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Merkel über Corona-Krise: "Es braucht unser aller Anstrengung" | BR24

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Kanzlerin Merkel hat die Corona-Krise als historische Aufgabe bezeichnet. Alle Vorstellungen von Normalität würden derzeit auf die Probe gestellt. Die nächsten Wochen würden noch schwerer werden.

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Merkel über Corona-Krise: "Es braucht unser aller Anstrengung"

Die Corona-Krise führt die Kanzlerin zu einem für sie ungewöhnlichen Schritt: In einer Fernsehansprache appellierte Angela Merkel an die Bevölkerung, alle sozialen Kontakte zu minimieren. "Diese Situation ist ernst und sie ist offen", erklärte sie.

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Gerhard Schröder hat sich im März 2003 anlässlich des Irak-Krieges in einer Fernsehansprache an die Bevölkerung gewandt, Helmut Schmidt im Oktober 1977 nach der Schleyer-Entführung, Horst Köhler 2005 nach der Auflösung des Bundestages. Bei Angela Merkel ist es die Corona-Krise, die sie zu diesem Schritt bewegt hat: "Seit dem Zweiten Weltkrieg gab es keine Herausforderung an unser Land mehr, bei der es so sehr auf unser gemeinsames solidarisches Handeln ankommt", so Merkel.

"Diese Situation ist ernst und sie ist offen"

Und sie formuliert einen eindringlichen Appell: Es gehe jetzt darum, nicht in Panik zu verfallen, aber auch nicht einen Moment zu denken, "auf ihn oder sie komme es doch nicht wirklich an. Niemand ist verzichtbar. Alle zählen, es braucht unser aller Anstrengung". Konkret fordert die Bundeskanzlerin, unnötige Begegnungen mit anderen Menschen zu vermeiden, auch mit Familienmitgliedern: "Wir müssen das Risiko, dass der eine den anderen ansteckt, so begrenzen, wie wir nur können. Diese Situation ist ernst und sie ist offen."

RKI: Bis zu zehn Millionen Infizierte möglich – bei Nichtbeachtung der Maßnahmen

Das hatte auch der Präsident des Robert-Koch-Institutes, Lothar Wieler, in seiner heutigen Pressekonferenz betont. Wenn es nicht gelinge, die Kontakte zu reduzieren, können es in zwei oder drei Monaten in Deutschland bis zu zehn Millionen Infizierte geben.

"Deutschland hat eines der besten Gesundheitssysteme der Welt“

Wozu das führen könnte, macht die Bundeskanzlerin klar. Deutschland habe ein exzellentes Gesundheitssystem, "vielleicht eines der besten der Welt. Aber auch unsere Krankenhäuser wären völlig überfordert, wenn in kürzester Zeit zu viele Patienten eingeliefert würden, die einen schweren Verlauf der Coronainfektion erleiden."

Dank an Ärzte, Pflegekräfte, Beschäftigte im Einzelhandel

Persönlich richtet sich die Kanzlerin an diejenigen, die für uns in diesem Kampf in der vordersten Linie stünden – Ärztinnen und Ärzte, Pflegedienste, Beschäftige in Krankenhäusern: "Was Sie leisten, ist gewaltig, und ich danken Ihnen von ganzem Herzen dafür." Merkels Dank gilt auch den Beschäftigten im Einzelhandel: "Wer in diesen Tagen an einer Supermarktkasse sitzt oder Regale befüllt, der macht einen der schwersten Jobs, die es zurzeit gibt. Danke, dass Sie da sind für ihre Mitbürger und buchstäblich den Laden am Laufen halten."

Lebensmittelversorgung ist gesichert

Wie zuvor schon Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner betont Merkel, die Lebensmittelversorgung ist "jederzeit gesichert". Die jetzt bundesweit verzeichneten Hamsterkäute bezeichnet die Bundeskanzlerin als "sinnlos und letztlich vollkommen unsolidarisch".

"Werden Krise überwinden"

Schließlich setzt Angela Merkel auf Beruhigung. Sie sei sich sicher, "dass wir diese Krise überwinden werden". Die jetzt verhängten Maßnahmen, etwa die Schließung von Grenzen und die Einschränkung der Reise- und Bewegungsfreiheit seien "unverzichtbar, um Leben zu retten". Und das sage sie als jemand, für den genau das schwer erkämpft gewesen sei – ein Verweis auf ihre DDR-Vergangenheit. Die Einschränkungen, "wie es sie in der Bundesrepublik noch nie gab", seien temporär, betont sie. Und Merkel verspricht: "Wir werden als Regierung stets neu prüfen, was sich wieder korrigieren lässt, aber auch: was womöglich noch nötig ist."

Erste Ausgangssperre in Bayern verhängt

Damit dürfte zum Beispiel die Verhängung von Ausgangssperren gemeint sein, wie sie heute das Landratsamt Tirschenreuth für die bayerische Stadt Mitterteich beschlossen hat. Einer Allgemeinverfügung zufolge ist den dortigen Bewohnern das "Verlassen der häuslichen Unterkunft ohne triftigen Grund" untersagt.

Merkel: "Glauben Sie keinen Gerüchten"

Abschließend bittet Merkel um Vertrauen: "Glauben Sie keinen Gerüchten, sondern nur offiziellen Mitteilungen." Die Bundesregierung werde alles tun, um die wirtschaftlichen Auswirkungen abzufedern – und vor allem um Arbeitsplätze zu bewahren. Ähnlich äußert sich Bundesfinanzminister Olaf Scholz. In einem Brief an die Bundestagesabgeordneten von Union und SPD schreibt er: "Dank der soliden Finanzpolitik der letzten Jahren sind wir jetzt handlungsfähig und können mit aller Kraft einem wirtschaftlich Abschwung entgegentreten." Die Bundesregierung werde alles tun, damit unser Land gemeinsam gut durch diese schwierige Zeit kommt.