Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

#Metoo: Noch immer Belästigungen in Hollywood | BR24

© pa/dpa/Somer/ABACA

Symbolbild: #metoo-Protest

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

#Metoo: Noch immer Belästigungen in Hollywood

Es gibt erste Urteile gegen Männer, die in der Filmbranche Frauen belästigt haben. Aber es gibt auch immer noch #Metoo-Momente: Schauspielerin Yael Stone erhob jüngst Vorwürfe gegen Schauspieler und Oscarpreisträger Geoffrey Rush.

Per Mail sharen

Es gibt sie nach wie vor, diese #Metoo-Momente: Beispiel: die Schauspielerin Yael Stone, bekannt aus der Netflix-Serie "Orange is the New Black", gibt in ihrem Heimatland Australien ein langes Interview. Sie erzählt von der Zusammenarbeit mit Geoffrey Rush, der Schauspieler ist eine Ikone in Australien. Die 33-Jährige erinnert sich ruhig und überlegt an die Arbeit an einem Theaterstück. Und sie berichtet davon, dass Rush sie beim Duschen mit einem Spiegel beobachtet und nackt vor ihr getanzt habe und ihr erotische SMS geschickt habe. "...they became increasingly sexual in nature…" (Sie wurden immer mehr sexuell...). Rush zog bereits vor Monaten gegen eine australische Zeitung vor Gericht, in der eine andere Schauspielerin ihm sexuelle Belästigung vorwirft.

In den USA stürzte 2018 einer der mächtigsten Fernsehmanager über Vorwürfe sexueller Belästigung. Les Moonves, genannt "Mister Television", musste gehen. Dazu Matt Belloni vom Hollywood Reporter: "CBS ist ein Unternehmen auf der Fortune 500-Liste, er ist der erste von diesem Rang, der nach solchen Vorwürfen gehen muss. Er hat Legendenstatus in der Branche. Er war 24 Jahre lang bei CBS, war für ein paar der größten Fernsehhits verantwortlich. Und innerhalb von zwei Monaten hat die Industrie ihn ausgelöscht - eine schockierende Entwicklung."

CBS spendete für Gleichberechtigung

Insgesamt zwölf Frauen beschuldigen ihn, sie sexuell belästigt oder misshandelt zu haben oder bei Zurückweisung ihre Karriere sabotiert zu haben. Der - nun ehemalige - Vorstandschef streitet die Vorwürfe ab. CBS kündigte an, 20 Millionen Dollar an eine oder mehrere Organisationen zu spenden, die sich für Gleichberechtigung von Frauen im Job einsetzen. Hat die US-Unterhaltungsindustrie also ihre Lektion aus der #Metoo-Debatte gelernt?

Hollywood - eine von Männern dominierte Kultur

Als die ersten Vorwürfe gegen den Produzenten Harvey Weinstein vor einem Jahr ans Licht kamen, war die Branche zwar geschockt vom Ausmaß und der Perfidität seines Vorgehens. Wirklich überrascht zeigte sich niemand. Michael Merlob ist Produzent, er sagt:

"Nein, geschockt war ich nicht. Ich habe es selbst nicht mitbekommen. Aber wir sind in Hollywood in einer Männer dominierten Kultur. Es geht um Macht. Und es gibt eben die, denen es gefällt, auch in dieser Hinsicht Macht auszuüben." Michael Merlob, Produzent

Rechtsbeistand für Opfer

Diese Machtstrukturen zu ändern, dauert Jahre. Trotzdem hat es in Hollywood in den zurückliegenden zwölf Monaten große und kleinere Veränderungen gegeben. Bereits im Januar 2018 wurde die Initiative Time’s Up ins Leben gerufen, unter anderem von Oprah Winfrey und Reese Witherspoon. Unter anderem bietet die Organisation Rechtsbeistand für Opfer sexueller Gewalt an. Dafür wurden bislang 22 Millionen Dollar gesammelt. Laut National Women’s Law Center, die das Geld verwaltet, haben bereits mehr als 3.500 Personen, fast alles Frauen, um Hilfe gebeten. Die Gewerkschaften in Hollywood haben strengere Regeln zur Bekämpfung von sexueller Belästigung erlassen und Notrufnummern eingerichtet. Agenturen erarbeiteten neue Regeln für ihre Künstler, um sie besser vor Übergriffen zu schützen. Von Treffen in Hotelzimmern oder Privatunterkünften wird inzwischen abgeraten. Weinstein hatte seine Annäherungsversuche vornehmlich in Hotelzimmern gestartet, wohin er die Frauen geladen hatte.

Urteil gegen Bill Cosby

Und es gab in diesem Jahr das bislang aufsehenerregendste Urteil der #Metoo-Ära: der US-Entertainer Bill Cosby wird wegen des Missbrauchs einer Frau im Jahr 2004 schuldig gesprochen. Seine Strafe: der 81-Jährige muss für mindestens drei Jahre ins Gefängnis. Trotzdem sei es nach wie vor schwer, erzählt Schauspielerin Yael Stone, den Schritt an die Öffentlichkeit zu wagen:

"Wir wissen: In der Regel erfahren Frauen, die sich zu Wort melden, Nachteile. Ihre Karriere leidet. Ich bin mir dessen bewusst und bin bereit, das in Kauf zu nehmen." Yael Stone, Schauspielerin
Audio nicht mehr verfügbar

Dieses Audio konnte leider nicht geladen werden, da es nicht mehr verfügbar ist.

Weitere Information zur Verweildauer

© BR

#Meetoo und Hollywood