BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© dpa-Bildfunk/Caroline Seidel
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Caroline Seidel

Untersuchung einer Schwangeren

Per Mail sharen

    Mehr Schwangere auf Intensivstation - Ärzte für Impfung

    Intensivmediziner warnen vor der Zunahme schwangerer Corona-Patientinnen. Allein am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf habe es jüngst fünf solcher Fälle gegeben. Mediziner sprechen sich daher jetzt für Impfungen von Schwangeren aus.

    Per Mail sharen
    Von
    • BR24 Redaktion

    Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) versorgen Intensivmediziner zunehmend an Covid-19 erkrankte Schwangere. Allein in den vergangenen zwei Wochen habe es fünf solcher Fälle gegeben, sagte der Direktor der Klinik für Intensivmedizin am UKE, Stefan Kluge. Er sprach sich dafür aus, "unbedingt auch Schwangere" zu impfen, was bisher nicht von der Ständigen Impfkommission (Stiko) empfohlen wird, und schloss sich damit der Meinung mehrerer seiner Kollegen an.

    Die aktuelle Häufung hat laut Kluge auch damit zu tun, dass die Frauen aus anderen Häusern ins UKE verlegt werden. Allerdings habe es am UKE im gesamten Jahr 2020 nur einen solchen Fall gegeben, in den ersten Monaten 2021 schon sieben. Das liege auch an der Variante B.1.1.7, die deutlich ansteckender ist und im Verdacht steht, schwerere Krankheitsverläufe zu verursachen. Die betroffenen Patientinnen seien Frauen um die 30, die im Regelfall keinerlei Vorerkrankungen hätten. "Diese Frauen stehen mitten im Leben. Für die behandelnden Teams sind diese Fälle sehr belastend", sagte Kluge. Die Frauen seien meistens im dritten Trimester der Schwangerschaft. Teils stünden Ärzte und Pflegekräfte vor der Frage, ob und wann das Kind entbunden werden müsse. Auch die Gabe von Medikamenten sei bei Schwangeren natürlich ein heikles Thema.

    Einige Länder empfehlen Impfung von Schwangeren

    Wenn sich Schwangere mit Sars-CoV-2 infizieren, kann das riskant werden. Wie Kluge erklärt, ist das Immunsystem bei Schwangeren generell etwas herabgesetzt und die Sauerstoffaufnahme reduziert. In mehreren anderen Ländern wird ausdrücklich auch Schwangeren die Impfung gegen Covid-19 empfohlen, in der Regel mit mRNA-Präparaten.

    In Israel hatten der Frauenärzteverband sowie das Gesundheitsministerium bereits im Januar eine Empfehlung zur Impfung schwangerer und stillender Frauen gegen das Coronavirus abgegeben. In den USA haben sich bereits mehr als 100.000 Schwangere impfen lassen.

    Frauenärzte: Impfung aller Schwangeren "äußerst sinnvoll"

    Eine Impfung aller Schwangeren wäre "äußerst sinnvoll", erklärte der Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte, Christian Albring, vor einigen Tagen. "Daten aus den USA und Großbritannien lassen erwarten, dass auch die Ständige Impfkommission, die Stiko, in absehbarer Zeit die Impfung Schwangerer propagieren wird."

    Schwangere mit Covid-19 erlitten prozentual häufiger schwere Krankheitsverläufe als Gleichaltrige nicht schwangere Frauen. Bei den erkrankten Schwangeren zeige sich ein Anstieg von Tot- und Frühgeburten und eine erhöhte Rate an Kaiserschnitten. "Eine von 25 erkrankten Schwangeren muss intensivmedizinisch behandelt werden. Wird hier eine Beatmung notwendig, so liegt die Sterblichkeit bei zwei Prozent", so Albring.

    Stiko noch etwas zurückhaltend

    Schwangere können laut Stiko zwar geimpft werden, es geht aber eher um Ausnahmefälle. In der Empfehlung der Ständigen Impfkommission heißt es: "Schwangeren mit Vorerkrankungen und einem daraus resultierenden hohen Risiko für eine schwere Covid-19-Erkrankung kann in Einzelfällen nach Nutzen-Risiko-Abwägung und nach ausführlicher Aufklärung eine Impfung angeboten werden."

    Dass die Impfung nicht generell empfohlen wird, begründet die Stiko mit bislang fehlenden Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit. Die Stiko sichte und prüfe kontinuierlich "die sich entwickelnde Erkenntnis-Lage" und werde die Impfung Schwangerer gegebenenfalls dann allgemein empfehlen, wenn die "vorliegende Evidenz" dies zulasse, so Marianne Röbl-Mathieu. Sie ist die Vertreterin der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) in dem Expertengremium. Bedenken muss man: In die ersten Zulassungsstudien waren Schwangere nicht einbezogen.

    US-Studie gibt Entwarnung

    Erst kürzlich erschienen ist eine Studie im "New England Journal of Medicine" mit Daten von mehr als 35.000 Frauen in den USA. Drosten fasste das Ergebnis so zusammen: Die Impfung sei "im Prinzip kein Risiko". Schwangere hätten aber im Vergleich zu Nicht-Schwangeren nach der Impfung eher häufiger lokale Impfreaktionen wie einen schmerzenden Arm. Und für die vulnerabelste Phase, das erste Schwangerschaftsdrittel, könne man aus der Studie kaum etwas ableiten. Drosten sagte, ein Vorgehen wie etwa in Frankreich sei anhand der jetzt vorliegenden Daten zu unterstützen. Dort zählen Schwangere ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel zu den impfberechtigten Gruppen. Auch Österreich verfährt neuerdings so.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!