| BR24

 
 

Bild

Juso-Chef Kevin Kühnert
© dpa-Bildfunk/Andreas Arnold
© dpa-Bildfunk/Andreas Arnold

Juso-Chef Kevin Kühnert

In einem Interview mit der "Zeit" hat Juso-Chef Kevin Kühnert gesagt, die "Überwindung des Kapitalismus" sei ohne die Kollektivierung von Großunternehmen nicht denkbar. Er wolle eine Kollektivierung von Unternehmen wie BMW "auf demokratischem Wege" erreichen. Ohne Kollektivierung sei "eine Überwindung des Kapitalismus nicht denkbar".

Für seine Vorschläge erntet Kühnert Kritik von allen Seiten, auch aus der eigenen Partei.

Scheuer: "Verschrobenes Retro-Weltbild eines Fantasten"

"Das ist ein verschrobenes Retro-Weltbild eines Fantasten, der irgendwie mit dem System hier nicht zufrieden ist. Wenn du so einen in der Partei hast, kannst du eigentlich zusperren." Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer am Rande eines Termins in Regensburg

Kühnert müsse vielmehr anerkennen, dass Deutschland wirtschaftlich höchst erfolgreich und bei den Arbeitlosenzahlen auf Niedrigrekord sei. Mit dem Vorschlag, große Unternehmen zu kollektivieren, mache man sich schuldig am erfolgreichen System der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland, "das ja besteht aus sozial und Marktwirtschaft, und das ist das Erfolgsmodell für Deutschland", so Scheuer.

"Gerade Bayern mit den starken Automobilstandorten hat ja ein Interesse, dass wir innovativ weitergehen", betonte CSU-Minister Scheuer.

Kritik auch aus SPD und FDP

Kritik an Kühnerts Vorschlägen kommt sowohl aus Union und FDP, als auch aus der eigenen Partei. Der SPD-Abgeordnete Johannes Kahrs sprach von "grobem Unfug", fragte sogar: "Was hat der geraucht?" SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil distanzierte sich von der Forderung Kühnerts, Großunternehmen wie den Automobilkonzern BMW zu kollektivieren. Kühnert habe im Interview mit der "Zeit" über eine "gesellschaftliche Utopie" gesprochen, erklärte Klingbeil. "Diese ist nicht meine und auch keine Forderung der SPD." Angesichts scharfer Kritik aus Union und FDP rate er jedoch "zu mehr Gelassenheit in der Diskussion". FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg sagte, die SPD müsse dringend ihr Verhältnis zum Eigentum klären

Kohnen verteidigt Kühnert

Rückendeckung erhält Kühnert von der bayerischen SPD-Landeschefin Natascha Kohnen.

"Ein Vorsitzender der Jungsozialisten darf über die Zusammenhänge von Kapitalismus und sozialer Demokratie frei querdenken und das ist sein Recht. Daraus sollte keine hysterische Debatte bei den anderen Parteien entstehen." Natascha Kohnen, bayerische SPD-Landeschefin auf ihrer Facebook-Seite

In der Politik gelte es vielmehr, die Rolle eines starken Sozialstaates neu zu definieren wie es die SPD mit der Grundrente, dem Bürgergeld und dem Mietenstopp bereits tue.

"Es fehlen elementarste Grundkenntnisse"

Kritik an Kühnerts Thesen kommt nicht nur aus den Parteien, sondern auch aus der Wirtschaft und Gesellschaft.

"Sozialistische Gedankenspiele nehmen deutlich zu, das ist besorgniserregend, ebenso wie die Verklärung der DDR. Umso mehr gilt es, die soziale Marktwirtschaft besser und verständlicher zu erklären." Michael Voigtländer, Immobilienexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft auf Twitter

Christoph Lütge, Professor für Wirtschaftsethik an der TU München schreibt auf Twitter:

"Was der Fall #Kuehnert letztlich vor allem offenbart: Es mangelt in Deutschland weiterhin massiv an ökonomischer Bildung in der Schule. Einen derartigen Unsinn zu verzapfen, kann nur gelingen, wenn einem die elementarsten Grundkenntnisse über ökonomische Zusammenhänge fehlen." Christoph Lütge auf Twitter

Riexinger bezeichnet Forderungen als "Selbstverständlichkeit"

Applaus bekommt der Juso-Chef von den Linken. Kühnert habe "Selbstverständlichkeiten formuliert", sagte der Linken-Vorsitzende Bernd Riexinger der Nachrichtenagentur AFP in Berlin. "Die Grundversorgung der Menschen, also zum Beispiel mit Wohnraum, Medizin und Bildung, darf nicht von Profitinteressen abhängen. Dass das einen solchen Aufschrei hervorruft, sagt etwas über die geistige Verfassung des politischen Establishments aus."

Kühnert-Interview in der "Zeit"

Kühnert-Interview in der "Zeit"