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Mit dem Tiger im Bett: "Tiger Kings" in Deutschland? | BR24

© Nicoletta Renz

Mit dem Tiger im Bett

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Mit dem Tiger im Bett: "Tiger Kings" in Deutschland?

Wer hält sich privat eine Großkatze? Früher haben sich vor allem Diktatoren und Prominente mit wilden Katzen geschmückt. Heute sind Tiger und andere große Katzen in Hinterhöfe und Garagen eingezogen, wo sie keiner vermuten würde.

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Raubkatzen – mit ihnen an der Leine spazieren gehen, sie streicheln, küssen oder im Bett mit einem Tiger schlafen. So etwas kannte man lange vor allem von Diktatoren, Schauspielern, Promis oder Künstlern. Hermann Göring hielt sich auf seinem Anwesen bei Berlin Löwen als Haustiere. Der zweite Mann im NS-Staat ließ sich gern fotografieren, wie er mit ihnen schmuste und ihnen das Fläschchen gab. Tarzan-Darsteller Steve Sipek ging mit seinen Tigern ins Bett; Salvador Dali reiste nur mit seinem Ozelot an seiner Seite und Boxer Mike Tyson schaffte sich in den neunziger Jahren drei weiße Bengalen-Tiger an.

Warum? Der Nervenkitzel. Der Tiger, das ultimative Statussymbol. Doch Raubtierhaltung ist heute längst nicht mehr das Privileg der Reichen und Schönen. Raubtiere sind überall, auch in Deutschland.

Eingesperrt ohne Tageslicht

Bei der Tierschutzorganisation Tierart in Massweiler bei Karlsruhe landen legal und illegal gehaltene Großkatzen. Die Tigerdame Cara zum Beispiel wurde 2013 bei einer Razzia in der Nähe von Neapel von der italienischen Polizei beschlagnahmt. Das Tier war illegal gehalten worden, eingesperrt in einem Betonschuppen ohne Tageslicht. Sie lebte auf etwa sechs Quadratmetern und wurde nicht gefüttert. Cara erholte sich gut, hat aber bis heute mit Arthrose zu kämpfen. Eine Folge der schlechten Haltung in den ersten Lebensmonaten. Neben ihr lebt ein Puma aus einer legalen Privathaltung in Deutschland. Der Besitzer gab den Puma ab, als er nicht mehr mit ihm zurechtkam.

Viele Privatbesitzer machen sich zu wenig Gedanken, was es bedeutet einen Puma oder Tiger zu halten, sagt Florian Eiserlo von der Tierauffangstation Tierart. "Die Tiere können nicht zum Tierarzt mitgenommen werden, die müssen in Narkose gelegt werden. Die Krankheiten sind ganz andere, da braucht man Spezialisten." Außerdem müsse man die Tiere beschäftigen: "Wenn man bedenkt, dass ein Tiger zigtausende Quadratkilometer Territorium hat, in denen er umherstreift, da langweilt der sich schnell in so einem Gehege."

In Deutschland gibt es zwar ein paar allgemeine Beschränkungen für Privathalter, so muss ein Tiger mindestens 200 Quadratmeter Platz haben, ansonsten ist es aber in vielen Bundesländern wie Sachsen, Brandenburg oder Baden-Württemberg relativ einfach einen Tiger im Garten zu halten. In Bayern muss man zumindest ein „berechtigtes Interesse“ nachweisen. Was das genau ist, kann die Kommune oder Stadt entscheiden. Bei Tierart melden sich öfter private Tigerhalter, die verzweifelt sind und ihre Tiere wieder loswerden wollen. Vor allem wenn die Tiere älter werden und anfangen die Wohnung oder das Gehege zu zerlegen.

Großkatzen als Kuscheltiere

Manchmal sind es einfach Tier-begeisterte Menschen, denen die Katzen- oder Hundehaltung zu langweilig wurde.

Manchen Tigerbesitzern gefällt die Möglichkeit mit den Raubkatzen Geld zu verdienen. Im Filmtierpark Eschede kann man für eine stattliche Summe eine Privataudienz mit einem Tiger buchen. Man darf ihn dann an der Leine führen und streicheln. Die Betreiber sagen auf Anfrage des BR, dass sie alle behördlichen Vorlagen erfüllen. Weiter heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme: "Wir erfüllen Lebensträume! Besucher weinen vor Freude und können es gar nicht glauben, dass Raubtiere so harmonievoll sein können, da sie liebevoll behandelt werden!"

In solchen Einrichtungen werden die Großkatzen letztlich als große Kuscheltiere vorgeführt. So ist es kein Wunder mehr, dass Privatleute auf die Idee kommen, sich einen Tiger zu halten. In den wenigsten Fällen können die Privathalter den Ansprüchen der Tiere gerecht werden. Tierschützer fordern schon lange ein Verbot jeglicher Großkatzenhaltung in Deutschland. In Österreich, Dänemark und Rumänien gibt es längst ein solches Verbot, denn ein Tiger sollte durch ein großes Territorium streichen und nicht sein Leben in einem Betonschuppen verbringen.

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