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Mobilität: Deutsche Autoindustrie fährt der Zukunft hinterher | BR24

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Die Diskussion um Klimaschutz und Energiewende ist in vollem Gange - doch die deutsche Autoindustrie setzt immer noch mit Verbrennungsmotoren und findet bei Zukunftstechnologien wie dem E-Auto oder der Wasserstoff-Brennstoffzelle den Anschluss nicht.

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Mobilität: Deutsche Autoindustrie fährt der Zukunft hinterher

Die Diskussion um Klimaschutz und Energiewende ist in vollem Gange - doch die deutsche Autoindustrie setzt immer noch auf Verbrennungsmotoren und findet bei Zukunftstechnologien wie dem E-Auto oder der Wasserstoff-Brennstoffzelle den Anschluss nicht.

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In China sind schon fast drei Millionen Elektroautos auf der Straße - die höchste Zahl weltweit. Auf Platz 2 folgen die USA, dann kommt Norwegen. Dort ist aktuell bereits jedes zweite neu zugelassene Auto ein Elektrofahrzeug.

Deutsche Automobilhersteller spielen nur Nebenrolle

Und Deutschland? Deutschland liegt mit insgesamt 142.000 zugelassenen Stromern nur auf Rang neun - und auch bei der Herstellung von E-Fahrzeugen spielen die deutschen Hersteller nur eine Nebenrolle. Weltweiter Marktführer war hier 2018 der japanische Autobauer Nissan mit dem Modell Leaf, dann folgt Tesla mit dem Model S. Erst auf Platz 10 findet sich mit dem i3 von BMW ein deutsches Produkt.

E-Autos weltweit fahren mit Infineon Steuer-Chip aus München

Für 2019 haben sich die deutschen Hersteller immerhin vorgenommmen, Boden gut zu machen: Audi bewirbt seinen elektrischen SUV e-tron aggressiv, der Mutterkonzern VW und die Konzernschwester Porsche haben ebenso Modelloffensiven angekündigt wie BMW und Daimler.

Der nennenswerteste deutsche Beitrag zum Thema E-Auto kommt einstweilen von einem Zulieferer: Der Münchner Chip-Konzern Infineon ist mit seinen Halbleitern zur Stromsteuerung in fast allen Elektroautos vertreten, die irgendwo auf der Welt gebaut werden.

Die Ökobilanz des E-Autos ist nicht unumstritten

Die Politik versucht die Autobranche bei der nur allzu nötigen Aufholjagd zu unterstützen. Zum Beispiel mit Kaufprämien für Elektromobile. Dabei ist nicht einmal klar, dass Elektroautos eine so viel bessere Ökobilanz aufweisen als Verbrennungsmotoren: Sie sind zwar leise und effizient, im Unterhalt relativ günstig und sie stoßen bei der Fahrt kein Kohlendioxid aus; wenn der benötigte Strom aber aus fossilen Quellen wie zum Beispiel der Kohleverstromung kommt, sieht die Bilanz schon nicht mehr so positiv aus.

Nur ein altes E-Auto ist ein gutes E-Auto

Sie wird sogar noch schlechter, wenn man die Produktion von E-Autos unter die Lupe nimmt: Besonders beim Bau der Akkus wird deutlich mehr CO2 frei als beim Bau eines Benziners oder Diesels. Diesen umwelttechnisch ziemlich schwachen Start kann ein E-Auto nur wettmachen, wenn es eine relativ hohe Lebensdauer und Laufleistung erreicht, sagt eine Studie des ADAC. Der ganz und gar nicht umweltfreundliche Abbau der für die Batterien benötigten Metalle Lithium oder Kobalt in Asien und Afrika verschlechtert die Ökobilanz weiter - und das Recycling der Energiespeicher ist auch nicht unproblematisch.

Wie funktioniert die Batterie der Zukunft?

Unklar ist auch, wie sich die Batterietechnik in Zukunft entwickeln wird. Der Verkehrs- und Innovationsforscher Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin bezweifelt, dass die heutige Lithium-Ionen-Batterie dauerhaft "das Maß der Dinge" sein wird, künftig könnten andere chemische Elemente eine größere Rolle spielen.

Auch beim Wasserstoff-Antrieb sind die Deutschen schwach

Zudem schreibt Knie auch die mobile Wasserstoff-Technologie noch lange nicht ab. Deutschland sei zwar auch hier sehr schwach vertreten - in Japan, China und auch in den USA sei das aber ganz anders. Bei den Brennstoffzellen könne sich somit noch einiges tun, wenn auch eher ohne die deutschen Hersteller, die hier wie bei den E-Autos hinterher hinkten:

"Wir müssen sagen, dass die Schlüsseltechnologien für alle modernen Antriebstechnologien und Fahrzeugtechnologien sehr oft aus Japan kommen, das haben wir eben in Deutschland lange Zeit nicht erst genommen. In der Batterietechnologie sind wir in Deutschland weit hinten her und auch die Zukunftstechnologie Wasserstoff, da sind, was die mobilen Antriebsformen angeht, die japanischen Hersteller weiter." Andreas Knie, Wissenschaftszentrum Berlin

Diesel: Deutsche Automobilindustrie setzt aufs falsche Pferd

Die deutsche Autoindustrie habe in den letzten 25 Jahren "massiv auf Dieselmotoren gesetzt", mit dem Argument, dass diese relativ umweltfreundlich seien. So habe man versucht, der Welt den Diesel zu verkaufen - mit mäßigem Erfolg:

"Weder die Amerikaner noch die Asiaten sind zur Gänze auf diese Technologie eingestiegen und dementsprechend hat die deutsche Autoindustrie jahrzehntelang auf das falsche Pferd gesetzt." Andreas Knie, Wissenschaftszentrum Berlin

Der Erdgas-Antrieb bleibt in der Nische

Auch mit einer weiteren alternativen Antriebstechnologie, nämlich den Erdgas, würden die deutschen Hersteller "bis heute fremdeln", so Knie: "Das gibt es ein bisschen in Bussen, aber es ist eine Nischentechnologie geblieben und man hat den Eindruck, es bleibt auch eine Nischentechnologie." Beim Wandel zur postfossilen Ära werde Erdgas wohl keine allzu große Rolle mehr spielen.

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Das DIW hat eine Studie zu Biokraftstoffen vorgelegt. Sie kommt zu dem Schluss, das Biokraftstoffe zur Reduktion des CO2-Ausstoßes beitragen und ein wichtiger Bestandteil der Verkehrswende sein können.

Bio-Kraftstoffe vor ungewisser Zukunft

Bio-Kraftstoffe seien in Deutschland zehn Jahre nach dem Start des Treibstoffs E10 mit Bio-Beimischung fast gar nicht mehr im Einsatz, so Knie, allenfalls Biogas könne eine Rolle spielen, wenn es zu einer guten Kooperation zwischen Autoherstellern und Gasanbietern käme - das sei bisher aber nicht der Fall gewesen. Eine Gewinnung von Biogas in großem Maßstab sei ökologisch immerhin vertretbar, während andere Bio-Kraftstoffe schnell zum Anbau von Monokulturen führen könnten, was ökologisch keine Vorteile bringe.

Für wahrscheinlich hält Knie deshalb, dass künftig Benziner, Diesel, Elektroautos und Autos mit Wasserstoffzellen nebeneinander fahren.