Schoß legen sie sich einen Kälteschutz. Schließlich müssen sie bei jedem Wetter raus und zu allen Tages- und Nachtzeiten. Denn viele Menschen in Istanbul bestellen so gut wie alles, was sie im täglichen Leben brauchen, auch Kleinigkeiten – und auch mitten in der Nacht.

Leidtragende dieser Praxis sind die Bakals, kleine Kioske, die es in Istanbul an jeder Ecke gibt. Sie haben teilweise bis nachts geöffnet und haben stapelweise Konserven, Packungen an Küchenrollen, Reis, Chipstüten und Toilettenartikel bis unter die Decke. Diesen Kioskbetreibern, Einzelhändlern oder Obsthändlern brechen viele Einnahmen weg, seit ihre früheren Kunden oft im Internet einkaufen - und sich dann eben mit dem Moped beliefern lassen.