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Militäreinsatz in Nordsyrien: Türkei hält Offensive für rechtens | BR24

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Heute Nachmittag um kurz nach drei hat der türkische Präsident Erdogan via Twitter verkündet: Die Operation "Friedensfrühling" habe begonnen. Sprich: Seine Truppen sind in Nordsyrien einmarschiert.

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Militäreinsatz in Nordsyrien: Türkei hält Offensive für rechtens

Kurden berichten von Todesopfern, die EU fordert einen Stopp, Außenminister Maas warnt vor einer humanitären Katastrophe. Doch die Türkei betont, ihre Offensive sei vereinbar mit internationalem Recht.

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Die großen türkischen Fernsehsender sind live dabei, als es losgeht. "Wir können ihnen jetzt offiziell den Beginn der Operation mitteilen", verkündet die Sprecherin. "Unser Reporter an der Grenze hat ihnen ja gerade die ersten Bilder der Luftschläge gezeigt, und hier sehen Sie jetzt die erste schriftliche Erklärung von Staatspräsident Erdogan zum Beginn der Operation."

Sie verweist auf die Erklärung des Präsidenten auf Twitter. "Operation Friedensquelle" hat Recep Tayyip Erdogan die Offensive genannt. Ziel sei, an der Südgrenze der Türkei den Terrorkorridor zu zerschlagen und die Region zu befrieden, twittert er. Dazu gibt es ein Foto, das ihn an seinem Schreibtisch zeigt, im dunklen Anzug mit Krawatte vor einem Bildschirm.

"Werden einen großen Erfolg verzeichnen"

Später wird ein Telefonat mit Verteidigungsminister Hulusssi Akar veröffentlicht. Der erklärt Erdogan, man habe alle Vorkehrungen getroffen, dass keine Zivilisten, historischen Bauten oder religiöse Einrichtungen getroffen würden. Erdogan bedankt sich: "Unsere türkischen Streitkräfte werden gemeinsam mit der syrischen Nationalarmee im Norden Syriens gegen die Terrororganisationen PKK/YPG und IS einen großen Erfolg verzeichnen. Es handelt sich um einen Schritt für die Heimkehr syrischer Flüchtlinge in der Türkei und syrischer Binnenflüchtlinge."

Kurden berichten von Todesopfern

Von der südost-türkischen Stadt Diyarbakir seien F16-Kampfflugzeuge gestartet, von der Grenzstadt Akcakale aus habe es Haubitzenbeschuss gegeben. In der syrischen Grenzstadt Ras al-Ain wird von schweren Explosionen berichtet. In der Region seien Munitionslager und Stellungen der Kurdenmiliz YPG getroffen, sagt ein Vertreter der türkischen Sicherheitskräfte. Angeblich würden sich kaum Zivilisten dort aufhalten, aber Kämpfer. Krankenhäuser würden sich vorbereiten, auf manchen Dächern seien Scharfschützen zu sehen, schildern Einwohner. Nach Angaben der kurdischen Seite gibt es zivile Opfer.

Es ist die dritte Offensive der Türkei in Nordsyrien. Außenminister Mevlüt Cavusoglu erklärt:

"Wie schon während der Operation Olivenzweig und der Operation Euphrat-Schild haben wir den UN-Generalsekretär mit einem Brief über unsere Operation unterrichtet. Der Brief enthält eine Erklärung darüber, wie die ganze Lage in der Region entstanden ist und wie die Terrororganisationen dort zu einer Bedrohung geworden sind. Der Brief unterstreicht auch unser internationales Recht auf die Offensive." Mevlüt Cavusoglu, türkischer Außenminister

Juncker fordert Stopp

Das sehen nicht alle so. Unter anderem hat EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker gefordert, die Türkei soll ihren Einmarsch sofort stoppen. Bundesaußenminister Heiko Maas warnt vor einer humanitären Katastrophe. Cavusoglu will bald mit ihm telefonieren. Mit seinem iranischen und russischen Kollegen habe er bereits gesprochen. Syrien verurteilt die Offensive.

"Ein sehr historischer Tag"

Es ist die größte seit mehr als 40 Jahren. Knapp 500 Kilometer lang und 30 Kilometer tief ist der Streifen, in dem die Türkei die Sicherheitszone einrichten will. Der Militärstratege Hakan Akbas spricht im türkischen Fernsehen von einem "sehr historischen Tag" für die Türkei. "Insbesondere in den letzten zwei Jahren zeichnete sich die Einrichtung einer Sicherheitszone als eines der wichtigsten geostrategischen Ziele für die Türkei im Nahen Osten ab. Ein sehr bedeutender Schritt."

Auch die größte türkische Oppositionspartei CHP steht hinter der Militäraktion. Der neue populäre Istanbuler Bürgermeister Ekrem Imamoglu schreibt auf Twitter, er bete für die Soldaten.