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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Archivbild

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    Merkel: "Wir sind jetzt in der dritten Welle"

    Angesichts der Ausbreitung der Corona-Mutationen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zur Vorsicht bei Lockerungen gemahnt. Über mögliche Öffnungen wird weiter kontrovers diskutiert.

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    • BR24 Redaktion

    Kanzlerin Angela Merkel hat in der Sitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zu vorsichtigen Öffnungsschritten in der Corona-Pandemie gemahnt. "Wir sind jetzt in der dritten Welle", sagte sie nach Angaben aus Teilnehmerkreisen. Die Tatsache könne nicht wegdefiniert werden. Man müsse mit der sich ausbreitenden Mutation des Coronavirus leben.

    Wenn die Länder Öffnungsschritte gingen, müsse es dann auch die Perspektive geben, dass Einrichtungen nach einer Öffnung offen bleiben könnten. Es werde niemandem ein Gefallen getan, "wenn wir wieder schließen, was wir einmal aufgemacht haben", sagte Merkel. Möglichkeiten der Schnelltests und Selbsttests ermöglichten aber eine bessere Abfederung der Öffnungsschritte als im Jahr 2020, sagte die Kanzlerin.

    Lockdown gilt noch bis übernächsten Sonntag

    Merkel hatte am Montag nach Angaben von Teilnehmern einer CDU-Präsidiumssitzung Paketlösungen für drei gesellschaftliche Bereiche in Kombination mit vermehrten Corona-Tests vorgeschlagen. Merkel nannte demnach die persönlichen Kontakte, Schulen sowie Sport, Restaurants und Kultur.

    Am Mittwoch kommender Woche berät die Kanzlerin mit den Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Bundesländer über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie. Der seit Mitte Dezember geltende Lockdown ist derzeit bis übernächsten Sonntag befristet.

    Immer mehr britische Virusmutationen nachgewiesen

    3.883 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages, 415 weitere Todesfälle und 60,5 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern und sieben Tagen - diese Zahlen markieren den aktuellen Stand in Deutschland. 68 318 Menschen sind an oder mit Covid 19 gestorben. Der Anteil der ansteckenderen britischen Virusmutation ist nach Angaben des Verbands Akkreditierter Labore in der Medizin auf rund 30 Prozent gewachsen, wie der Verband am Dienstag auf Basis von Stichproben aus der vergangenen Woche mitteilte. Zuvor war er laut Robert Koch-Institut von 6 auf rund 22 Prozent gestiegen.

    CDU-Chef und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet sagte, nachdem sich die britische Mutante des Virus weiter ausbreite, sei Vorsicht weiterhin das Richtige. Trotzdem gebe es die Erwartung nach einer Öffnungsstrategie.

    Auch Karl Lauterbach sieht bereits dritte Welle

    Eine eindringliche Warnung vor starken Lockerungen bereits im März kam von der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensiv- und Notfallmedizin. Deren Vorsitzender Christian Karagiannidis sagte der "Rheinischen Post", laut Berechnungen verliefen die Impfungen noch nicht schnell genug, um eine dritte Corona-Welle zu verhindern. Bund und Länder müssten aufpassen, "das Spiel in der Verlängerung nicht zu verlieren".

    Nach Einschätzung des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach ist die dritte Ausbreitungswelle des Coronavirus sogar bereits unaufhaltsam im Gange. Er forderte daher in der "Passauer Neuen Presse", weitere Öffnungsschritte zu verschieben. Zur Vorsicht mahnte auch Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter. Er verwies in Berlin auf die weitere Ausbreitung gefährlicherer Varianten des Coronavirus. Daher drohe die Gefahr, "dass wir trotz der Maßnahmen in eine dritte Welle kommen", sagte auch er.

    Ähnlich äußerte sich Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU). Er sei sehr dafür, "verantwortungsvoll Schritt für Schritt" zu gehen, sagte der CDU-Politiker. Es müsse vermieden werden, jetzt zu lockern und in vier Wochen wieder einen Schritt zurückzugehen.

    Hotelverband fordert "Öffnungsperspektive"

    Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) forderte gleichwohl von Bund und Ländern die rasche Entwicklung von Öffnungsszenarien. Das Gastgewerbe habe jetzt "einen Anspruch auf eine realistische Öffnungsperspektive in den kommenden Wochen", sagte Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges der "Rheinischen Post".

    Konkrete Öffnungsperspektiven forderte auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD). Es müsse zumindest verabredet werden: "Wann passiert was", sagte Müller im ZDF. Sehr viele Menschen würden es akzeptieren, wenn sie "wissen, was in drei oder vier Wochen ermöglicht wird".

    SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich unterstützte Forderungen, nicht mehr den Inzidenzwert zur alleinigen Messlatte für Einschränkungen oder Öffnungen zu machen. Diese seien "wichtig als Anhaltspunkt", sagte Mützenich in Berlin. Es seien aber "weitere Kriterien erforderlich" wie die Auslastung der Intensivbetten oder die Zahl der vorgenommenen Tests.

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