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Papst Franziskus beurlaubt Erzbischof Gänswein | BR24

© dpa/ picture alliance

Papst Franziskus soll den Präfekt des Päpstlichen Hauses, Georg Gänswein, beurlaubt haben.

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    Papst Franziskus beurlaubt Erzbischof Gänswein

    Papst Franziskus hat Georg Gänswein, Präfekt des Päpstlichen Hauses, vorübergehend von seinen Aufgaben entbunden. Möglicher Grund: die Verwirrung rund um die Veröffentlichung eines Zölibat-Buches, zu dem Benedikt XVI. einen Aufsatz beisteuerte.

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    Papst Franziskus hat Erzbischof Georg Gänswein, Präfekt des Päpstlichen Hauses, auf unbestimmte Zeit freigestellt. Die katholische Wochenzeitung "Die Tagespost" aus Würzburg verbreitet Mittwochvormittag die Meldung. Erst am späten Nachmittag bestätigte die Pressestelle des Vatikans, Gänswein konzentriere sich bis auf weiteres auf seine Aufgabe als Privatsekretär des emeritierten Papstes Benedikt XVI. Dies sei eine "normalen Umverteilung der verschiedenen Aufgaben und Funktionen", so Vatikanssprecher Matteo Bruni.

    Gänswein soll sich mehr um Benedikt kümmern

    Als Präfekt des Päpstlichen Hauses ist Gänswein unter anderem für die Audienzen des Papstes zuständig. Von dieser Aufgabe ist er nun beurlaubt und wird vom Regenten der Präfektur, Leonardo Sapienza, vertreten. Ungewiss ist, wie lange die Beurlaubung dauern wird.

    Eigentlicher Grund für die Beurlaubung soll aber der Wirbel um die Buchveröffentlichung von Kurienkardinal Robert Sarah im Januar sein. Zunächst firmierte der emeritierte Papst als Co-Autor. In der französischen Tageszeitung "Le Figaro" wurden vorab einige Auszüge veröffentlicht, die öffentlich große Empörung auslösten.

    War der Artikel über den Zölibat der Anlass?

    Benedikt, ein vehementer Befürworter eines verpflichtenden Zölibats, falle mit dem Buch Amtsinhaber Franziskus in den Rücken, lautete damals der Vorwurf. Denn Franziskus wird sich in den kommenden Tagen zum Zölibat äußern und möglicherweise für die Amazonas-Region eine Lockerung ankündigen. Bei der Amazonas-Synode Ende Oktober in Rom hatte die Mehrheit der Teilnehmer dafür votiert, in bestimmten Fällen Ausnahmen von der Zölibatspflicht zuzulassen.

    Nach der Aufregung um das Buch gab Erzbischof Georg Gänswein im Namen von Benedikt bekannt, dass dieser nicht Co-Autor des Buches sei, sondern lediglich ein Kapitel beigesteuert hätte. Das Buch soll im Februar in Deutschland erscheinen.

    Gänswein als Strippenzieher der "konservativen Reformgegner"?

    Schon in der Vergangenheit hatte es Gerüchte gegeben, der Papst wolle Gänsweins Rolle als Diener zweier Herren im Vatikan beenden. Der 63 Jahre alte Deutsche war als Präfekt des Päpstlichen Hauses formal ein wichtiger Mitarbeiter Franziskus‘, gleichzeitig als Privatsekretär des Papstes Emeritus der engste Vertraute seines Förderers Benedikts. Immer wieder war im Vatikan hinter vorgehaltener Hand zu hören, Gänswein sei einer der Strippenzieher der Reformgegner in der Kurie und stehe zudem hinter den – wenigen – öffentlichen Äußerungen Benedikts, die von Franziskus-Kritikern in der katholischen Kirche beklatscht wurden. Jetzt also die Degradierung – die der Vatikan nicht als solche verstanden wissen will. Es habe, sagt Papst-Sprecher Matteo Bruni, eine „gewöhnliche Umverteilung verschiedener Pflichten und Funktionen“ gegeben.

    Gänswein fehlte bei der jüngsten Generalaudienz

    Gänswein hat auf die ARD-Anfrage bisher noch nicht geantwortet. Auffällig war bereits, dass Gänswein in der Generalaudienz am Mittwochvormittag nicht, wie üblich, an der Seite von Papst Franziskus saß.

    Bereits in den Wochen nach der Veröffentlichung des umstrittenen Buches fehlte Gänswein in der Generalaudienz, eine Erklärung von Seiten des Vatikans gab es dafür bisher nicht. Als Präfekt des Päpstlichen Hauses gehört es zu seinen Aufgaben, den Papst bei Generalaudienzen zu begleiten. Gänswein ist seit 2005 Privatsekretär Benedikts, nach der Wahl Franziskus‘ zum Papst 2013 bestätigte dieser Gänswein als Präfekt des Päpstlichen Hauses.

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