BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: REUTERS/Mohammed Salem

Der Konflikt im Nahen Osten esakliert immer weiter und die Welt schaut hilf- und tatenlos zu. Zunehmend wird der Konflikt zwischen Juden und Palästinensern selbst immer stärker auf der Straße ausgetragen. Beide Seiten gehen brutal aufeinander los.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Mehr als 1.600 Raketen auf Israel - offenbar auch aus Libanon

Der Gaza-Konflikt schaukelt sich immer weiter hoch. In Tel Aviv heulten auch tagsüber Sirenen. Laut israelischer Armee wurden auch drei Raketen aus dem Libanon abgefeuert. In Deutschland kam es indes erneut zu antisemitischen Protesten.

Per Mail sharen
Von
  • Benjamin Hammer
  • BR24 Redaktion

Eine Moschee in Gaza-Stadt. Die Gläubigen feiern Eid al-Fitr, das Fest des Fastenbrechens. Eigentlich eine schöne Zeit. Diesmal jedoch überschattet von der kriegerischen Auseinandersetzung mit Israel. Ein junger Mann verteilt auf der Straße Schokolade. Beziehungsweise: Auf dem was von der Straße noch übrig ist. Eine Art Krater ist zu sehen.

"Ich verteile die Schokolade, weil ich die Freude des Eid spüren will und sie den Menschen um mich herum ermöglichen möchte", sagte der Mann der Nachrichtenagentur AP. "Wie Sie sehen können: Die Stimmung passt absolut nicht zum Fest. Die Luftangriffe, die Zerstörung. Möge Gott allen helfen."

© BR
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Khalil Hamra

Der Gaza-Konflikt schaukelt sich immer weiter hoch. In Tel Aviv heulen nun auch tagsüber Sirenen. Israel beschießt weiterhin Ziele in dem Palästinensergebiet. In Deutschland kommt es zu antisemitischen und anti-israelischen Protesten.

Israel macht Jagd auf Kommandeure

Israel begründet seine Angriffe mit den heftigen Raketenangriffen aus dem Gazastreifen. Wie ein Armeesprecher mitteilte, wurden seit Montagabend mehr als 1.600 Raketen auf Israel abgefeuert. Das israelische Militär habe im Gegenzug rund 600 Ziele im Gazastreifen beschossen.

Die Armee tötet gezielt Kommandeure der Hamas und des Islamischen Dschihad. Opfer in der Zivilbevölkerung versuche man zu vermeiden. Etwa, in dem die Bewohner von Häusern vor einem Angriff gewarnt würden. Nach palästinensischen Angaben gibt es dennoch auch zivile Todesopfer.

"Jeder, der eine Waffe im Gazastreifen hält, ist für uns bereits ein toter Mann", sagte ein Armeesprecher im israelischen Radio. "Wir wollen weiterhin Kämpfer und hochrangige Kommandeure treffen. Wir sehen, dass der Druck Auswirkungen hat und dass sie schon weniger erfolgreich sind mit manchen Dingen."

Welches Ziel die Armee in Gaza hat, ist nicht bekannt. Klar scheint jedoch, dass sie der Hamas nicht – wie in der Vergangenheit – Pausen oder Waffenruhen gewähren will. Die Kampfhandlungen sollen deshalb mindestens bis Samstag fortgesetzt werden.

Armee verlegt zusätzliche Truppen an Gaza-Grenze

Am Donnerstag wurden zusätzliche Truppen an die Grenze des Gazastreifens verlegt, Israels Verteidigungsminister Benny Gantz genehmigte die Mobilisierung von weiteren 9.000 Reservisten.

Israelische Panzer feuerten auf die palästinensische Enklave und Bodentruppen sammelten sich laut AFP-Reportern an der Grenze. Der Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen auf israelische Städte hielt aber weiter an.

Raketen bis zum Roten Meer

Am Nachmittag herrschte erstmals bei Tageslicht Raketenalarm im Großraum Tel Aviv. Allein in dieser Angriffswelle sollen militante Palästinenser 100 Raketen abgefeuert haben. Eine Rakete wurde nach Angaben der Hamas sogar auf Eilat am Roten Meer abgefeuert. Das sind 200 Kilometer. Möglicherweise war das die Rakete mit der größten Reichweite, die die Hamas je abgefeuert hat.

Die Hamas will Israel offenbar von der Welt isolieren. Nachdem der Flughafen bei Tel Aviv wegen der Raketen zwischenzeitlich seinen Betrieb einstellen musste, will die Hamas dieses Ziel offenbar auch beim zweiten internationalen Airport bei Eilat erreichen. Dabei ist der eigentlich als Ausweichflughafen vorgesehen.

Ein ehemaliger Flughafenmanager erklärte im israelischen Fernsehen: Einer der Gründe für die Errichtung des Flughafens bei Eilat seien nicht nur die Wetterbedingungen, sondern auch die Sicherheitsüberlegungen gewesen. "Das Problem ist uns noch aus dem Yom-Kippur-Krieg bekannt. Sobald sich die Sicherheitslage verschärft, bleiben die ausländischen Fluggesellschaften fern und wir sind allein auf die israelischen Fluggesellschaften angewiesen."

Auch israelische Airlines stellen zwischenzeitlich den Betrieb ein

Doch sogar die israelischen Airlines – die den Ruf haben, wann immer möglich zu fliegen – stellten zwischenzeitlich den Betrieb ein. Für die Hamas ist das ein immenser Erfolg. Bei vielen Israelis – die ihr Land fast ausschließlich per Luft verlassen – löst die Lage Beklemmung aus. Das weiß auch Israels Premier Benjamin Netanjahu. Er besuchte eine Armee-Einheit des israelischen Raketenabwehrsystems. Eine Art Lebensversicherung für die Israelis.

Die Kommandeure und Soldatinnen leisteten außergewöhnliche Arbeit, so der Premier. Eine Abfangrate von 100 Prozent sei aber leider unmöglich. "Wir greifen weiterhin die Hamas an, während wir unsere Bürger beschützen. Es wird Zeit brauchen und Entschlossenheit – aber wir werden unser Ziel erreichen: Die Ruhe im Staat Israel wiederherzustellen."

Ruhig ist die Lage auch abseits des Konfliktes mit der Hamas nicht: Auch in dieser Nacht könnte es – in israelischen Städten - wieder zu Lynch-Angriffen zwischen Arabern und Juden kommen.

Drei Raketen aus dem Libanon

Darüber hinaus könnte sich eine weitere Front auftun. Aus dem Libanon sind nach israelischen Militärangaben drei Raketen abgefeuert worden. Sie seien aber vor der Küste im Norden des Landes ins Mittelmeer gefallen. Libanesische Sicherheitskreise bestätigten, es seien drei Raketen vom Süden des Libanons aus abgefeuert worden. Es war zunächst aber unklar, welche Gruppierung für den Angriff verantwortlich ist.

Antisemitische und antiisraelische Vorfälle in Deutschland

In Deutschland kam es zu mehreren antisemitischen und anti-israelischen Demonstrationen. In Gelsenkirchen stoppte die Polizei am Mittwochabend einen Demonstrationszug, der sich in Richtung Synagoge bewegte. In einem per Twitter verbreiteten Video des Zentralrats der Juden sind Sprechchöre mit antisemitischen Inhalten zu hören. Die Polizei bestätigte am Donnerstag die Echtheit des Videos.

Auch in Hannover musste die Polizei bei einer Anti-Israel-Demonstration einschreiten. Zudem wurden in mehreren Städten israelische Flaggen angezündet, unter anderem in Würzburg.

Steinmeier: Judenhass werden wir nicht dulden

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier warnte deshalb vor weiteren antisemitischen Ausfällen bei Demonstrationen gegen Israel und kündigt klare Konsequenzen an. "Judenhass - ganz gleich von wem - wollen und werden wir in unserem Land nicht dulden", sagte er der "Bild". Das Grundgesetz garantiere zwar das Recht auf Meinungs- und Demonstrationsfreiheit. "Wer aber auf unseren Straßen Fahnen mit dem Davidstern verbrennt und antisemitische Parolen brüllt, der missbraucht nicht nur die Demonstrationsfreiheit, sondern der begeht Straftaten, die verfolgt werden müssen", mahnte Steinmeier. "Nichts rechtfertigt die Bedrohung von Jüdinnen und Juden in Deutschland oder Angriffe auf Synagogen in deutschen Städten."

Kein UN-Sicherheitsratstreffen zu Eskalation in Nahost am Freitag

Trotz der anhaltenden Kämpfe wird die für Freitag geplante Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats zur Eskalation in Nahost nicht stattfinden. Dies teilte ein Sprecher des chinesischen Ratsvorsitzes am Donnerstag in New York mit. Laut Diplomaten waren die USA gegen die erneute Sitzung, die die dritte binnen einer Woche gewesen wäre. US-Außenminister Antony Blinken sagte am Donnerstag, Washington befürworte eine Sitzung Anfang kommender Woche. Dies verschaffe der Diplomatie etwas Zeit.

Zehn Sicherheitsratsmitglieder, darunter Tunesien, Norwegen und China, hatten die öffentliche Sitzung angesichts der Eskalation der Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern für Freitag beantragt. Nach Angaben aus Diplomatenkreisen sollten auch Vertreter Israels und der Palästinenser daran teilnehmen. Bei den zwei vorherigen Sitzungen hatte es keine Einigung auf eine gemeinsame Erklärung gegeben. Dies lag Teilnehmern zufolge an den USA, die eine Verurteilung ihres Verbündeten Israel ablehnten.

"Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick - kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht's zur Anmeldung!