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Mit nachhaltigen Verpackungen gegen Plastikmüll

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Mit nachhaltigen Verpackungen gegen Plastikmüll

Die Bilder von Plastikstrudeln in den Weltmeeren bringen immer mehr Menschen dazu, umzudenken. Die Folie ums Obst, die Creme im Plastikdöschen oder Kunststoffflaschen – viele wollen Müll reduzieren oder ganz vermeiden. Was gibt es für Alternativen?

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Schuhe im Internet bestellen, die Gurke im Supermarkt, das Duschzeug und Shampoo. Das sind Dinge, bei denen üblicherweise Verpackungsmüll abfällt – im Schnitt sind das 220 Kilo pro Jahr pro Person. Mit dieser Menge liegen die Deutschen über dem europäischen Schnitt.

Verbraucher fordern umweltfreundliche Verpackungen

Es gibt einige Gründe, woran das liegt: Produkteinheiten werden kleinteiliger, Essen und Trinken to Go gehört auch dazu und natürlich tut der Online-Handel das Seine dazu. Doch die Bilder von Ländergroßen Plastikstrudeln in den Weltmeeren haben Wirkung gezeigt: Immer mehr Verbraucher, versuchen soweit es geht, Verpackungen einzusparen – oder verlangen zumindest umweltfreundliche oder kompostierbare Materialien.

In Nürnberg fand die Woche eine Messe rund um das Thema Verpackungen statt, FachPack heißt sie. Wir haben uns dort umgeschaut, was es an umweltfreundlichen Verpackungen gibt.

Cremedose wird zur Gesichtsmaske

Mal wieder die Skandinavier. Die haben eine Cremedose erfunden. Kreidefarbig sieht sie aus. Und sie muss nicht im Müll landen.

"Das ist eine Verpackung für eine Gesichtscreme, die aus ungebrannter Tonerde gemacht wird. Die Creme ist in diesem Döschen drin. Und wenn Sie die Creme verbraucht haben, dann können Sie diese Dose in warmen Wasser auflösen und als Gesichtsmaske verwenden und die komplette Verpackung verschwindet." Kilian Steiner, bayerndesign

Kühlbox aus Stroh oder Jute statt Styropor

Kilian Steiner von bayerndesign zeigt Premiumverpackungen, nach bestimmten Kategorien unterteilt – unter anderem Umweltverträglichkeit. Darunter auch eine Isolierverpackung, eine Art Kühlbox aus Karton, in der flache Strohkissen das Styropor ersetzen sollen.

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In Nürnberg beginnt die Verpackungsmesse Fachpack. Plastik scheint das ewige Leben zu haben: Es besteht zwar aus Kohlenstoffverbindungen, so wie auch Lebewesen - aber warum verrottet es nicht? #fragBR24

Eine ähnliche Variante hat Start-Up Unternehmerin Alexandra Kletzsch aus Nürnberg für den Online-Handel entwickelt.

"Unsere Isolierbox ist 100 prozentig kompostierbar. Vom Endkunden in der Bio-Tonne zu entsorgen. Sie hält genauso kühl und warm wie eine Styropor-Box." Alexandra Kletzsch

Außen Karton, innen sind flache Kissen, gefüllt mit kleinen Fetzen von Jutesäcken, die isolierend wirken. Der umhüllende milchig-weiße Stoff, wurde auf Kartoffelstärkebasis hergestellt. Kletzsch verspricht: Alles 100-prozentig kompostierbar.

Folie aus Kartoffelstärke

Das ist auch die Folie, die die Firma Schröder aus Nordrhein-Westfalen herstellt. Vertriebsleiter Oliver Mielke stellt sie vor.

"Es handelt sich um Luftpolsterfolie, die sogenannte Knackfolie. Sie knackt genauso schön wie die herkömmliche, ist aber aus komplett kompostierbarem Material. Sie kann also über den Home-Kompost oder die industrielle Kompostierung entsorgt werden." Oliver Mielke, Firma Schröder

Die Folien werden aus Mais oder Zuckerstärke-basiertem Material hergestellt. Dabei wird darauf geachtet, dass die Stärke aus Kartoffelschalen hergestellt wird und keine Lebensmittel dafür verwendet werden. Die Produkte sind gefragt, sagt Mielke. Seit etwa drei Jahren wird die Firma gezielt auf das Thema Nachhaltigkeit angesprochen. Das war nicht immer so, sagt Mielke: "Wir haben hier vor zehn Jahren kompostierbare Folie gezeigt. Damals wurden wir belächelt. Und heute stehen wir hier mit vielen Produkten aus diesem Bereich."

Marktanteil noch unter einem Prozent

Kompostierbar und umweltverträglich – das ist das eine. Aber an Verpackungen gibt es gewisse Anforderungen – etwa bei Lebensmitteln. Hygienisch müssen sie sein oder absolut dicht. Gabriele Peterek von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe sagt, dass es bei biobasierten Verpackungen noch Aufholbedarf gibt. Noch dominieren die erdölbasierten Kunststoffe den Markt.

"Die Durchlässigkeit für Wasser oder Sauerstoff ist manchmal noch nicht so gut. Man kann es manchmal noch nicht gut verkleben. Da muss noch geforscht werden, damit die Industrie das aufgreift und sehr viel stärker in den Markt bringt. Noch haben wir einen Marktanteil von unter einem Prozent. Und da wollen wir natürlich sehr viel höher kommen." Gabriele Peterek von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe

Umstellung ist Preisfrage

Für viele ist das Umstellen auf umweltverträgliche Stoffe auch eine Preisfrage – Forschung und Entwicklung kosten. Immo Sander entwickelt für eine Firma Verpackungen, die aus Recycling-Materialien hergestellt werden. Unter anderem Flaschen für Reinigungsmittel.

"Unser oberstes Ziel soll ein sauberes Material sein, also auf keinen Fall ein Verbot oder eine Stigmatisierung von Kunststoff. Wertstoffe müssen im Kreislauf laufen so oft das geht. Wir brauchen gesunde Materialien, die keine Schäden an Umwelt und Menschen anrichten." Immo Sander

Dabei forscht und entwickelt Immo Sander weiter und das rechnet sich auch, sagt er. Aber dabei zählt nicht nur kurzfristiger Gewinn. Idealismus gehört auch dazu. "Wir denken langfristig auf die nächsten fünf bis zehn Jahre", so Sander. "Dass die Projekte, die wir heute anfangen, dann irgendwann greifen und auch unserem Unternehmen gut tun." Immo Sander

Neues Verpackungsgesetz ab 1. Januar

Das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt die Verpackungsbranche nicht nur, weil Verbraucher danach verlangen. Sondern auch, weil sich der Gesetzgeber eingeschaltet hat. Mit dem neuen Verpackungsgesetz, das ab dem 1. Januar in Kraft tritt, soll die Recyclingquote in Deutschland erhöht werden. Hersteller oder Versender, die nachhaltige Verpackungen nutzen, sollen dann weniger an Gebühren für die Müllentsorgung zahlen, als diejenigen, die herkömmliche Verpackungen nutzen.

Für Entwicklungsingenieur Sander ist der Gesetzgeber in der Pflicht, wenn sich beim Thema Verpackung etwas ändern soll: "Wenn Kunden etwas ändern möchten, müssen sie besser Bescheid wissen, welche Veränderungen an den Verpackungen vollzogen werden müssen. Der Gesetzgeber muss hier in die Vorleistung gehen."