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Tübingen: Auf einer Anzeigetafel an einer Straße nahe der Innenstadt steht "Erst testen, dann shoppen! Testpflicht in Innenstadt".

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Modellversuch in Tübingen: "Öffnen mit Sicherheit" - so läuft's

Das Projekt heißt "Öffnen mit Sicherheit". Und der Titel ist Programm: Seit knapp einer Woche dürfen in Tübingen wieder Kinos, Theater und Restaurants mit Außenbereich öffnen. Voraussetzung: Nur wer ein negatives Schnelltestergebnis hat, kommt rein.

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Von
  • Ines Schneider

Modellstadt Tübingen: Seit knapp einer Woche geht in der Universitätsstadt, was vielerorts in Deutschland noch undenkbar ist. Mit dem Projekt "Öffnen mit Sicherheit" wird schrittweise gelockert. So soll die Gastronomie soweit wie möglich öffnen dürfen, Einkaufen sowie Kino- und Theaterbesuche wieder ermöglicht werden. Die Voraussetzung dafür ist ein negatives Schnelltestergebnis.

Menschen nehmen Projekt in Tübingen sehr gut an

Um das zu ermöglichen, gibt es flächendeckende, präventive Schnellteststationen in Tübingen – an insgesamt acht Stellen in der Stadt. Das Angebot kommt an, es bilden sich sogar hin und wieder Schlangen an den Stationen. Dabei seien die Menschen aber sehr diszipliniert, sagt Daniela Harsch, Bürgermeisterin von Tübingen - und glücklich, Dinge des Alltags wieder wahrnehmen zu können.

Etwa 600 bis 800 Tests werden in Tübingen derzeit täglich an jeder Station durchgeführt, und jeden Tag werden es etwas mehr. Nur sehr wenige Tests waren bislang positiv. Die betroffenen Personen müssen dann einen PCR-Test machen, um das positive Schnelltest-Ergebnis überprüfen zu lassen.

Negativer Schnelltest bringt ein Stück Freiheit zurück

Doch wer negativ getestet wurde, bekommt ein Stück Freiheit zurück, mit dem sogenannten "Tübinger Tagesticket". Das muss dann zum Beispiel beim Shoppen den Verkäuferinnen und Verkäufern vorgezeigt werden oder ist Voraussetzung für einen Kino- oder Restaurantbesuch. Und die Inzidenzwerte geben den Tübingern bislang recht. Durch die schrittweisen Lockerungen sind die Zahlen nicht gleich wieder explodiert. Der Inzidenzwert für die Stadt liegt etwa bei 30, im Landkreis bei rund 70, sagt Daniela Harsch.

Corona-Lockerungen: Modellversuch könnte Vorbild werden

Das Konzept, das weitreichende Corona-Lockerungen erlauben soll, erregt mittlerweile bundesweites Interesse. Denn wenn es Tübingen mit seinen verantwortungsbewussten und gesteuerten Lockerungen tatsächlich gelingt, ein bisschen Normalität in den Alltag zurückzubringen, ohne dass die Infektionszahlen wieder deutlich ansteigen, könnte das Modell ein Vorbild für ganz Deutschland werden.

Auch Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger ist von dem Konzept überzeugt. Im B5-Interview spricht er sich für mehr Schnelltests und einhergehenden Lockerungen aus.

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Bayern Wirtschaftsminister möchte das Tübinger Modellprojekt ausweiten

Was das Testen angeht, ist Tübingen übrigens schon lange Vorreiter. Nicht erst seit dem laufenden Modelprojekt. In Schulen und Kindergärten zum Beispiel.

"Wir testen schon seit Anfang Februar, seit der Rückkehr in den Präsenzunterricht Lehrerinnen und Lehrer zweimal die Woche, Kita-Mitarbeiterinnen und Kita-Mitarbeiter zweimal die Woche und alle Schülerinnen und Schüler, die im Präsenzunterricht sind." Daniela Harsch Bürgermeisterin von Tübingen

Finanzierung steht - Stadt geht für Tests in Vorleistung

Noch im Herbst ist die Stadt für die Finanzierung der Tests in Vorleistung gegangen, erzählt Daniela Harsch. Außerdem wurde ein Teil durch das Deutsche Rote Kreuz und ein weiterer Teil spendenfinanziert. Und inzwischen ist daraus eine Mischform geworden.

"Wir schauen tatsächlich welche Tests wir wie abrechnen können. Ein Teil wird über das sogenannte baden-württembergische Corona-Schulbudget abgerechnet, also was die Schulen betrifft, ein Teil wird städtisch finanziert und von einem Teil hoffen wir, dass wir es dann über das angekündigte Budget für die wöchentlichen Tests für Bürgerinnen und Bürger des Bundes abrechnen können." Daniela Harsch Bürgermeisterin von Tübingen

Daniela Harsch ist vom Tübinger Projekt überzeugt

Von ihrem Modellprojekt ist die Tübinger Bürgermeisterin absolut überzeugt, vor allem auch deswegen, weil sie momentan keine andere Lösung sieht. "Ich sehe es eigentlich als einzige mögliche Strategie, es so zu machen, wie wir das machen. Und das nicht, weil Tübingen anderen die Welt erklären will, sondern weil ich wirklich keine andere Idee habe bei den schleppenden Impfzahlen, wie es sonst gelingen kann", sagt sie im B5 Thema des Tages.

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