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Männliche Küken haben meist ein kurzes Leben: Weil der Markt sie nicht will, werden sie nach dem Schlüpfen massenhaft getötet. Damit soll Ende 2021 Schluss sein. Landwirtschaftsministerin Klöckner hat ein entsprechendes Gesetz vorgelegt.

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Massentöten von Küken soll 2022 vorbei sein

Nach langen Diskussionen nennt die Politik ein Ausstiegsdatum für das Kükentöten. Doch die Technik zur Geschlechtsbestimmung ist noch verbesserungsfähig. Zudem gibt es technikfreie Alternativen.

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Von
  • Markus Langenstraß

"Ende 2021 ist Schluss", sagt Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). Und meint das massenhafte Töten männlicher Küken. Ein Gesetz wird es Ende 2021 verbieten. Klöckner sieht darin einen "Meilenstein für den Tierschutz". Die Landwirtschaftsministerin hatte zunächst darauf gesetzt, dass die Branche freiwillig Alternativen zum Töten annimmt. Da sei aus ihrer Sicht nicht so viel passiert, sagt Klöckner. Also ein Gesetz.

Männliche Küken sind unrentabel

Allein im letzten Jahr wurden 45 Millionen männliche Küken getötet, weil sie aus ökonomischer Sicht kaum zu gebrauchen sind. Ihr Brustvolumen ist zu gering, als dass sich ihre Aufzucht für den Verzehr lohnen würde. Die Küken werden zu Tierfutter verarbeitet. Alternativen zum Töten gab es aus Produzentensicht lange nicht.

Klöckner: Die Alternativen zum Töten sind marktreif

Das hat sich aus Sicht der Landwirtschaftsministerin geändert: Es gibt marktreife Verfahren, mit denen das Geschlecht bereits im Ei bestimmt werden kann. Bei endokrinologische Verfahren, wird das Ei neun Tage lang bebrütet. Dann wird es mit einem Laser angepikst, heraus läuft ein Tropfen embryonale Harnflüssigkeit. Ein Schnelltest zeigt, ob es sich um ein weibliches Küken handelt.

Im Einsatz ist auch ein optisches Verfahren: Das Ei wird durchleuchtet. Weil Hühnerembryos bereits Federn haben, wird deren Farbe gescannt. Dunklere weisen auf ein weibliches, gelbliche auf ein männliches Küken hin, erklärt Markus Schick, Abteilungsleiter Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit im Landwirtschaftsministerium. Alle derzeit marktreifen Verfahren haben eines gemein: Sie können das Geschlecht erst zwischen dem neunten und dem vierzehnten Brüttag bestimmen.

Marktreife Verfahren: Noch nicht das Gelbe vom Ei

Küken empfinden zu dieser Zeit ziemlich wahrscheinlich bereits Schmerzen. Ab dem siebten Tag sei Schmerzempfinden möglich, sagen Wissenschaftler, auch wenn sie über die Stärke des Empfindens diskutieren. Deshalb will sich Klöckner nicht mit den derzeitigen marktreifen Systemen zufriedengeben. Sie seien lediglich "Brückentechnologien". Spektroskopische Verfahren könnten das Geschlecht bereits nach etwa vier Brüttagen bestimmen. Das Ministerium setzt auf diese Technik und rechnet mit Marktreife in drei Jahren.

Anbieter von Geschlechtsbestimmung gehen ins Risiko

Gleichzeitig will Klöckner ab Ende 2023 verbieten, dass bebrütete Eier später als dem sechsten Tag vernichtet werden. Für die Anbieter des Geschlechtsscans ist das eine Herausforderung. Denn eine marktreife Maschine, mit der das möglich ist, gibt es noch nicht. Heißt für sie: ins Risiko gehen. Die Respeggt-Group beispielsweise wird ein Geschlechtsbestimmungszentrum im Raum Wesel bauen. Ab spätestens Juni nächsten Jahres sollen dort pro Jahr zwölf Millionen weibliche Embryos im Ei gefunden werden.

Man forsche intensiv weiter, sagt Sprecherin Kristin Höller dem BR. Trotzdem sei nicht klar, wann der Test nicht erst wie jetzt am neunten, sondern schon vor dem sechsten Brüttag möglich ist. Klöckners Vorgabe, dass das Ende 2023 möglich sein muss, nennt sie "ambitioniert". Das Ministerium weist jede Kritik zurück, es gebe ein Problem mit der Planungssicherheit: Es sei klar, ab welchem Jahr welche Regel gilt.

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Mit dem massenhaften Töten von männliche Küken in Geflügelfarmen will die Bundesregierung nun Ende nächsten Jahres Schluss machen - und hat heute ein Gesetz vorgelegt. Es verbietet künftig das Töten der Küken.

Europaweite Lösung in Arbeit - aber nicht zeitnah

Für Verbraucher könnten Eier zwei bis vier Cent teurer werden, rechnet der Handel. In dem Zusammenhang sieht der Bauernverband ein weiteres Problem: Er will zwar auch schnell flächendeckende Geschlechtsbestimmung, aber nicht, dass sich der Einzelhandel mit Billigeiern im europäischen Ausland eindeckt.

Dahinter steckt die Forderung der Verbände, es müsse erst eine gemeinsames europäische Lösung geben. Die Landwirtschaftsministerin sagt, Frankreich habe bereits zugesagt, beim Verbot mitzumachen. An einer europaweiten Lösung werde gearbeitet. "Aber wer zuerst die europaweite Lösung fordert, will den Tierschutz auf die lange Bank schieben."

Umweltverbände fordern Zweinutzungshuhn

Umweltverbände hätten sich mehr gewünscht: Die Eier mit männlichem Embryo würden trotzdem verschwendet, kritisiert der BUND. "Das Verbot ist richtig, aber nicht konsequent genug, zu mutlos und kommt verspätet", sagt Tierschutzbund-Präsident Thomas Schröder. Das Töten empfindungsfähiger Embryonen werde noch um Jahre verlängert.

Stattdessen fordert der Tierschutzbund die Politik auf, sich für die Rückkehr zum "Zweinutzungshuhn" einzusetzen. Hennen der Zweinutzungs-Zuchtrichtung legten zwar etwas weniger Eier, doch dafür könnten die Hähne etwas rentabler gemästet werden, sagt Schröder. Und die Tiere seien vitaler und weniger anfällig für Krankheiten. Eine Lösung ohne Technikeinsatz. Dazu müssten alte Hühnerrassen wieder gezüchtet werden.

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Ein Gesetz soll es künftig verbieten, dass männliche Küken nach dem Schlüpfen getötet werden. Was das für Geflügelbetriebe in Deutschland bedeutet? Wir haben bei einem Landwirt in Dietramszell nachgefragt.

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