Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Missbrauchs-Diskussion: Mahnende Worte im Vatikan | BR24

© dpa-Bildfunk / Gregorio Borgia

Pressekonferenz in Rom zum bevorstehenden Missbrauchs-Treffen im Vatikan

Per Mail sharen

    Missbrauchs-Diskussion: Mahnende Worte im Vatikan

    Der deutsche Kardinal Müller hat die Vorbereitungen für die Missbrauchskonferenz von Papst Franziskus kritisiert und die Einhaltung wissenschaftlicher Standards gefordert. Der Trierer Bischof Ackermann will die Opfer in den Mittelpunkt stellen.

    Per Mail sharen

    Wenige Tage vor Beginn des Missbrauchsgipfels im Vatikan, hat der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller die Vorbereitungen für das Treffen kritisiert. Es seien weder die Daten noch das "Know-How" der Glaubenskongregation, die für Missbrauchsfälle zuständig ist, abgefragt worden, so der ehemalige Chef der Glaubenskongregation. Er hoffe, dass es Ich hoffe, dass es anderweitig gelingt, wissenschaftliche Standards einzuhalten

    Müller verteidigt Zöllibat

    Die katholische Kirche sieht Müller unter Generalverdacht gestellt. "Das mediale Interesse richtet sich derzeit fast nur auf die katholische Kirche." Missbrauch komme aber in allen gesellschaftlichen Gruppen vor - sowohl bei verheirateten als auch bei unverheirateten Menschen. Das Zölibat trage nicht zu Missbrauch bei.

    Zuvor hatte Müller bereits seine These von einem Zusammenhang von Missbrauch und Homosexualität verteidigt. Weit über 80 Prozent der Opfer sexuellen Missbrauchs Jugendlicher in der Kirche seien männlich. "Bei dem Missbrauchsgipfel aber sollen diese Daten unvernünftigerweise keine Rolle spielen", kritisierte der Theologe.

    "Nicht das Ansehen der Kirche an die erste Stelle setzen"

    Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Stephan Ackermann, hofft auf einen Bewusstseinswandel in der katholischen Kirche. Es wäre wichtig, wenn Papst Franziskus es schaffe, die Bischöfe zu verpflichten, sich dem Thema Missbrauch opferorientiert zu stellen und "nicht das Ansehen der Kirche an die erste Stelle zu setzen", hatte der Trierer Bischof am Wochenende gesagt. Aus deutscher Sicht seien auch Veränderungen im Kirchenrecht notwendig, "unter anderem im kirchlichen Straf- und Prozessrecht".

    Vatikan will auf Transparenz setzen

    Im Vatikan wurde heute bereits auf einer Pressekonferenz über den geplanten Ablauf des Missbrauchs-Treffens informiert. Zu dem Treffen werden von Donnerstag an 190 Teilnehmer erwartet, darunter auch Missbrauchsopfer. Ansprachen von Kardinälen sollen anders als bei Bischofssynoden live im Internet übertragen werden.

    Am ersten Tag soll es um die Verantwortung der Bischöfe gehen . Der zweite Tag ist der Frage gewidmet, wie Bischöfe zur Rechenschaft gezogen werden. Am Samstag wird der Münchener Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, einen Vortrag über Transparenz halten. Am Abend will der Papst mit den Teilnehmern im Apostolischen Palast eine Bußliturgie feiern. Nach der Sonntagsmesse mit den Teilnehmern will das Kirchenoberhaupt dann eine programmatische Rede halten.

    Der Vorsitzende des Kinderschutzzentrums der päpstlichen Gregoriana-Universität, der Jesuit Hans Zollner, kündigte die Veröffentlichung der Ergebnisse eines Fragebogens an die Konferenzteilnehmer an. Die Antworten auf Fragen nach dem Umgang mit Missbrauch in den Kirchen und Kulturen der einzelnen Länder würden derzeit noch von Experten ausgewertet.

    Auch Frauen Opfer von Missbrauch in der Kirche

    Anlässlich der viertägigen Konferenz zeigt "Das Erste" am Montag mehrere bewegende Dokumentationen zum Thema Missbrauch in der katholischen Kirche. Thema ist dabei auch der Missbrauch von Nonnen und Angehörigen geistlicher Gemeinschaften durch Priester. Doris Wagner war Mitglied eines Ordens. Sie berichtet, wie sie als Ordensfrau spirituell wie auch sexuell missbraucht und belästigt wurde. In der Kirche stieß sie lange Zeit auf taube Ohren. Dann kam es zu einem außergewöhnlichen Gespräch mit Kardinal Christoph Schönborn. Das außergewöhnliche, offene Gespräch über den Missbrauchsskandal wurde vom BR dokumentiert und ist nun noch einmal zu sehen.