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Mindestens 730 Infizierte nach Corona-Ausbruch bei Tönnies | BR24

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Großschlachterei Tönnies im Kreis Gütersloh - Hunderte Mitarbeiter sind Corona-positiv - jetzt müssen alle in Quarantäne und erste Proteste gegen die Firmenleitung werden laut.

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Mindestens 730 Infizierte nach Corona-Ausbruch bei Tönnies

Nach der Corona-Massen-Infektion in einer Fleischfabrik in NRW wurden 730 neue Fälle bestätigt. In der Politik werden deswegen Forderungen nach einer Reform in der Fleischindustrie laut. Auch Bundesarbeitsminister Heil (SPD) zeigte sich schockiert.

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Nach einem Corona-Ausbruch beim Schlachtereibetrieb Tönnies im westfälischen Rheda-Wiedenbrück gibt es jetzt 730 registrierte Neuinfektionen. Das sagte ein Sprecher des Kreises Gütersloh am Abend der Deutschen Presse-Agentur.

Am Vorabend lag dieser Wert noch bei 657. Ausgewertet wurden 1.106 Ergebnisse eines von den Behörden angeordneten Reihentests, der am Donnerstag fortgesetzt wurde. Im Tönnies-Stammwerk in Rheda-Wiedenbrück müssen in den nächsten Tagen noch rund 5.300 Mitarbeiter getestet werden. Für rund 7.000 Menschen wurde eine Quarantäne verfügt, Schulen und Kitas im Kreis Gütersloh wurden geschlossen. Bis zu den Sommerferien in Nordrhein-Westfalen - Start 29. Juni - wird es nur eine Notbetreuung geben.

Schutz der Mitarbeiter: Bundesregierung arbeitet an Gesetzesentwurf

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) bezeichnete den Corona-Ausbruch in der Fleischfabrik aus Rheda-Wiedenbrück als "schockierend". Dort sei zu erleben, was passiere, "wenn mit Arbeitnehmern aus Mittel- und Osteuropa bei uns nicht fair umgegangen wird". In Berlin erklärte er, er fühle sich bestätigt, den Kurs, in der Fleischindustrie aufzuräumen, konsequent umzusetzen. Man arbeite mit Hochdruck das Arbeitsschutzprogramm für die Fleischwirtschaft umzusetzen, so der SPD-Politiker weiter.

Heil will im Sommer ein Gesetz vorlegen, das eine digitale Erfassung der Arbeitszeit in der Fleischindustrie vorschreibt. Außerdem sind unter anderem ein Verbot von Werkverträgen und Leiharbeit in Teilen der Branche ab dem kommendem Jahr und höhere Bußgelder bei Verstößen gegen Arbeitszeitvorschriften geplant.

Auch Bundesagrarministerin Julia Klöckner drängte angesichts des Corona-Ausbruchs auf Konsequenzen: "Hunderte von Infektionen in einem Betrieb. Diese Zustände sind nicht haltbar", sagte die CDU-Politikerin. Es sei richtig, Infektionsursachen am Arbeitsplatz und in Unterkünften nun gründlich zu untersuchen.

Heimaturlaub als Ursache?

Das Unternehmen Tönnies behauptet, dass Beschäftigte das Virus etwa aus Heimaturlauben in Osteuropa mitgebracht haben könnten. Einer Expertin für Infektionskrankheiten zufolge ist es jedoch extrem unwahrscheinlich, dass Hunderte Corona-Fälle auf Familienbesuche am Wochenende zuvor zurückgehen. "Die Inkubationszeit beträgt im Mittel fünf Tage, so dass ein Wochenendbesuch kaum so eine große Anzahl an Personen erklären kann", sagte Isabella Eckerle, Leiterin der Forschungsgruppe Emerging Viruses in der Abteilung für Infektionskrankheiten der Universität Genf.

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