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"Mehr als ernüchternd": Weltklimakonferenz in der Kritik | BR24

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Bei der Weltklimakonferenz in Madrid gibt es noch Gräben zwischen den verhandelnden Staaten. Dabei sollte der Gipfel gestern schon zu Ende sein. Umweltschützer zeigen sich entsetzt über den Verhandlungsstand. Auch Deutschland ist unzufrieden.

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"Mehr als ernüchternd": Weltklimakonferenz in der Kritik

Bei der UN-Klimakonferenz sucht die Weltgemeinschaft noch immer nach einem Kompromiss, der Entwurf der Abschlusserklärung ist umstritten. Umweltschutzorganisationen zeigen sich vom Verhandlungsstand entsetzt.

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Seit Freitagabend ist die Klimakonferenz in Madrid in der Verlängerung. Der Entwurf der Abschlusserklärung, den die chilenische Präsidentschaft vorgelegt hat, stößt vor allem bei den Staaten auf Kritik, die sich für mehr Ambitionen beim Klimaschutz einsetzen. Sie werfen Chile vor, Staaten wie den USA oder Brasilien, die für weniger strenge Auflagen sind, zu sehr entgegen zu kommen.

Unter anderem bezeichnete Bundesumweltministerin Schulze die Verhandlungen am Nachmittag als "sehr schwierig". Der vorliegende Beschlusstext sei nicht einigungsfähig.

"Es kann nicht sein, dass diejenigen, die bremsen, dass die hier das Ergebnis dieser Weltklimakonferenz entscheiden". Bundesumweltministerin Svenja Schulze, SPD

Umweltschutzorganisationen üben scharfe Kritik

Ähnlich äußerte sich Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan. Sie sagte, die Herangehensweise der chilenischen Präsidentschaft zeige, dass sie stärker auf die Klimasünder gehört habe als auf die Menschen.

Der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt erklärte, Staaten wie Australien, Brasilien oder China nähmen allen emotionalen Appellen zum Trotz Länder als Geisel, denen das Wasser wortwörtlich bis zum Hals stehe.

Auch die deutsche Fridays-for-Future-Aktivistin Luise Neubauer äußerte sich enttäuscht. Sie schrieb auf Twitter, die Konferenz sende das fatale Signal, dass Regierungen nicht verstanden hätten, was auf dem Spiel stehe; dass sie bereit seien, die Warnungen der Wissenschaft abzutun und es okay fänden, die Stimmen von Millionen auf den Straßen zu ignorieren.

Landesbeauftragter Bund Naturschutz: "Mehr als ernüchternd"

Der Landesbeauftrage des Bund Naturschutz in Bayern, Martin Geilhufe, übte ebenfalls scharfe Kritik. Im BR sagte er, der aktuelle Stand sei "mehr als ernüchternd". Länder wie Brasilien und Indien würden sogar verhindern, dass freiwillige Maßnahmen für das kommende Jahr in das Abschlussdokument geschrieben würden.

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Der aktuelle Stand der Klimakonferenz in Madrid sei mehr als ernüchternd, so Martin Geilhufe, Landesbeauftragter Bund Naturschutz. Es sei enttäuschend, dass Länder wie Indien sogar eine freiwillige Veröffentlichung der Zahlen verhindern wollen.

Abgeschwächte Ziele statt starkem Signal?

In Madrid sitzen seit nun fast zwei Wochen Vertreter aus 196 Ländern zusammen, um zu beraten, wie das Pariser Klimaabkommen konkret umgesetzt werden soll, das im kommenden Jahr in Kraft tritt. Das Ziel ist es, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen - derzeit steuert die Erde auf einen Anstieg der Durchschnittstemperatur von mehr als drei Grad bis zum Jahr 2100 zu.

Im von Chile vorgelegten Entwurf für die Abschlusserklärung fehlte unter anderem eine nachdrückliche Aufforderung, im nächsten Jahr die Ziele beim Einsparen von Treibhausgasen zu erhöhen - vor allem für Staaten, die schon jetzt mit fatalen Folgen des Klimawandels kämpfen, ist das ein Knackpunkt. Es fand sich darin lediglich eine Erinnerung an den Pariser Pakt, die eine Aktualisierung der Zusagen für 2020 vorsieht - ohne Frist oder Appell, auch wirklich etwas draufzulegen.

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Eine Einigung bei der Weltklimakonferenz in Madrid auf weitere Schritte zum Kampf gegen die Erderwärmung ist weiter ungewiss, so ARD-Reporter Jakob Mayr. Die am 2. Dezember eröffnete Konferenz sollte eigentlich schon am Freitag beendet werden.