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Master und Bachelor: Mit Anglizismen zum Erfolg im Handwerk? | BR24

© pa / dpa / Olaf Döring

Schweißer bei der Arbeit

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Master und Bachelor: Mit Anglizismen zum Erfolg im Handwerk?

Nach dem Bundestag hat auch der Bundesrat einer Reform der beruflichen Bildung zugestimmt. Azubis bekommen einen Mindestlohn, neue Bezeichnungen wie "Bachelor Professional" sollen die Abschlüsse aufwerten. Unter Praktikern ist das Echo gemischt.

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Künftig sollen die beruflichen Fortbildungsstufen "Geprüfter Berufsspezialist", "Bachelor Professional" und "Master Professional" heißen, Bezeichnungen wie Betriebswirtin, Wirtschaftsfachwirt oder Fachkauffrau entfallen hingegen. Meisterinnen und Meister dürfen sich zusätzlich "Bachelor Professional" nennen. Die englischen Bezeichnungen sollen dabei helfen, dass die Berufsabschlüsse international besser verglichen werden können.

Für viele macht der "Meister" noch Sinn

Auf der Münchner Messe "Heim und Handwerk" wurden die Neuerungen mit gemischten Gefühlen aufgekommen. Schreinermeister Werner Plaschke betont, dass er seinen Meister-Titel in Bayern auch weiter führen wird.

"Gerade in Deutschland, wo man sagt: 'Ich bin Meister meines Faches', da sollte man schon noch darauf achten, dass man nicht alles amerikanisiert." Werner Plaschke, Schreinermeister

Kritik am "Bachelor"

Für Geschäfte im Ausland könne die Neuerung sinnvoll sein, so Plaschke, allerdings findet er die Bezeichnung "Bachelor" für einen Handwerksmeister falsch, der Begriff "Master" sei angesichts der mindestens viereinhalbjährigen Meister-Ausbildung eher angebracht.

"Der Handwerker ist grundsätzlich nicht so angesehen, wie wenn jemand studiert hat. Aber wenn man Bachelor gleichstellt mit einem Meister, wo man drei Jahre eine Lehrzeit durchlaufen hat, und dann eineinhalb Jahren Meisterschule, ob man das gleichstellen kann mit einem Bachelor: meiner Meinung eher wie ein Master." Werner Plaschke, Schreinermeister

Vor- und Nachteile der Internationalität

Kunstschmiedmeister Benjamin von Pfaler ist gegenüber den Neuerungen grundsätzlich aufgeschlossen:

"Natürlich kann ich verstehen, dass man auf alten Werten besteht, weil es so verinnerlicht ist, aber ich persönlich habe nichts dagegen, wenn eine neue Bezeichnung kommt." Benjamin von Pfaler, Kunstschmiedmeister

Pfaler hat zwei Jahre in Neuseeland und Australien als Metallbaumeister gearbeitet, wo man mit dem deutschen Meister-Titel nicht viel anfangen konnte. Andere Handwerksmeister auf der Handwerksmesse kritisierten hingegen die Zunahme der Anglizismen, und befürchteten, dass sich Handwerker aus EU-Nachbarländern als "Bachelor Practising" möglicherweise leichter in Bayern selbständig machen könnten.

Mehr Geld für Auszubildende

Als Mindestvergütung sollen künftig Auszubildende im ersten Ausbildungsjahr monatlich 515 Euro bekommen, ab 2021 erhöht sich der Betrag auf 550 Euro, 2022 auf 585 Euro und 2023 auf 620 Euro. Nach dem ersten Ausbildungsjahr steigt die Mindestvergütung weiter an - um 18 Prozent im zweiten Jahr, um 35 Prozent im dritten und um 40 Prozent im vierten Ausbildungsjahr.

Die heute verabschiedeten Neuregelungen treten zum 1. Januar 2020 in Kraft.

© BR.de

Handwerksmeister dürfen sich ab 1. Januar auch "Bachelor Professional" nennen. Das hat der Bundesrat beschlossen. Bundesbildungsministerin Karliczek will dadurch die berufliche Bildung aufwerten.