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Missbrauchsbeauftragter: Thema muss Chefsache werden | BR24

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Angesichts des Missbrauchsfalls in Bergisch Gladbach hat der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, die Ministerpräsidenten aller Bundesländer dazu aufgefordert, das Thema zur Chefsache zu machen.

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Missbrauchsbeauftragter: Thema muss Chefsache werden

Angesichts des Missbrauchsfalls in Bergisch Gladbach hat der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, die Ministerpräsidenten aller Bundesländer dazu aufgefordert, das Thema zur Chefsache zu machen.

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Johannes-Wilhelm Rörig, der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, zeigt sich im Interview mit Bayern 2 erschüttert von der Dimension des Missbrauchsfalls in Bergisch Gladbach. Er fordert die Ministerpräsidenten aller Bundesländer dazu auf, das Thema zur Chefsache zu machen.

"Jede Landesregierung sollte sich selbst ins Stammbuch schreiben, wenn sie nicht das Maximale tut, um diese abscheulichen Verbrechen zu verhindern, dann setzt sie sich im Ergebnis der Duldung dieser scheußlichen Verbrechen aus." Johannes-Wilhelm Rörig, Missbrauchsbeauftragter

Deswegen müsse das Thema auf der Prioritätenliste nach ganz oben.

Nordrhein-Westfalen handelt vorbildlich

Lobend äußerte sich Rörig über das Vorgehen im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Dort sei der Kampf gegen sexuelle Gewalt an Mädchen und Jungen zur Chefsache erklärt worden.

Das Land sei aktuell Vorbild für alle 15 Landesinnenministerinnen und Landesinnenminister. Aber eigentlich müssten die Ministerpräsidenten das Thema zur Chefsache erklären, fordert Rörig. "Das ist eine nationale Daueraufgabe."

Dimension des Falls erschüttert

Angesichts der Dimension des Falles zeigte sich Rörig überrascht. "Als ich diese Zahlen gehört habe, war ich natürlich auch erschüttert, obwohl ich mich tagtäglich mit diesen dunklen Kapiteln unserer Gesellschaft befassen muss."

Bei den Ermittlungen wegen Kindesmissbrauchs und Kinderpornografie sind Ermittler in Nordrhein-Westfalen auf Spuren von mehr als 30.000 Verdächtigen gestoßen. Die Ermittlungen hatten vergangenen Oktober mit der Festnahme eines mutmaßlichen Täters in Bergisch Gladbach bei Köln begonnen.

Wie das NRW-Justizministerium am Montag in Düsseldorf mitteilte, gehe es dabei nicht nur um die Verbreitung und den Besitz von Kinderpornografie, sondern auch um schweren Kindesmissbrauch.

Es handele sich um internationale pädokriminelle Netzwerke mit Schwerpunkt im deutschsprachigen Raum. In Gruppenchats mit Tausenden Nutzern und in Messengerdiensten gingen die Täter wie selbstverständlich mit ihren Missbrauchstaten um, heizten sich an und gäben sich Tipps, etwa, welche Beruhigungsmittel man Kindern am besten verabreiche, um sie sexuell zu misshandeln.

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