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Merkel besucht Gedenkstätte - Auschwitz will nicht schweigen

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Merkel besucht Gedenkstätte - Auschwitz will nicht schweigen

Hunderte persönliche Gegenstände hat die Stiftung Auschwitz-Birkenau im ehemaligen KZ seit zehn Jahren zutage gefördert. Deutschland finanziert den Erhalt der Gedenkstätte mit - Kanzlerin Merkel besucht diese nun erstmals.

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Behutsam treibt Handwerker Jozef Stein für Stein zurück in den Fußboden von Baracke sieben des früheren Vernichtungslagers Auschwitz 2 Birkenau. Die grob behauenen Fäustlinge sollen wieder genau so zu liegen kommen, wie sie lagen, bevor sie den Stein-Boden der KZ-Baracke öffneten, um das angegriffene Fundament zu retten. Aber auch die Steine selbst haben über die Jahre gelitten und weisen teils Risse auf.Es geht um den Erhalt eines Ortes, in dem über eine Million Menschen ermordet wurden, die meisten durch Gas. Und es gab Momente während der mehrjährigen Arbeit, da vergegenwärtigten sich dem Handwerker Jozef Opfer des Holocausts: "Als ich die Ziegel aufgehoben habe, lagen in 30 bis 40 Zentimeter Tiefe versteckte Dinge. Ich habe selbst so etwas gefunden, und es hat mich sehr bewegt."

Sumpfiges Gelände

Block sieben gehörte zur sogenannten Isolierstation im NS-Vernichtungslager. Im Mai 1942 begannen hier die ersten Selektionen kranker Menschen in den Tod. Block sieben und eine Nachbarbaracke sind zugleich die ersten, die mit Mitteln der Stiftung Auschwitz Birkenau konserviert und abgesichert werden. Damit mit den letzten Zeitzeugen nicht auch die materiellen Erinnerungen an den Holocaust verschwinden.

Die Zeit hatte zuletzt gedrängt: Das Gelände in Birkenau ist sumpfig - die Baracken waren nicht für die Ewigkeit gebaut. Die nur zwölf Zentimeter breiten Ziegelmauern begannen sich unter dem Druck des Daches zu beugen. Doch während sich die Restauratoren in und um die Baracken vorarbeiteten, begann Auschwitz zu sprechen.

Persönliche Gegenstände erzählen Geschichten

"Wir haben im Laufe der Konservierung von zwei Baracken ungefähr 1.000 persönliche Gegenstände gefunden, die keiner erwartet hat. Wir wussten, dass es bestimmte Gegenstände dort geben wird, aber keiner hat erwartet, dass das Ausmaß so groß ist", sagt Wojciech Soczewica von der Stiftung Auschwitz Birkenau. Diese finanziert die Konservierungsarbeiten maßgeblich. Da sind Juwelierstücke, Ringe, religiöse Gegenstände, Anhänger, Brillen, Teile von Brillen. Diese wurden entweder verloren oder absichtlich versteckt - wie wohl ein Taschenmesser, das sich zwischen Dachplatten fand.

Die wenigsten Habseligkeiten lassen ein Dreivierteljahrhundert danach noch Rückschlüsse auf konkrete Besitzer zu. Aber manche erzählen doch eine Geschichte - wie ein gefundener Goldring. "Interessant ist, dass dieser Ring Spuren von Juwelieren trägt, die im Ghetto Litzmannstadt gearbeitet haben. Dort haben die besten Juweliere gearbeitet und bestimmte Merkmale eingearbeitet", so Soczewica. Die Gegenstände werden nun konserviert und gehen in den Fundus der Gedenkstätte in Auschwitz-Birkenau ein.

Bund und Länder geben 60 Millionen für Auschwitz-Stiftung

Deutschland hat der Stiftung Auschwitz-Birkenau finanzielle Unterstützung zugesagt. Bund und Länder hätten sich geeinigt, gemeinsam 60 Millionen Euro an die Organisation zu zahlen, sagte Kanzlerin Angela Merkel. Die Stiftung war 2009 gegründet worden, um den Erhalt der Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers sicherzustellen. Dazu soll ein Fonds mit insgesamt 120 Millionen Euro aufgebaut werden.