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Vor der Wahl eines neuen Vorsitzenden: Was will die CDU? | BR24

© picture alliance / Winfried Rothermel | Winfried Rothermel

CDU-Logo , Konrad -Adenauer Haus, Parteizentrale der CDU in Berlin

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    Vor der Wahl eines neuen Vorsitzenden: Was will die CDU?

    Die CDU steht mit ihrem kommenden Parteitag auch vor einer Richtungsentscheidung. Dabei zeigt sich eine Spaltung auf Bundesebene - während die Parteibasis im Norden liberal eingestellt ist, werden die Rufe im Süden nach konservativen Werten lauter.

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    Von
    • Susanne Betz

    In erster Linie ist die CDU-Basis genervt. Das Machtvakuum war zu lange, die Mitglieder wünschen sich wieder eine stärkere Profilierung. Aber die Partei tickt je nach Himmelsrichtung ziemlich unterschiedlich. Weil Raphael Tigges aus Gütersloh im Düsseldorfer Landtag sitzt, und in seiner Partei vielleicht noch mehr werden möchte, nennt er seinen Favoriten lieber nicht beim Namen.

    Im Südwesten und Sachsen setzt man auf Merz

    Alle drei Kandidaten, die seit Monaten um das Amt des CDU-Vorsitzenden konkurrieren, stammen nämlich aus Tigges Landverband Nordrhein-Westfalen. Michael Kretschmer, sächsischer Ministerpräsident und Vorsitzender seines Landesverbandes, hat keine Scheu: ganz klar, Friedrich Merz. Michael Kretschmer im Exklusivinterview mit dem Bayerischen Rundfunk: "Ich glaube, dass er in der sächsischen Union eine überwiegende Mehrzahl der Stimmen auf sich vereinen wird."

    Ähnlich wie die ostdeutschen ticken auch die meisten baden-württembergischen Delegierten. Die Parteibasis im Südwesten sowieso.

    Konservative Werte sollen wieder in den Vordergrund

    Reinhold Besenfelder, seit 25 Jahren Mitglied in der CDU und als Finanzreferent des Kreisverbandes Biberach nahe am Ohr der Mitglieder. Er beobachtet, dass es in seiner Partei ein eindeutiges Nordsüdgefälle gibt, was Kandidatenpräferenz und Profilierung betrifft. Bei ihm zu Hause, im Südwesten jedenfalls, wünsche man sich, dass wieder die konservativen Werte etwas mehr in den Vordergrund rücken, das habe die Parteispitze in den letzten Jahren vernachlässigt.

    Die CDU im Norden ist liberal

    Prinzipiell stimmt Petra Nicolaisen der Behauptung zu, dass die Partei nach Himmelsrichtungen unterschiedlich tickt. Die Bundestagsabgeordnete aus Schleswig-Holstein und stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbandes Flensburg beschreibt ihre Basis als sehr liberal. In ihrem Landesverband spürt sie in den vergangenen Wochen eine deutliche Verschiebung bei der personellen Präferenz. Petra Nicolaisen: "Dass sich Delegierte Richtung Röttgen entwickelt haben, der größte Teil war ursprünglich Laschet orientiert."

    Mehr Umwelt, mehr Wirtschaft und mehr "klare Kante"

    Auch was die inhaltliche Ausrichtung und die Veränderungswünsche betrifft, gibt es im hohen Norden deutliche Unterschiede zum Südwesten oder Osten. Nicolaisen selbst möchte, dass der neue Vorsitzende die Partei wieder zusammenführt und Zukunftsthemen, vor allem den Umweltschutz, angeht. Auch Raphael Tigges, der Landtagsabgeordnete aus dem Kreis Gütersloh in Ostwestfalen wünscht sich, dass seine Partei in Zukunft nicht mehr nur reagiert, sondern als stärkste Partei in Deutschland aktiver Themen setzt.

    In seiner Region sind die Grünen der CDU inzwischen auf den Fersen und ihr stärkster Konkurrent. Für seine Basis eine spannende Herausforderung. Egal ob in Ostwestfalen, in Baden-Württemberg oder in Sachsen: überall klagen CDU-Mitglieder und Funktionäre, dass in den letzten Jahren unter Merkel und im anschließenden, fast zweijährigen Macht-Vakuum das Thema Wirtschaft zu wenig beachtet worden sei. Um sich einen großzügigen Sozialstaat leisten zu könne, brauche man eine dynamische Wirtschaft. Und dann gibt es da noch das Themenfeld Recht und Ordnung. Raphael Tigges: "Viele Mitglieder sagen mir, ja, da wünschen wir mal eine klare Kante und mal Aussagen, dass wir gewisse Grundgesetz basierte Dinge beachten müssen."

    Der Polizei soll der Rücken gestärkt werden

    Das was Raphael Tigges "klare Kante" nennt, formuliert Isolde Weggen, stellvertretende Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes Biberach, deutlicher: "Ich erwarte, dass mit Leuten, die sich absolut nicht integrieren wollen, etwas härter umgegangen wird." Also mehr Abschiebungen, bessere Ausstattung für die Polizei und überhaupt mehr Rückendeckung für die Sicherheitskräfte durch die Politik.

    "Wir müssen jünger und weiblicher werden"

    Isolde Weggen ist neben Berufstätigkeit, Parteiengagement auch noch aktiv bei der Freiwilligen Feuerwehrfrau. Sie beklagt, dass ihre Südwest-CDU manche gesellschaftlichen Lebenswirklichkeiten vernachlässige zum Beispiel die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Isolde Weggen: "Wir sollten in jedem Fall kucken, dass wir jünger und weiblicher werden."

    Durchaus unterschiedlich, veränderungswillig und sich nach starker Führung sehnend: Die CDU wäre nicht die CDU und nicht von allen deutschen Parteien diejenigen, deren Mitgliedern letztlich immer bei der Stange bleiben. Weil, so formuliert die CDU-Frau aus Baden-Württemberg: "Das große Ziel ist, egal mit welchen Leuten man spricht, wieder die Wahlen zu gewinnen."

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