Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Merkels Sommer-PK: Das Lächeln der Kanzlerin | BR24

© Michael Kappeler/dpa-Bildfunk

Angela Merkel bei der Pressekonferenz kurz vor ihrem Sommerurlaub. 0

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Merkels Sommer-PK: Das Lächeln der Kanzlerin

Vor ihrem Urlaub hat Angela Merkel traditionsgemäß zur Pressekonferenz in Berlin eingeladen – am Ende einer ereignisreichen Woche. Und offensichtlich ist die Kanzlerin zufrieden mit sich. Eine Analyse.

Per Mail sharen

Angela Merkel hat viel gelächelt – bei ihrer Sommerpressekonferenz und schon die ganze Woche über. Sowohl in Berlin als auch auf europäischer Ebene sieht die Kanzlerin wohl einige Gründe, um mit sich im Reinen zu sein.

Ein zufriedenes Lächeln stand Merkel schon im Gesicht, als sie Ursula von der Leyen zur Wahl gratulieren konnte. Dass nun eine Deutsche – und eine Vertraute der Kanzlerin – an der Spitze der EU-Kommission steht: Das macht die Bande zwischen Berlin und Brüssel noch enger. So hat Merkel gelöst, was auch zu einer Niederlage hätte werden können. Denn ihr eigentlicher Kandidat für die Kommissions-Spitze, Manfred Weber, erwies sich als nicht durchsetzbar im Kreis der Rats-Kollegen. Nun ist von Weber kaum noch die Rede – von der Leyen dagegen kann strahlen. Und die Kanzlerin hat im Hintergrund die entscheidenden Fäden gezogen. Mit erkennbarem Stolz.

Merkel verschafft Kramp-Karrenbauer größere Bühne

Auch im Schloss Bellevue war Merkel ihre Zufriedenheit anzusehen, am Mittwoch, als die neue Verteidigungsministerin ernannt wurde: Annegret Kramp-Karrenbauer. Damit haben die Kanzlerin und die CDU-Chefin fast alle überrascht. Ihren gemeinsamen Kritiker Jens Spahn, haben die beiden damit verhindert auf diesem Posten. Und Merkel verschafft Kramp-Karrenbauer, die immer noch als ihre Wunsch-Nachfolgerin gelten darf, eine deutlich größere Bühne – die diese nun nutzen kann, wenn sie zeigen will, dass auch sie das Zeug zur Regierungschefin hat.

Entspannt und routiniert

So verwundert es nicht, dass sich Angela Merkel auch bei ihrem Vorurlaubs-Auftritt vor den Hauptstadt-Journalisten sehr entspannt präsentiert hat. Routiniert und faktensicher, vom Solidaritätszuschlag bis zum Iran, vom Digitalpakt bis zur Seenotrettung. Nebenbei sandte sie noch eine scharfe Rüge ins Weiße Haus, solidarisierte sich mit den vom US-Präsidenten attackierten Frauen, und Fragen nach ihrer Gesundheit parierte sie mit dem Hinweis, sie habe ja auch selbst ein Interesse daran, noch lange und gesund zu leben.

Unter Druck fühlt sich die Kanzlerin offensichtlich nicht. Und ihre Ankündigung, 2021 nicht noch mal anzutreten, scheint sie innerlich zunehmend frei zu machen.

Aber auch viele offene Fragen

Allerdings: Über das Top-Thema Klimaschutz hat Merkel zwar viel geredet. Konkrete Beschlüsse sind aber erstmal vertagt. Wie die CDU in den Umfragen wieder deutlich stärker werden will als die grüne Konkurrenz: dazu kaum ein Wort von Merkel. Dass die Konjunktur sich eintrübt, macht das Regieren künftig nicht leichter. Und ob die Koalition mit der SPD überhaupt noch länger als ein paar Monate hält: fraglich. So steht Merkel in der Tat vor einem "sehr arbeitsreichen" Herbst, wie sie es ausgedrückt hat.