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Merkel mahnt: "Dürfen uns keine Sekunde in Sicherheit wiegen" | BR24

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Bundeskanzlerin Merkel hat in Berlin vor Leichtsinn gewarnt und weiter zu größter Vorsicht aufgerufen. Hier finden Sie Merkels vollständiges Statement.

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Merkel mahnt: "Dürfen uns keine Sekunde in Sicherheit wiegen"

Nach dem Shutdown sind heute erste Einschränkungen gelockert worden. Doch die Kanzlerin warnt vor Übermut. Ein "Rückfall" und eine damit verbundene Rücknahme der Lockerungen wäre "jammerschade", sagte Angela Merkel.

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Zu den Beschlüssen des Corona-Kabinetts wolle sie sich äußern – so war die Pressekonferenz der Bundeskanzlerin angekündigt. Doch zunächst nutzt Merkel einen großenTeil ihres Statements für Dank – und mahnende Worte.

Merkel dankt "von ganzem Herzen"

Wir hätten seit Beginn der Kontaktbeschränkungen sehr viel erreicht, so Merkel. Die Infektionszahlen stiegen nicht mehr exponentiell, sagt sie, an manchen Tagen gebe es inzwischen mehr Genesene als Neuinfizierte.

Und das sei "vorneweg den Bürgerinnen und Bürgern zu verdanken", die alle Einschränkungen "mit übergroßer Disziplin und sehr viel Geduld" getragen hätten. "Auch heute möchte ich dafür von ganzem Herzen noch einmal Danke sagen."

"Wir stehen erst am Anfang der Pandemie"

Dann kommt das "Aber": Bei allen Erfolgen will die Kanzlerin "keine Sekunde" aus den Augen verlieren, dass wir trotz allem immer noch ganz am Anfang der Pandemie stünden und "noch lange nicht über den Berg sind", sagt Merkel.

Der Zeitpunkt für diese Mahnung ist bewusst gewählt: Heute sind die ersten Lockerungen in Kraft getreten. Vielerorts dürfen bestimmte Geschäfte wieder aufmachen, in Bayern sind das zunächst Gärtnereien, Bau- und Gartenmärkte. In manchen Bundesländern kehren die Abschlussklassen in die Schulen zurück.

Auswirkungen verzögert spürbar

"Es wäre jammerschade, wenn wir sehenden Auges in einen Rückfall gingen, die ersten Erfolge gefährden würden", sagt Merkel. Denn: Die Auswirkungen der jetzigen Lockerungen werden erst in zwei Wochen spürbar sein, und das Credo der Bundesregierung ist, einen Kollaps des Gesundheitssystems zu verhindern. "Und deshalb dürfen wir keine Sekunde leichtfertig oder leichtsinnig werden, uns keine Sekunde in Sicherheit wiegen", betont die Kanzlerin.

Sie wisse um die Not der Menschen, so Merkel weiter: um die der Alleinerziehenden, der Gastronomen und Unternehmen, der Künstler; sie wisse um die Erwartung der Kirchen, die den Gläubigen mehr als nur Online-Gottesdienste ermöglichen wollten. Sie sehe auch das "dringende Bedürfnis", das Freiheitsrecht der Versammlung und Demonstration wieder wahrnehmen zu können, und sie wisse um die Not einsamer Menschen.

Kraft für harte und strenge Maßnahmen

Die Pandemie verlange uns allen "ziemlich viel ab", sagt Merkel, die damit vor allem eine Botschaft vermitteln will: Es liegt noch ein langer Weg vor uns.

"Ich bin davon überzeugt, dass wir all dieser Not, all den Hoffnungen, und Erwartungen, Wünschen und Ansprüchen am besten begegnen, wenn wir gerade am Anfang dieser Pandemie weiter die Kraft zu harten und strengen Maßnahmen aufbringen." Bundeskanzlerin Angela Merkel

Kein erneuter Shutdown – außer …

Es seien sich in Bund und Ländern alle einig, dass es keinen zweiten Shutdown geben werde. Und hier kommt erneut ein "Aber": Der würde folgen, wenn die Zahlen erneut exponentiell anstiegen. Dann wäre es "unvermeidlich", so Merkel. Dass es nicht so weit komme, sei nicht nur aus medizinischer Sicht wichtig, sondern auch für die Entwicklung der Wirtschaft und des gesellschaftlichen Lebens.

Sieben Minuten dauert das Statement der Kanzlerin bereits, es sind sieben Minuten der eindringlichen Mahnung. Dann kommt sie auf die Beschlüsse des Corona-Kabinetts zu sprechen. Es sei wichtig, eine "präzise Nachverfolgung aller Infektionsketten" zu gewährleisten. Wer infiziert sei, müsse genau schildern, mit wem er in Kontakt war; die Personen müssten in Quarantäne.

Maßnahmen im Gesundheitswesen

Dafür soll der öffentliche Gesundheitsdienst gestärkt werden. Von "Kontaktnachverfolgungsteams" spricht Merkel nun, von "mobilen Teams", Telefonketten und Service-Einheiten. "Das mag sich technisch anhören", räumt sie ein. Aber man wisse aus Ländern wie Südkorea, von welch entscheidender Bedeutung es sei, die Infektionsketten – jede einzelne – gut nachzuvollziehen. "Ehrlich gesagt: Das können wir heute noch nicht." Aber nur dann lasse sich das Virus eindämmen.

"Dankeschön, das war’s", sagt Merkel nach knapp zehn Minuten, und sie wirkt ein wenig erleichtert. Es war ihr sichtbar wichtig, einmal mehr diese Mahnung an die Menschen zu richten. Sie fühle sich verpflichtet, auch ihre Haltung mit einzubringen in die Diskussion, sagt sie noch, und beantwortet sichtlich entspannter die Fragen der Journalisten.

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