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Montagsgebete: Wie Kirchen zum Mauerfall beitrugen | BR24

© picture alliance / Volkmar Heinz/dpa-Zentralbild/ZB

Am 9. Oktober 1989, findet nach dem Montagsgebet in der Nikolaikirche die historische, friedliche Montagsdemonstration statt.

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    Montagsgebete: Wie Kirchen zum Mauerfall beitrugen

    Der 9. November hat sich mit dem Mauerfall ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Als Wendepunkt aber gilt vielen der 9. Oktober 1989, an dem das erste Montagsgebet nach dem 40. Jahrestag der Staatsgründung der DDR in Leipziger Kirchen stattfand.

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    Unvergessen ist der Moment am 9. November 1989, als der damalige Politbürosprecher der DDR, Günther Schabowski, die Grenze zur Bundesrepublik für geöffnet erklärt und sich sofort Hunderte von Trabbis an den Berliner Übergängen sammeln. Dass es dazu kommen konnte, dafür hatten genau einen Monat zuvor mutige Menschen in Leipzig gesorgt. Sie gingen nach dem traditionellen Friedensgebet in der Nikolaikirche zu Zehntausenden auf die Straße. Die Bilder gelangten auf abenteuerliche Weise in den Westen.

    Das erste Montagsgebet einen Monat vor dem Mauerfall

    Vielen gilt deshalb der 9. Oktober als der eigentliche Wendepunkt. Das erste Montagsgebet nach dem 40. Jahrestag der Staatsgründung der DDR, erstmals gleich in und vor mehreren Leipziger Kirchen. Die Sicherheitskräfte stehen bis an die Zähne bewaffnet bereit, einzugreifen. Aber es kommt anders. Möglich, dass auch die schiere Masse von Zehntausenden die Staatsführung dazu bewegt, kein Blutbad anzurichten. Die Wut hat sich vervielfacht.

    Kirchengemeinden bereiten den Boden für die friedliche Revolution

    Die Keime für die friedliche Revolution wurden in den Jahren zuvor gelegt, vielerorts in Kirchengemeinden, wie sich Bürgerrechtlerin Marianne Birthler erinnert:

    "Die Leute hatten in der Kirchengemeinde die Möglichkeit, eine Welt kennenzulernen, die ihnen sonst verschlossen war. Und manche davon haben sich vielleicht am nächsten Tag, wenn sie wieder in ihrem Büro saßen oder wo auch immer sie gearbeitet haben, gefragt, warum ist das eigentlich hier nicht möglich, so freimütig zu diskutieren?" Marianne Birthler, Bürgerrechtlerin

    Für diskussionsfreudige Gläubige braucht es mutige Pfarrer. Rolf Michael Turek ist einer von ihnen. Einer von fünf Pfarrern in Leipzig, die sich der Obrigkeit und sogar dem Bischof widersetzen und ihre Überzeugung leben, eine christliche Kirche habe auch ein politisches Mandat. Sie sind in der Minderheit und müssen sich von ihren eigenen Leuten anhören, sie gefährdeten jahrelange Aufbauarbeit. Aber sie lassen sich nicht beirren, wie Rolf Michael Turek ausführt: "Wir waren der Überzeugung, dass unsere Privilegien, und zwar Räume, Telefon, Druckgeräte zu haben, einfach auch genutzt werden sollten für diese Arbeit. Und so bin ich dann mit Leuten zusammengekommen, die genau wie ich die Gesellschaft verändern wollten, und etwas tun wollten, um hier Verhältnisse zu schaffen, in denen es sich menschenwürdiger lebt."

    9. Oktober war wichtiger Meilenstein

    Dafür war der 9. Oktober ein wichtiger Meilenstein. Die Demonstrationen bleiben friedlich. Die Bürger in Leipzig haben an diesem 9. Oktober Geschichte geschrieben. Und Deutschland für immer verändert.