BR24 Logo
BR24 Logo
Deutschland & Welt

Merkel mahnt bei Auschwitz-Besuch Kampf gegen Antisemitismus an | BR24

© BR

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich bei einem Besuch im früheren NS-Vernichtungslager Auschwitz tief betroffen gezeigt. Sie rief zu einem entschiedenen Kampf gegen den Antisemitismus in Deutschland und Europa auf.

3
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Merkel mahnt bei Auschwitz-Besuch Kampf gegen Antisemitismus an

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich bei einem Besuch im früheren NS-Vernichtungslager Auschwitz tief betroffen gezeigt. Sie rief zu einem entschiedenen Kampf gegen den Antisemitismus in Deutschland und Europa auf.

3
Per Mail sharen
Teilen

Bundeskanzlerin Merkel hat sich tief betroffen gezeigt angesichts der von den Nationalsozialisten begangenen Gräueltaten im deutschen Konzentrationslager Auschwitz. Bei ihrem ersten Besuch in der Gedenkstätte sagte die Kanzlerin, sie "empfinde tiefe Scham".

Dem Antisemitismus die Stirn bieten

Angesichts der Verbrechen, die die Grenzen alles Fassbaren überschritten, müsse man vor Entsetzen eigentlich verstummen. Dennoch dürfe das Schweigen nicht die einzige Antwort sein. Deutschland sei verpflichtet, die Erinnerung an die damaligen Verbrechen wach zu halten, so Merkel.

"Wir dulden keinen Antisemitismus. Alle Menschen in Deutschland und Europa müssen sich sicher und zuhause fühlen", sagte sie am Freitag in der in Polen liegenden heutigen Gedenkstätte. Es gebe aber eine besorgniserregende Entwicklung zu mehr antisemitischen und rassistischen Angriffen. Gerade Deutschland trage beim Kampf dagegen besondere Verantwortung.

Wider das Vergessen

Merkel trat durch das berüchtigte Tor des Lagers mit der Aufschrift "Arbeit Macht Frei" ein und entzündete eine Kerze zum Gedenken an die mehr als 1,1 Millionen Menschen, die in Auschwitz getötet wurden. Begleitet wurde sie vom polnischen Premierminister Mateusz Morawiecki, dem Direktor des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau, Piotr Cywinski, sowie dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster.

Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald Lauder, führte die Bundeskanzlerin durch die konservatorische Werkstatt des Museums, das an der Erhaltung jedes Gebäudes, jedes Dokumentes und aller Gegenstände bis hin zu jedem einzelnen Schuh arbeitet. Merkel besuchte auch das Gebäude der sogenannten "Zentralsauna" im ehemaligen Lager Birkenau, in dem die Häftlinge einer "Desinfektion" unterzogen wurden, bevor sie zur Sklavenarbeit gezwungen wurden.

Die Bundeskanzlerin würdigte die Konservierungsarbeiten und dankte: "Mit großem Engagement wurde dafür gesorgt, dass dieser Ort weiter Zeugnis ablegt. Diese Geschichte muss erzählt werden, immer und immer wieder", sagte sie.

Merkel: Deutschland muss sich der Verantwortung stellen

"Auschwitz war ein deutsches, von Deutschen betriebenes Vernichtungslager", betonte die Kanzlerin in Anwesenheit des polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki. Hintergrund ist die Kritik Polens, dass mitunter von "polnischen Lagern" gesprochen werde. "Es ist wichtig, die Täter deutlich zu benennen. Das sind wir Deutsche den Opfern schuldig und uns selbst."

Diese Verantwortung sei für immer Teil der Identität Deutschlands und werde nie enden, sagte Merkel und warnte, dass einige versuchten, die Geschichte umzudeuten oder zu relativieren. Merkel erinnerte ausdrücklich nicht nur an die jüdischen, sondern auch die polnischen und sowjetischen Opfer in Auschwitz-Birkenau sowie die dort ermordeten Sinti und Roma.

60 Millionen für den Erhalt der Gedenkstätte

Zudem kündigte die Kanzlerin an, dass Deutschland für die Stiftung Auschwitz-Birkenau für die Jahre 2020 und 2021 zusätzliche 60 Millionen Euro bereitstellen werde. Dieselbe Summe hatte Deutschland bereits zwischen 2011 und 2015 gezahlt. Die Gedenkstätte in Auschwitz müsse die Erinnerung an die Verbrechen zwischen 1940 und 1945 langfristig sichern, forderten Merkel und Morawiecki.

Merkel besucht die Gedenkstätte auf Einladung der Stiftung Auschwitz-Birkenau, die ihr zehnjähriges Bestehen begeht. Ihr Besuch ist der erste in ihrer 14-jährigen Amtszeit als Bundeskanzlerin und erst der vierte Kanzler-Besuch in Auschwitz überhaupt.