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Mehrere Menschen an Feiertagen von Lawinen verschüttet | BR24

© Urs Flueeler/dpa/Keystone

Bei einer Lawine auf eine Skipiste in Andermatt-Sedrun wurden am Zweiten Weihnachtsfeiertag mindestens sechs Skifahrer verschüttet.

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Mehrere Menschen an Feiertagen von Lawinen verschüttet

An den Weihnachtsfeiertagen sind in den Alpen zahlreiche Menschen auf und neben Skipisten von Lawinen eingeschlossen worden - bisher meist mit glimpflichem Ausgang. In der Schweiz wurden sechs Verschüttete gerettet, in Österreich bisher zwei.

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Lawinenabgänge haben in den vergangenen beiden Tagen mehrere Wintersportler in den Alpen eingeschlossen. Im Schweizer Skigebiet Andermatt-Sedrun wurden am Zweiten Weihnachtsfeiertag mindestens sechs Menschen verschüttet. Das Schneebrett war am Vormittag auf einer markierten Skipiste niedergegangen. Zwei Leichtverletzte konnten nach Angaben der Kantonspolizei Uri inzwischen gerettet und in ein Krankenhaus gebracht werden. Vier Menschen hätten sich unverletzt befreien können.

Suche in Andermatt am Abend beendet

Gegen 18.15 Uhr beendete die Einsatzleitung die Suche. Man sei sich sicher, dass die Lawine weiter niemanden verschüttet hatte. "Wir suchen, bis wir den ganzen Lawinenkegel abgesucht haben und zu 100 Prozent sicher sind, dass niemand mehr unter der Schneemasse liegt", hatte Kommandant Reto Pfister von der Kantonspolizei Uri zuvor versichert. Es habe sich um eine Lawine von beachtlicher Größe gehandelt.

Im Internet kursierten Aufnahmen von der Katastrophe bei strahlendem Sonnenschein, die einen mächtigen Schneeabgang zeigten, der Skifahrer zu verschlucken schien. Die Piste war am Morgen für diese Saison eröffnet worden und musste noch präpariert und gesichert werden, wie Stefan Kern, Sprecher der Skiarena Andermatt-Sedrun mitteilte. Für die Region gilt nach Angaben des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) Gefahrenstufe 3, was einer erheblichen Lawinengefahr entspricht. In den vergangenen Tagen hatte es in dieser Region viel Neuschnee gegeben.

Wintersportler in Kärnten von Lawine verschüttet

Auch im österreichischen Bundesland Kärnten gingen am Donnerstag mehrere Lawinen nieder. Rettungskräfte suchen nach den Verschütteten im Skigebiet Ankogel - bisher konnte ein Wintersportler aus den Schneemassen gerettet werden, wie die Nachrichtenagentur APA unter Berufung auf die örtliche Polizei am frühen Nachmittag mitteilte.

Die ersten Schneebretter wurden laut der Betreiberfirma der Bergbahnen von zwei Wintersportlern ausgelöst, die sich abseits der gesicherten Piste aufhielten. Während der Suche löste sich jedoch eine weitere Lawine, die laut Augenzeugenberichten noch bis zu vier weitere Skifahrer verschüttet haben könnte. Inzwischen ist das Skigebiet gesperrt.

"Weihnachtswunder" in Österreich

Viel Glück hatte am ersten Weihnachtsfeiertag ein Skitourengeher in den Österreicher Alpen: Nach fünf Stunden konnte der 26-Jährige von den Bergrettern befreit werden, nachdem ihn bei seiner Tour auf den Pleschnitzzinken bei Pruggern eine Lawine verschüttet hatte. Der Mann sei unterkühlt und verletzt, aber außer Lebensgefahr, hieß es. Er kam ins Krankenhaus in Schladming.

Er hatte offenbar einen Luftraum zum Atmen vor seinem Gesicht gehabt. Dennoch sprach der zuständige Landesleiter der Bergrettung, Michael Miggitsch, angesichts des langen Zeitraums, in dem der Mann eingeschlossen war, von einem "Weihnachtswunder".

Männer unterschätzten Situation am Watzmann

Auch in Bayern musste die Bergwacht ausrücken - jedoch nicht, weil Lawinen niedergingen. Drei Wanderer, die am Watzmann im Berchtesgadener Land unterwegs waren, hatten ihre Kräfte überschätzt. In der Nacht auf den Zweiten Weihnachtsfeiertag wurden sie von den Rettungskräften vom Berg geholt. Die Münchner wollten laut dem Bayerischen Roten Kreuz (BRK) trotz schlechten Wetters und hoher Lawinengefahr zum Watzmannhaus wandern - ohne Ski oder Schneeschuhe.

Nach einem Marsch, der fast elf Stunden dauerte, konnten sie sich in einen Stall der nicht bewirtschafteten Falzalm retten, wo sie ein Feuer machten, um sich aufzuwärmen. Gegen 0.50 Uhr riefen sie die Bergwacht zu Hilfe. Als die Rettungskräfte eintrafen, war einer der Männer bereits in kritischem Zustand. Er wurde mit einem weiteren Wanderer in ein Krankenhaus gebracht. Der dritte konnte erst nach einer hitzigen Diskussion überzeugt werden, sein Vorhaben abzubrechen und mit ins Tal abzusteigen.

Bergwacht warnt vor Leichtsinn

Bereits am ersten Weihnachtsfeiertag hatte die Bergwacht im Berchtesgadener Land am Jenner einen erschöpften Schneeschuhwanderer gerettet. Der 56-jährige Oberpfälzer wollte alleine zum Carl-von-Stahl-Haus, einer auch im Winter geöffneten Alpenvereinshütte auf über 1.700 Meter Höhe, aufsteigen. Wegen eines Schneesturms verließen ihn jedoch seine Kräfte und er glaubte, sich verirrt zu haben. Daraufhin setzte er einen Notruf ab und konnte schließlich von den Rettungskräften trotz seines leeren Handys gefunden und ins Tal gebracht werden.

Insgesamt dauerte der Einsatz fünf Stunden. Die Bergwacht nahm den Fall zum Anlass, vor den derzeit trügerischen Verhältnissen in den Bergen zu warnen. Im Tal sei es weitgehend grün, weiter oben liege dann aber überraschend viel Schnee. Der starke Wind habe zudem zu vielen Verfrachtungen geführt weshalb vielerorts eine große Lawinengefahr herrsche.

© BR.de

In den Alpen ist nach heftigen Schneefällen in den letzten Tagen die Lawinengefahr hoch. In der Schweiz und in Österreich gab es heute mehrere folgenschwere Lawinenunglücke.