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Missbrauch: Bischofskonferenz will jetzt unabhängige Aufklärung | BR24

© dpa/ picture-alliance

Symbolbild sexueller Missbrauch: Ein Kreuz liegt auf der Seite eines Wörterbuchs.

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    Missbrauch: Bischofskonferenz will jetzt unabhängige Aufklärung

    Die katholische Bischofskonferenz möchte Missbrauchsfälle unabhängig aufklären lassen. Darauf hatte der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung gedrängt. Bisher gibt es keine einheitlichen Standards, was immer wieder für Verwirrung sorgt.

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    Was die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen betrifft, herrscht in der katholischen Bischofskonferenz ein ziemliches Durcheinander. Manche Bistümer beauftragen Rechtanwaltskanzleien, in anderen fühlt sich die Kirche selbst zuständig und kompetent. Nun hat die katholische Bischofskonferenz Standards einer unabhängigen Aufarbeitung zugestimmt. Sie ist damit die erste Institution in Deutschland, die eine entsprechende Vereinbarung mit dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung getroffen hat.

    Missbrauchsaufklärung: Bisher nur die Spitze des Eisbergs?

    In allen deutschen Bistümern sollen Kommissionen gebildet werden, die die eigene Missbrauchsgeschichte untersuchen und aufklären. Die Kommissionen dürfen Personen anhören, sie sollen Akteneinsicht bekommen und regelmäßig über ihre Arbeit berichten. Das Ziel ist die Aufklärung der Missbrauchsfälle im Bereich der katholischen Kirche.

    2018 hatte die Kirche eine wissenschaftliche Studie vorgelegt: Danach fanden sich in den Kirchenakten von 1946 bis 2014 Hinweise auf bundesweit 3.677 Betroffene sexueller Übergriffe, 1.670 Geistliche wurden beschuldigt. Für die Forscher ist das nur die Spitze des Eisbergs. Deshalb hatte der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes Rörig, auf unabhängige Aufklärung gedrängt.

    Rörig: Kirchenleute haben nicht die Mehrheit in den Kommissionen

    "Wir haben erreichen können, dass sowohl betroffene sowie unabhängige Expertinnen und Experten fest in diese Kommission eingebunden sind", sagte Rörig im Bayerischen Rundfunk. "Und wir konnten erreichen, dass Kirchenleute in den Kommissionen nicht die Mehrheit haben."

    Auch der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, erwartet sich von der Vereinbarung mit der Bundesregierung einen "weiteren Schub für die Aufdeckung und Bekämpfung sexualisierter Gewalt im Raum der Kirche". Eine Einschränkung allerdings gibt es: Jeder Bischof muss sich die Erklärung durch Gegenzeichnung zu eigen und damit für sein Bistum verpflichtend machen. Der Missbrauchsbeauftragte Rörig ist optimistisch: "Nach dem Beschluss gehe ich fest davon aus, dass sich kein Bistum dieser herausragenden Aufgabe verweigern wird-"Ansonsten wird die katholische Kirche oder das konkrete Bistum keine Chance haben, Glaubwürdigkeit und Vertrauen zurückzugewinnen."

    Was ist mit der evangelischen Kirche?

    Die Verhandlungen zwischen der Bischofskonferenz und dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung gestalteten sich erwartungsgemäß schwierig und zogen sich länger, als erwartet. Noch gar keine Übereinkunft gibt es mit der evangelischen Kirche. Kerstin Claus, selbst Betroffene sexuellen Missbrauchs durch einen evangelischen Pfarrer, macht dafür die evangelischen Landeskirchen verantwortlich: "Die evangelische Kirche muss in ihre Ressourcen investieren. Und ich fordere die evangelische Kirche auf, jetzt zeitnah dem Missbrauchsbeauftragten einen Vorschlag für eine gemeinsame Erklärung zu unterbreiten."

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