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Missbrauchskonferenz: Opfer enttäuscht vom Papst | BR24

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Missbrauchskonferenz: Papst erntet Kritik für Abschlussrede

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Missbrauchskonferenz: Opfer enttäuscht vom Papst

Zum Abschluss der Konferenz im Vatikan hat Papst Franziskus sexuellen Missbrauch in der Kirche noch einmal scharf verurteilt. Konkrete Ankündigungen bleibt er aber schuldig - und enttäuscht damit viele Opfer.

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Die Kritik kam so prompt wie heftig. Die Opferverbände zeigen sich enttäuscht von der Rede des Papstes zum Abschluss der Anti-Missbrauchskonferenz. Franziskus habe einen schamlosen Versuch unternommen, sich an die Spitze des Kampfes gegen Missbrauch zu setzen ohne selbst wirkliche Veränderungen anzugehen, schrieb auf Twitter Matthias Katsch von der deutschen Betroffenenorganisation "Eckiger Tisch".

Thomas Schüller, der Direktor für Kanonisches Recht an der Uni Münster, nannte die Papst-Rede ein "Fiasko" und eine "vertane Chance".

Mit Blick auf die gesamte Konferenz zeigte sich auch Thomas Andonie, der Vorsitzende des Bunds der Deutschen Katholischen Jugend, enttäuscht. Er sagte, es sei nur teilweise erkannt worden, dass die Probleme struktureller Art seien.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, nannte die Konferenz ein wichtiges Signal. Er hätte sich aber verbindlichere Beschlüsse gewünscht. So ähnlich sieht das Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD). Sie sagte, nur wenn sich die Kirche ernsthaft der Debatte über Machtstrukturen und Sexualmoral stelle, könne sie Glaubwürdigkeit und Vertrauen zurückgewinnen.

Kardinal Marx verteidigt Rede von Papst Franziskus

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, nahm Papst Franziskus nach dessen Abschlussrede in Schutz.

"Ich kann nicht erkennen, dass das nur qualmiges, nebulöses Gerede war. Sehr konkret, sehr deutlich in welche Richtung die Arbeiten erfolgen müssen." Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

Papst spricht von "Menschenschindern"

Papst Franziskus hatte den sexuellen Missbrauch durch Geistliche der katholischen Kirche in seiner Rede noch einmal scharf verurteilt. Priester und Bischöfe, die Missbrauch begangen haben, nannte er "Menschenschinder". Täter, so das Kirchenoberhaupt, würden sich "zum Werkzeug des Teufels" machen.

Franziskus kündigt konsequente Verfolgung von Missbrauch an

Gleichzeitig räumte der Papst große Versäumnisse der katholischen Kirche in der Vergangenheit ein und versprach einen Mentalitätswechsel. Die konsequente Verfolgung von Missbrauchsfällen, so Franziskus, sei künftig verpflichtende Norm für alle Bischofskonferenzen weltweit.

"Kein Missbrauch darf jemals vertuscht - so wie es in der Vergangenheit üblich war - oder unterbewertet werden, da die Vertuschung von Missbrauch die Verbreitung des Übels begünstigt und zusätzlich eine weitere Stufe des Skandals darstellt." Papst Franziskus

Allerdings - und daran stören sich die Kritiker - erklärte Franziskus nicht, wie dies im Einzelnen umgesetzt werden soll.

Papst-Erlass zum Kinderschutz soll in Kürze folgen

Dafür präsentierte der Leiter der Anti-Missbrauchskonferenz, Pater Federico Lombardi, einige Stunden später Details: Mit drei konkrete Maßnahmen solle der Kampf gegen Missbrauch in der katholischen Kirche gestärkt werden. Zum einen, so Lombardi, werde es in Kürze einen Papst-Erlass zum Kinderschutz geben:

"Dieser zielt darauf ab, die Prävention und den Kampf gegen Missbrauch zu stärken in der römischen Kurie und in der Vatikanstadt." Pater Federico Lombardi, Leiter der Anti-Missbrauchskonferenz

Außerdem soll ein Praxishandbuch des Vatikans mit detaillierten Anweisungen für den Kampf gegen Missbrauch an alle Bischofskonferenzen in der Welt gehen. Und es soll künftig eine sogenannte Task Force von Experten geben, die gezielt in Länder geschickt werden soll, in denen es beim Thema Missbrauch Probleme gibt.

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Zum Abschluss der Konferenz im Vatikan hat Papst Franziskus sexuellen Missbrauch in der Kirche noch einmal scharf verurteilt. Konkrete Ankündigungen bleibt er aber schuldig - und enttäuscht damit viele Opfer.