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Migrationsexperte: Situation nicht mit 2015 vergleichbar | BR24

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Der Bundesinnenminister warnt vor einer neuen humanitären Katastrophe und fordert mehr Engagement von seinen EU-Kollegen. Der Migrationsexperte Gerald Knaus vom ESI sagt, die momentane Situation sei nicht mit 2015 vergleichbar.

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Migrationsexperte: Situation nicht mit 2015 vergleichbar

Der Bundesinnenminister warnt vor einer neuen humanitären Katastrophe und fordert in der Flüchtlingspolitik mehr Engagement von den EU-Kollegen. Der Migrationsexperte Gerald Knaus sagt, die momentane Situation sei nicht mit 2015 vergleichbar.

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Die Warnung von Bundesinnenminister Horst Seehofer vor einer "Flüchtlingswelle" im Ausmaß des Jahres 2015 hält der Migrationsforscher Gerald Knaus "in diesem Moment" für übertrieben. Im Interview mit der Bayern 2-radioWelt sagte der Vorsitzende der Europäischen Stabilitätsinititative, ESI:

"Im zentralen Mittelmeer sind 2016 180.000 Menschen gekommen. Und in diesem Moment sind es einige Hundert, die gerettet werden im Monat - noch einmal 1.000, die es mit eigenen Booten aus Tunesien, aus Libyen schaffen. Das ist nicht zu vergleichen." Gerald Knaus, Vorsitzender der Europäischen Stabilitätsinititative (ESI)

Warnung vor Lage in Griechenland

Knaus, der als Erfinder des EU-Flüchtlingsabkommens mit der Türkei gilt, warnte aber, es könnten aufgrund der prekären Situation in den griechischen Flüchtlingslagern in den kommenden Monaten wieder deutlich mehr Migranten Deutschland erreichen:

"Wenn es Griechenland nicht gelingt, auf den griechischen Inseln erstens menschenwürdige Bedingungen zu schaffen, zweitens schnellere Verfahren zu schaffen und drittens, alle die, die keinen Schutz in der EU brauchen, wieder in die Türkei zurückzuschicken, dann könnten wir einen Winter erleben, der zwar nicht so schlimm ist, wie 2015/2016, aber doch alles übertrifft, was wir in den Jahren dazwischen gesehen haben." Gerald Knaus, Vorsitzender ESI

Migrationsexperte fordert rechtzeitiges Handeln

Jedes reiche Schengen-Mitgliedsland müsse daher ein Interesse haben, den Griechen bei der Bewältigung der Lage zu helfen, so Knaus.

"Was die Griechen brauchen, sind Asylbeamte, sind Übersetzer, sind Menschen, die ihnen erlauben, schnell zu entscheiden, ob eine syrische Familie in der Türkei Angst haben muss vor Verfolgung oder wie mehr als 3,6 Millionen Syrer in der Türkei dort sicher wären." Gerald Knaus, Vorsitzender ESI

Knaus forderte rechtzeitiges Handeln und "endlich Ernsthaftigkeit" von den EU-Staaten. Das habe es bisher nicht gegeben.