© pa/dpa/Dominic Lipinski

Depression

Die Belastung am Arbeitsplatz nimmt zu, per Handy sind wir überall erreichbar und die Ansprüche, die andere oder wir selbst an uns haben, sind häufig zu hoch. Immer mehr Menschen wenden sich inzwischen an Fachärzte oder Kliniken, die längst überlastet sind. Das gilt auch für die ehrenamtlichen Betreuungsstellen wie die in Aschaffenburg.

Die ehrenamtliche Betreuerin Christine Hochhaus besucht Senioren im Matthias-Claudius-Haus, einem Seniorenheim in Aschaffenburg. Eine von ihnen ist Wilfriede Kout. Sie ist an Demenz erkrankt und freut sich über jeden Besuch von Christine Hochhaus, die für sie Schuhe kauft oder Ämtergänge erledigt.

"Ich brauche sie - ich bin ja auf sie angewiesen. Wenn ich was brauche, ich kann es nicht mehr, dann vergesse ich viel. Da frage ich sie – sie macht ja alles für mich! Ich bin dem Herrgott so dankbar, dass ich sie habe, glauben Sie mir!" Wilfriede Kout, Seniorin

Christine Hochhaus hat Erfahrung und weiß, wie sie mit Menschen umgeht, die psychisch krank sind.

"Ich habe noch einen Herrn, den ich seit 2012 betreue. Er hatte eine Zeitlang Verfolgungswahn, das haben wir mit der Ärztin aber gut hingekriegt. Und dann habe ich noch einen jungen Mann von 42, er lebt in der Lebenshilfe, hat eine Minderbegabung, ist aber ein ganz lebensfroher Mensch – finde ich toll." Christine Hochhaus

28 Prozent aller Deutschen sind psychisch krank

Christine Hochhaus arbeitet im Sozialzentrum am Rosensee, einer Psychiatrischen Tagesklinik. Der dortige Oberarzt Kevin Streblow bestätigt: Die Zahl der Menschen mit psychischen Erkrankungen ist in den letzten Jahren drastisch angestiegen. In Unterfranken wurden letztes Jahr 7.300 Menschen in Bezirkskliniken behandelt. Das sind fast 2.000 mehr als vor 13 Jahren.

Es fehle an niedergelassenen Psychiatern und Fachärzten, viele Einrichtungen seien überlastet. Darüber spricht Streblow beim heutigen Betreuungstag in Aschaffenburg. Auch Depressionen, Sucht und Burnout sind Thema, sagt Veronika Fries von der städtischen Betreuungsstelle.

"Grundsätzlich ist zu beobachten, dass psychische Erkrankungen eine immer größere Bedeutung haben. Arbeitsunfähigkeitstage und Frühverrentungen aufgrund einer psychischen Erkrankungen nehmen immer mehr zu – das erfahren auch andere Kollegen. Daraufhin hat unsere Bürgermeisterin Ende letzten Jahres einen runden Tisch ins Leben gerufen, zur Situation psychisch Kranker." Veronika Fries, Städtische Betreuungsstelle Aschaffenburg

Veronika Fries verweist auf eine Studie des Robert-Koch-Instituts, wonach rund 28 Prozent aller Deutschen eine psychische Erkrankung haben.

"Die Zahl der Betreuungen steigt, weil auch familiäre Systeme oft brüchiger werden und niemand mehr da ist, der die Aufgabe übernehmen kann oder möchte. Und deshalb sind die Menschen angewiesen auf ehrenamtliche Betreuer und Berufsbetreuer." Veronika Fries

Belastungen für Betreuer steigen

Das merken auch die ehrenamtlichen Betreuer im Raum Aschaffenburg. Christine Hochhaus trifft zwei weitere Betreuer im Matthias-Claudius-Haus, in der Cafeteria des Seniorenwohnheims: Toni Burczyk ist seit über 30 Jahren als ehrenamtlicher Betreuer tätig, hat aktuell neun Klienten. Bei einem drogensüchtigen jungen Mann ist er an seine Grenzen gestoßen und hat ihn abgegeben.

Neben Toni Burczyk sitzt Christine Lange aus Mainaschaff. Sie betreut ihren schwer behinderten Sohn und einen Mann aus Kuba, der unter dem Regime von Fidel Castro sehr gelitten habe und der mit Angstzuständen kämpfe.

"Oftmals stehen wir Betreuer ganz alleine da. Ich wünsche mir, dass wir in bestimmten Themen, die jedes Mal auch komplexer sind, ein bisschen mehr Unterstützung bekommen in einer Vorbereitung, also mit Tagungen und Seminaren, wo man sich auch austauschen kann." Christine Lange

Die Aschaffenburger wünschen sich eine höhere Vergütung für Berufsbetreuer, denn die Gelder seien seit 2005 nicht mehr erhöht worden. Und sie betonen: Es gibt immer mehr, vor allem ältere, Menschen mit Betreuungsbedarf – hier könne es gar nicht genügend helfende Hände geben.