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Modellversuch: Zeitungszustellung per Drohne | BR24

© Henry Bernhard

Zukunftsmodell Drohnen-Zustellung? Uli Barth vom Europäischen Drohnenzentrum zeigt, wie das gehen soll.

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    Modellversuch: Zeitungszustellung per Drohne

    Die Zeitungsverlage haben ein Problem: die Zustellungskosten sind gestiegen. In Thüringen sollen in diesem Herbst deshalb erstmals Haushalte ihre Tageszeitung per Drohne erhalten. Letzten Dienstag zeigten Drohnen-Tüftler, wie das funktioniert.

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    Von
    • Henry Bernhard
    • Nina Landhofer

    Der kleine Flugplatz Altenburg-Nobitz unweit von Zwickau ist der richtige Platz um Drohnen zu testen, das findet zumindest das dortige Europäische Drohnenzentrum e.V. (EDZ). Der Verein sieht sich als Partner innovativer Forschung und Förderung von Drohnen.

    Das EDZ will zeigen, dass eine Drohne automatisch startet, ein Ziel anfliegt, dort eine Zeitung abwirft und wieder zurückkehrt. Zu dieser Demonstration sind viele gekommen: Bürgermeister aus der Region, Technikfreunde, die Presse, aber auch Christian Eggert vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger: "Ich muss gestehen, dass ich in diesem Jahr schon zum zweiten Mal hier bin, weil wir dieses Drohnenprojekt, Zeitungszustellung durch Drohnen, für ein sehr zukunftsweisendes, ein interessantes Projekt halten".

    Kosten von Zeitungszustellungen sind gestiegen

    Das Problem der Verlage sei, dass die Kosten für die Zustellung von Zeitungen enorm gestiegen sind, vor allem seit der Einführung des Mindestlohns. Außerdem seien Zeitungszusteller immer schwerer zu finden.

    In Städten wären Drohnen natürlich nicht einsetzbar, wohl aber auf dem Land, sagt Eggert: "Also wenn wir 20 Abonnenten in einem Ortskern haben. Und dann ist noch ein Hof, der ist drei Kilometer außerhalb und der Zusteller müsste drei Kilometer hin und drei Kilometer zurück fahren, um ein Zeitungsabonnement zu bedienen. Da ist die Drohne tatsächlich eine interessante Alternative".

    Drohnen sollen auf Wetterbeständigkeit getestet werden

    Bevor die Drohne in die Luft steigt, werden sechs durchsichtige Plastikhülsen in die Fächer unter der Drohne gesteckt. In jede ist eine Tageszeitung gerollt. Die Idee ist, damit zunächst nur wenige, aber entfernte Zeitungsabonnenten anzusteuern.

    Für die Demonstration hat die Drohne ein fiktives Ziel programmiert bekommen: Als die sechs Rotoren aus Karbon zu kreisen beginnen, hebt sie wenige Sekunden später ab, steigt auf etwa 15 Meter, entfernt sich schnell und fliegt den geplanten Kurs.

    Sechs bis zehn Kilometer soll sie momentan schaffen. Das ist sehr vom Wetter abhängig. Wie Drohnen mit Wind, Sturm, Regen, Frost oder Hitze klarkommen, soll in den nächsten Jahren auf dem Flugplatz Altenburg-Nobitz auch unter realen Bedingungen getestet werden. Das Ende des Jahres auslaufende Modellprojekt ist vom Bund mit rund 185.000 Euro gefördert. An ihm sind auch die Funke- und Madsack-Mediengruppe beteiligt.

    Wurfgeschosse, Leitungen, Flugbetrieb: Für Drohnen gibt es Hindernisse

    Der Test auf dem Flugplatz Altenburg-Nobitz endet zumindest erfolgreich: Nach einer größeren Runde nähert sich die Drohne dem festgelegten Abwurfpunkt, sinkt auf zwei Meter Höhe und lässt eine Hülse mit Zeitung fallen. Steigt wieder auf und fliegt zurück zum Startpunkt. Tiefer als zwei Meter soll die Drohne nicht sinken.

    Während eines Drohnenfluges gibt es aber so manche Hindernisse, sagt Uli Barth vom EDZ: "Da habe ich spielende Kinder, da ist vielleicht dann der lange Stecken oder der Apfel aus dem Garten zur Hand. Das Nächste ist der hochspringende Hund oder der neu gepflanzte Kirschbaum".

    Praxistest startet in Ostthüringen

    Auf der Flugroute gibt es ebenso vieles zu beachten: Windkraftanlagen, Hochspannungsleitungen, regulärer Flugbetrieb. Die Drohne selbst schafft sich keinen Weg, sondern folgt einem vorgegebenen Kurs. Und sie muss noch viele rechtliche Hürden überwinden. Etwa drei bis fünf Jahre könnte es dauern, bis eine serienreife Drohne zu einem annehmbaren Preis einsatzfähig sei, um für Verlage Zeitungen zuzustellen, vielleicht aber auch Post, Medikamente, Lebensmittel. In wenigen Wochen soll in Ostthüringen schon getestet werden, wie die Zustellung klappen könnte, unter anderem in Lödla.

    Torsten Weiß, der Bürgermeister von Lödla, sieht die Drohnen-Zustellung als Chance für den ländlichen Raum: "Also Tageszeitung in der Hand zum Frühstück und Kaffee - die Zeitung ist ein Stück Lebensqualität, und das wollen wir unseren Einwohnern quasi erhalten."

    Auch Christian Eggert ist optimistisch, dass die Drohne eine Ergänzung zum normalen Zeitungszusteller sein kann. "Das Modell sieht so aus: Da fährt ein Zusteller mit seinem Fahrzeug in einen Ort, geht in dem Ort seine 10, 15, 20 Abonnenten ab, und zur selben Zeit fliegt die Drohne ihren vorgezeichneten Weg von dem Fahrzeug aus, kehrt wieder zurück. Und die beiden fahren in den nächsten Ort. So kann ich mir das vorstellen."

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