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Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach: 30.000 Tatverdächtige | BR24

© ARD / Daniela Junghans

Misbrauchsfall Bergisch Gladbach - 30.000 unbekannte Tatverdächtige

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Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach: 30.000 Tatverdächtige

Ermittler sind in Nordrhein-Westfalen auf eine neue Dimension von Kindesmissbrauch und Kinderpornographie gestoßen. Sie entdeckten Tarnnamen und Spuren von mehr als 30.000 unbekannten Verdächtigen. Ihr Ziel jetzt: Die Täter aus der Anonymität holen.

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Im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach sind die Ermittler auf Spuren von mehr als 30.000 Verdächtigen gestoßen. Das hat NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) in Düsseldorf mitgeteilt. Es gehe dabei nicht nur um die Verbreitung und den Besitz von Kinderpornografie, sondern auch um schweren Kindesmissbrauch.

Es handele sich um internationale pädokriminelle Netzwerke mit einem Schwerpunkt im deutschsprachigen Raum. In Gruppenchats mit Tausenden Nutzern und in Messengerdiensten gingen die Täter wie selbstverständlich mit ihren Missbrauchstaten um, heizten sich an und gäben sich gegenseitig Tipps, etwa, welche Beruhigungsmittel man Kindern am besten verabreiche, um sie danach sexuell zu missbrauchen.

In Chats verabreden sich Täter zu Kindesmissbrauch

"Wer zögert, wird von den anderen ermutigt und bedrängt, seine Absichten in die Tat umzusetzen", berichtete Biesenbach. In diesen Chats würden auch Verabredungen zum Missbrauch mehrerer Täter an einem Kind getroffen.

Es handele sich um eine "neue Dimension des Tatgeschehens", sagte der Justizminister und bekannte: Ihm sei "speiübel geworden".

"Wir müssen erkennen, dass Kindesmissbrauch im Netz weiter verbreitet ist, als wir bisher angenommen haben." - Peter Biesenbach (CDU), NRW-Justizminister

Die Selbstverständlichkeit der Kommunikation über die Taten sei "in höchstem Maße irritierend" und "zutiefst verstörend", so der Justizminister. Es sei zu befürchten, dass in einer solchen Atmosphäre die Hemmschwellen sinken und auch solche Männer Missbrauchstaten begingen, die ohne entsprechendes Umfeld davor zurückgeschreckt wären.

Land NRW richtet Task Force ein

Eine eigene "Task Force" von Cyber-Ermittlern werde am Mittwoch die Arbeit aufnehmen. Sechs Staatsanwälte würden sich dann unter großem Zeitdruck zuerst um die Fälle bemühen, bei denen davon auszugehen ist, dass der Missbrauch von Kindern fortgesetzt werde.

Biesenbach kritisierte, dass es noch immer keine Pflicht zur Speicherung und Herausgabe der Verbindungsdaten gebe. Ob es in allen Fällen gelinge, hinter den Pseudonymen, mit denen die Kriminellen kommunizieren, die tatsächlichen Namen zu ermitteln, sei daher unklar, sagte Oberstaatsanwalt Markus Hartmann, Leiter der Cybercrime-Zentralstelle NRW.

Bisher 72 Verdächtige identifiziert

In dem Komplex "Bergisch Gladbach" waren bisher bundesweit 72 Verdächtige identifiziert worden. Zehn waren zuletzt in Untersuchungshaft. Sieben Anklagen gegen acht Personen sind bereits erhoben worden.

Der Fall war im Oktober 2019 mit der ersten Durchsuchung bei einem der Hauptverdächtigen in Bergisch Gladbach bei Köln ins Rollen gekommen. Der Komplex hatte noch im Juni täglich 120 bis 140 Ermittler beschäftigt. In der Spitze waren es sogar 350 Mitarbeiter. Sie werten riesige Datenmengen aus. Die Verdächtigen sollen teilweise ihre eigenen Kinder missbraucht und Bilder der Taten getauscht haben. Die Ermittlungen erstrecken sich längst auf sämtliche 16 Bundesländer.

Ermittlungen psychisch sehr belastend

Die Arbeit in der seit Herbst 2019 bestehenden Ermittlungsgruppe "Berg" sei psychisch sehr belastend, hatte der Kölner Kriminaldirektor Michael Esser vor kurzem berichtet. Drei Ermittler seien dauerhaft krank geworden. Andere hätten nach psychologischer Betreuung den Dienst wieder aufnehmen können.

Insbesondere die Sichtung des Videomaterials bringe jeden Ermittler an die Grenze seiner Belastbarkeit. Die "Besondere Aufbauorganisation Berg" hat bisher 44 Kinder identifiziert und aus den Fängen der Täter befreit. Darunter war auch ein drei Monate altes Baby.

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