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Interview: Mehr Stress als Entlastung - Macht Homeoffice krank? | BR24

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Die Arbeitspsychologin Dr. Hannah Schade im Interview zum Thema: "Macht Homeoffice krank?"

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Interview: Mehr Stress als Entlastung - Macht Homeoffice krank?

Wann und wo immer möglich, müssen Beschäftigte jetzt von zu Hause aus arbeiten. Schön, sagen die einen, doch andere macht Homeoffice einsam, sogar krank. Denn anders als im Büro, fehlt daheim die klare Trennung zwischen Arbeit, Pause und Feierabend.

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Von
  • Ines Schneider

Wann und wo immer möglich, müssen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer jetzt von zu Hause aus arbeiten. Das hat schon seine Vorteile: Kein Pendeln mehr, freie Zeiteinteilung und der Arbeitsablauf ist oftmals ungestörter. Doch von zuhause aus arbeiten kann auch eine große Belastung sein. Viele Menschen fühlen sich nach dieser sehr langen Zeit, die sie schon von zuhause aus arbeiten auch alleine und wären tatsächlich sehr, sehr dankbar für Kontakt zu den Kollegen. Wenigstens ab und zu.

Ein Gespräch mit Arbeitspsychologin Dr. Hannah Schade vom Leibniz-Institut in Dortmund.

Frau Dr. Schade: Macht Homeoffice einsam ?

Dr. Hannah Schade: "Wir haben eine Studie durchgeführt, wo wir gesehen haben, dass die Menschen im Homeoffice eigentlich ganz gut klar kommen. Aber das eine Bedürfnis, das wirklich ganz stark vernachlässigt ist, ist das Bedürfnis nach menschlicher Verbindung. Das fehlt den Leuten im Homeoffice. Und dann gibt es das Gegenteil. Die Leute, die mit Familie eingesperrt sind, die sich besonders überfordert fühlen."

Dann kann Homeoffice auch richtig krank machen oder geht das zu weit?

Dr. Hannah Schade: "Prinzipiell kann das auf jeden Fall krank machen. Das Bedürfnis nach Kontakt ist ein ganz grundlegendes menschliches Bedürfnis. Und wenn das über lange Zeit nicht befriedigt wird, dann kann das schon zu Depressionen führen."

Gibt es denn so etwas wie ein Warnsignal, wo Sie sagen würden: Ab dem Punkt sollte man darauf bestehen, ins Büro zu dürfen?

Dr. Hannah Schade: "Ich denke, wie man aufsteht, ist immer ein guter Hinweis. Also wenn man nur sehr schwer aus dem Bett kommt und wirklich das Gefühl hat, überhaupt keine Kraft für den Tag zu haben, obwohl man gerade geschlafen hat, dann ist das schon immer ein Zeichen, dass etwas wirklich im roten Bereich ist."

Sie sagen, das Problem sind die fehlenden sozialen Kontakte. Aber Arbeiten zuhause könnte durchaus auch Vorteile haben. Man verplempert weniger Zeit in der Teeküche und die Arbeit steht mehr im Mittelpunkt. Kann Homeoffice also auch gut tun ?

Dr. Hannah Schade: "Ja, selbstverständlich. Gerade für Menschen, die kein besonders großen Wert auf die Interaktion mit Kollegen legen. Die können im Homeoffice die Arbeit sehr viel straffer erledigen, ohne den Weg zur Arbeit und ohne die Interaktionen, die ihnen vielleicht gar nicht so liegen."

Stichwort Kleidung - Jogginghose oder komplett Büro tauglich: Spielt es für meine Arbeitsmoral eine große Rolle, wie ich mich anziehen?

Dr. Hannah Schade: "Das hängt ganz von der Person ab. Ich denke, wenn sich jemand stark mit seiner Arbeit identifiziert und für sie begeistert, dann ist es vollkommen egal, was man trägt. Aber wenn man merkt, dass es einem vielleicht auch schwer fällt, wenn man sich ein bisschen zwingen muss, dann kann man sich selber ein bisschen austricksen, indem man sich besonders schick dafür anzieht. Wenn man sich selber signalisiert, wie professionell man ist und es dann möglicherweise eben auch ein bisschen leichter fällt."

Abschließend ihr Tipp an alle, die jetzt ins Homeoffice müssen, obwohl sie vielleicht gar nicht wollen und sich auch schwer damit tun. Auf was sollte man denn achten, damit es trotzdem einigermaßen gut funktioniert?

Dr. Hannah Schade: "Ich glaube, Grenzen sind wichtig und sich um Kontakt bemühen. Also, wenn man sich mit einer Kollegin oder einem Freund, die auch im Homeoffice arbeiten müssen, verabredet. Morgens um acht gemeinsam den Tag starten und besprechen, was man vor hat oder sich zu einem gemeinsamen sagen wir "Ausklangs-Kaffeegespräch" treffen oder spazieren gehen. Einfach, um so eine Grenze einzuziehen zwischen dem Arbeitstag und dem Feierabend. Das würde ich auf jeden Fall empfehlen.

Ein Ein Gespräch mit der Arbeitspsychologin Dr. Hannah Schade vom Leibniz-Institut in Dortmund zum Thema des Tages auf B5 aktuell: "Macht Homeoffice krank?"

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Arbeitsminister Hubertus Heil zur Homeoffice-Verordnung

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