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Medicane über Griechenland: Mindestens zwei Tote | BR24

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In der Nacht ist Zentralgriechenland von Unwettern heimgesucht worden. Wirbelsturm "Ianos" überflutete Straßen, riss Häuser ein. Mindestens zwei Menschen starben.

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Medicane über Griechenland: Mindestens zwei Tote

Der Wirbelsturm "Ianos" und ein weiteres Sturmtief über der Nordägäis haben in der Nacht zum Samstag in weiten Teilen Griechenlands zu schweren Schäden geführt. Mindestens zwei Menschen sind dabei ums Leben gekommen, eine weitere Frau wird vermisst.

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Abgedeckte Häuserdächer, überflutete Straßen, umgestürzte Bäume: Der Wirbelsturm "Ianos" mit Windgeschwindigkeiten von über einhundert Kilometern pro Stunde und ein weiteres Sturmtief über der Nordägäis hat in Griechenland für teils schwere Verwüstungen gesorgt. Nach ersten Erkenntnissen sind ein Mann und eine Frau dabei gestorben. Das teilte die Feuerwehr mit. Zudem würde eine 40-jährige Frau vermisst. Die Schäden gehen in die Millionen.

Umgebung nördlich von Athen besonders stark betroffen

Laut dem Bericht des staatlichen Fernsehsenders ERT wurde in Farsala, in der Mitte des Landes, die Leiche einer Frau gefunden, deren Haus durch die heftigen Regenfälle von Wassermassen überflutet war. In der nahegelegenen Stadt Karditsa starb ein Mann an seinem Arbeitsplatz. In der Nachbarstadt Mouzaki wurde am Samstag nach einer vermissten Frau gesucht. Das Auto der 40-Jährigen war von den über die Ufer getretenen Wassermassen eines Flusses mitgerissen worden. Die Region rund 300 Kilometer nördlich von Athen war besonders betroffen.

Viele Menschen könnten ihre Häuser wegen Hochwassers nicht verlassen, so ein Sprecher der griechischen Feuerwehr. Die Einsatzkräfte mussten mehr als 600 Personen aus ihren Wohnungen befreien oder anderweitig retten.

50 Flüchtlinge auf Schlepperboot in Seenot geraten

Vor der westgriechischen Insel Zakynthos gerieten rund 50 Migranten an Bord eines Schiffes in Seenot. Die Küstenwache und vorbeifahrende Schiffe versuchten, den Menschen auf dem havarierten Boot zu helfen. Wegen der hohen Wellen war es den Rettungskräften bislang allerdings nicht möglich, die Menschen aus dem havarierten Boot in Sicherheit zu bringen. Man hoffe, dass das Boot, bevor es kentere, zum Festland der Halbinsel Peloponnes treibe, so die Küstenwache.

Die Behörden gehen davon aus, dass Schlepper mit dem Schiff Flüchtlinge aus Nordafrika illegal nach Italien bringen wollten. Im Ionischen Meer, das zwischen Italien und Griechenland liegt, werden fast täglich Migranten auf dem Weg nach Italien entdeckt. Mit den von Schlepperbanden organisierten Überfahrten aus Griechenland oder der Türkei direkt nach Italien versuchen Migranten, die weitgehend geschlossene Balkanroute zu umgehen und auf diesem Weg nach Westeuropa zu gelangen. "Das, was die Schlepper gemacht haben, ist Irrsinn", sagte ein Offizier der Küstenwache der Deutschen Presse-Agentur. Bei so einem Sturm verlasse niemand den Hafen, hieß es.

Zug- und Fährverkehr teilweise unterbrochen

Bilder und Videos in sozialen Medien und im griechischen Fernsehen zeigen eine Spur der Zerstörung: "Ianos" mit seinen heftigen Sturmböen entwurzelte vielerorts Bäume und beschädigte Strommasten. Strom- und Wasserversorgung brachen zusammen. In einigen Ortschaften stand das Wasser bis zu einem Meter hoch in den Straßen, sodass Autos weggeschwemmt wurden. Segelboote wurden von den Wellen an Land gespült oder gleich im Hafen versenkt. Wegen Schäden an der Bahnstrecke wurde die Zugverbindung Athen - Thessaloniki unterbrochen. Auch mehrere Flüge mussten umgeleitet werden. Der Fährverkehr zwischen den griechischen Inseln wurde zwischenzeitlich komplett eingestellt.

Intensität der Stürme hat in den letzten Jahren zugenommen

Ältere Griechen versichern, dass es solche schweren Stürme in dieser Regelmäßigkeit früher nicht gegeben habe. "Ich stand bis zu den Hüften im Wasser", sagte eine 86-Jährige am Samstag dem Fernsehsender Skai in der stark betroffenen Stadt Karditsa. "Wir hatten auch früher mal Stürme, aber nie so gewaltig." Im Laufe des Samstag passiert der Medicane die Westküste der Insel Kreta, während es in der Nordägäis stürmisch bleibt. Mit einer Wetterbesserung rechnen die Meteorologen vor Sonntagnacht an.

Ein Medicane wie "Ianos" ist ein Sturmtief, das sich gegen Ende des Sommers im Mittelmeerraum bilden kann, wenn das Wasser dort noch hohe Temperaturen aufweist. Sobald der Sturm das Festland erreicht, verliert er an Heftigkeit - in diesem Fall aber zog der Sturm an der griechischen Westküste entlang Richtung Süden. Griechenland wird in den vergangenen Jahren verstärkt von Stürmen und Starkregen heimgesucht, oft sind Verletzte und Tote zu beklagen.

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